Prodigal Son

Krimi | USA 2019 | Minuten

Regie: Adam Kane

Ein junger Profiler, der nach einer gescheiterten FBI-Karriere fürs NYPD als Berater arbeitet, wird von einer traumatischen Vergangenheit verfolgt: Sein Vater ist ein Serienkiller, der wegen des Mordes an über 20 Opfern zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, als der Profiler noch ein kleiner Junge war. Als er im Fall eines "Copy Cat Killers" ermittelt, der Morde seines Vaters nachahmt, nimmt er nach jahrelanger Distanz wieder Kontakt zu dem Inhaftierten auf. Die Krimiserie verbindet eine "Ein Fall pro Folge"-Dramaturgie mit übergreifenden Handlungsbögen rund um das verkorkste Vater-Sohn-Verhältnis und liefert mit interessant konzipierten, makabren Mordgeschichten und einem psychologischen Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem seelisch lädierten Profiler und seinem undurchsichtig-charismatischen Vater solide Unterhaltung. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
PRODIGAL SON
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Regie
Adam Kane · Rob Bailey · Megan Griffiths · Rob Hardy · Leon Ichaso
Buch
Chris Fedak · Sam Sklaver
Kamera
Benji Bakshi · Anthony Wolberg · Niels Alpert · Nigel Bluck
Musik
Nathaniel Blume
Darsteller
Tom Payne (Malcolm Bright) · Michael Sheen (Dr. Martin Whitly) · Lou Diamond Phillips (Gil Arroyo) · Bellamy Young (Jessica Whitly) · Halston Sage (Ainsley Whitly)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi | Serie | Thriller

Wie viel Vater steckt im Sohn? Eine Krimiserie um einen seelisch lädierten New Yorker Profiler, dessen Vater ein inhaftierter Serienkiller ist.

Diskussion

Wenn der Profiler Malcolm Bright (Tom Payne) schlafen geht, trägt er eine Beißschiene und fixiert sich selbst mittels Handschellen am Bettgestell: Die Albträume, die ihn verfolgen und nachts nicht zur Ruhe kommen lassen, sind so krass, dass ohne diese Sicherungsmaßnahmen die Gefahr besteht, er könne sich selbst verletzen. Der Grund für diese Albträume und auch dafür, dass der junge Mann aus der New Yorker High Society sich für den Beruf entschieden hat, sich am Verstand von Mördern abzuarbeiten, sitzt seit Jahren in einer Haftanstalt für psychisch kranke Straftäter: Malcolms Vater, der Herzchirurg Martin Whitly (Michael Sheen), ist der Serienkiller „The Surgeon“, der wegen des Mordes an über zwanzig Opfern zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, als Malcolm noch ein kleiner Junge war. Ein Trauma, das den Sohn immer noch fest im Griff hat – auch weil ihn Lücken in seiner Erinnerung quälen. Malcolm war damals der Grund dafür, dass der ermittelnde NYPD-Lieutenant Gil Arroyo (Lou Diamond Phillips) Martin Whitly festnehmen konnte – doch was war in der Zeit vorher? War Malcolm irgendwie in die Morde seines Vaters verstrickt und hätte schon früher Alarm geben können, um Opfer zu retten – vor allem jene mysteriöse Frau in einer Kiste, von der Malcolm nicht weiß, ob sie je real war oder nur ein Hirngespinst von ihm ist? Und was wusste seine Mutter Jessica (Bellamy Young), die zum New Yorker Geldadel gehört und mit eisernem Willen versucht, ihre Restfamilie – Malcolm und seine Journalisten-Schwester Ainsley – von allen Assoziationen mit den Mordtaten des Vaters fernzuhalten und die Vergangenheit hinter sich zu lassen?

Die Reichen, die Schönen und die Mordlustigen von New York

Die von Chris Fedak und Sam Sklaver kreierte Krimiserie balanciert zwischen Psychothriller und Familiendrama – wobei der Erzähltonfall weniger bierernst-düster als makaber-exaltiert ist. Gleich in Folge 1 kommt Malcolm, der jahrelang jede Verbindung zu seinem inhaftierten Vater mied, wieder in Kontakt zu diesem, nachdem seine FBI-Karriere gescheitert ist und er als Berater fürs NYPD und Gil Arroyo einem Killer nachspürt, der sich bald als „Copy Cat“ in Martin Whitlys Fußstapfen entpuppt. Malcolm sucht Martin auf, um von ihm Hinweise auf den Mörder zu bekommen, und Martin tut alles, um dafür zu sorgen, dass daraus wieder ein regelmäßiger Kontakt wird.

Die weiteren Folgen vereinen eine „Ein Fall pro Folge“-Dramaturgie, in der Malcolm, Gil und zwei seiner Kollegen immer wieder neuen, oft herrlich abseitig-blutigen Verbrechen in „Big Apple“ und vornehmlich in der High Society der Stadt nachspüren, mit einem übergreifenden Handlungsbogen, in dem es um Malcolms verkorkstes Verhältnis zu seinem Vater geht – um die unaufgearbeitete Vergangenheit genauso wie um die Gegenwart, in der sich die beiden durch die Gitter von Martins Zelle hindurch immer wieder verbale Katz-und-Maus-Spiele liefern und Malcolm sich an der Frage abarbeitet, mit wie viel Vater im Mörder und wie viel Mörder im Vater er es da gerade zu tun hat – und wie viel Martin letztlich in ihm selbst steckt. Gegen Ende von Staffel 1 kommt dann ein neuer Serienkiller ins Spiel, der auf fatale Weise mit Malcolms Vergangenheit verbunden ist und dafür sorgt, dass sich die letzten Folgen zu einem sich zuspitzenden Thriller runden.

Tom Payne, bekannt geworden vor allem durch seinen Part in „The Walking Dead“ und dort einer der gefestigten, durchweg positiven Charaktere, schlägt sich dabei sehr gut als seelisches Wrack, das seinen inneren Druck in Hyperaktivität und einer seinen Kollegen immer wieder höchst verdächtigen Obsession für seine Arbeit entlädt; er gibt eine schillernde und trotz aller Seltsamkeit in ihrer Verletzlichkeit sympathische Hauptfigur ab. Der interessanteste Charakter der Serie ist freilich der von Michael Sheen herrlich süffisant und undurchsichtig gespielte „Surgeon“, der hinter seiner vordergründig harmlos-kultivierten Fassade für die Zuschauer ähnlich mysteriös, unheimlich und zugleich faszinierend ist wie für seinen Sohn. Dass er und seine Storyline verglichen mit den „murders of the week“ etwas zu wenig Raum einnehmen, ist denn auch das einzige Manko der ersten Staffel.

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