Horror | USA 2020 | 102 Minuten

Regie: Steven Brill

Ein übereifriger Halloween-Liebhaber und Freizeit-Ordnungshüter in der wegen ihrer Hexenprozess-Vergangenheit berühmten Stadt Salem wird in der Nacht des 31. Oktobers tatsächlich mit finsteren Umtrieben konfrontiert wird. Da niemand seine Warnungen vor einem Serienkiller glauben will, sieht er sich genötigt, selbst einzugreifen. Eine komödiantische Hommage an Filme von John Carpenter, Wes Craven und das Slasher-Kino der 1980er-Jahre, gut getimt und pointenreich inszeniert. Neben der von Adam Sandler interpretierten Hauptfigur liefern zahlreiche Stars in Nebenrollen schöne Auftritte ab. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HUBIE HALLOWEEN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Steven Brill
Buch
Tim Herlihy · Adam Sandler
Kamera
Seamus Tierney
Musik
Rupert Gregson-Williams
Schnitt
Tom Costain · Brian M. Robinson
Darsteller
Adam Sandler (Hubie Dubois) · Kevin James (Sgt. Steve Downey) · Steve Buscemi (Walter Lambert) · Maya Rudolph (Mrs. Hennessey) · Ray Liotta (Mr. Landolfa)
Länge
102 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Horror | Komödie

Eine Komödie und Horrorfilm-Hommage: Adam Sandler als von allen verspotteter Halloween-Fan in der Kleinstadt Salem, der es in der Nacht des 31. Oktobers mit einem entflohenen Psychopathen zu tun bekommt.

Diskussion

Die Ostküsten-Kleinstadt Salem ist so etwas wie die unausgesprochene Halloween-Hauptstadt der USA. Berühmt geworden ist sie für ihre Hexenprozesse im 17. Jahrhundert. Pünktlich zum 31. Oktober lebt die grausige Geschichte der Stadt jedes Jahr aufs Neue auf. Zumeist in Form von Kostümfolklore, schauerlichem Schabernack und Kids, die Süßes-oder-Saures fordern.

Halloween ist Hubert Dubois’ liebste Zeit des Jahres. Minutiös bereitet der Ortsansässige sich auf den Höhepunkt, die Nacht des 31. Oktobers, vor. Sein überbordend geschmücktes Haus gleicht einer Geisterbahn. Der Mittvierziger, gespielt von Adam Sandler, lebt dort gemeinsam mit seiner Mutter. Hubie scheint zwar einer der nettesten Kerle der Stadt zu sein, dennoch ist er Gegenstand von Gespött, gar von körperlichen Angriffen. Früher hätte man einen wie ihn gemeinerweise den Dorftrottel genannt. Seine ehemaligen Mitschüler können es sich bis heute nicht verkneifen, Witze auf Kosten des allzu schlichten Gemüts zu reißen. Und die Nachkommenschaft der Schul-Rowdies tritt bereits stolz in die elterlichen Fußstapfen. Eine Fahrradfahrt durch die Stadt gleicht für Hubie einem Höllenritt.Selbst die gröbsten Anfeindungen und Schikanen lassen ihn jedoch den Glauben an seine Mitmenschen nicht verlieren.

Als Halloween-Aufseher – bewährt mit hochoffizieller Schärpe – will er anlässlich der Feierlichkeiten für Sicherheit in der Stadt sorgen. Dafür gibt es einen triftigen Grund, denn just zum Schauerfest ist ein gemeingefährlicher Irrer aus der örtlichen Psychiatrie entlaufen – er droht nun das amerikanische Kleinstadt-Idyll zu erschüttern. Bald schon verschwinden die ersten Bewohner Salems spurlos. Hubies Warnrufen vor einem gemeingefährlichen Serienkiller will dennoch niemand so recht Glauben schenken.

Zoten und Horrorfilm-Hommage

„Hubie Halloween“ ist von Beginn an eine Mischung aus zotenreicher Slapstick-Comedy und (weitestgehend jugendfreier) Horrorfilm-Hommage. Die Filme von John Carpenter und Wes Craven und das Regelwerk des Slasherfilms stehen für den Gruselspaß der Komödienhandwerker Adam Sandler (als Hauptdarsteller) und Steven Brill (als Regisseur) liebevoll und augenzwinkernd Pate. So etwa die Genre-Formel, dass Sex gleich Tod ist und die fummelnden Teens unters Messer der Killer geraten, während am Ende nur die Jungfrauen überleben. Auf die Frage, ob Hubie überhaupt schon mal eine Freundin gehabt habe, erläutert der überaus Verlegene: ja, natürlich, die lebe aber weit weg, in Kanada – „Und zwar in Ontarionto!“ (sic). Die Chancen aufs Überleben stehen für Hubie – dem Horrorfilmkodex folgend – also entsprechend gut!

Die Figur des unschuldigen Helden besetzt der von Kritikern für seine Filme oft geschmähte Adam Sandler nicht zum ersten Mal; in „Mr. Deeds“, einer weiteren Zusammenarbeit von Sandler mit Steven Brill, spielte er einen ähnlichen Typus. Als „Hubie Halloween“ prallen seine Unbedarftheit und Arglosigkeit auf die Abgründigkeiten des Gruselgenres: Selbst in einem waschechten Werwolf vermag Hubie nichts prinzipiell Böses zu erkennen – Steve Buscemi gibt diesen wegen seines Mordshungers unter Schuldgefühlen leidenden Formwandler übrigens mit Bravour. Auch Ray Liotta als eiskalter ehemaliger Highschool-Schreck sowie Hubies Mutter (June Squibb), die es versteht, ihre Garderobe mit einer Spruchauswahl an erlesenen Anzüglichkeiten zu versehen, wissen in Nebenrollen zu überzeugen.

Sinnbild für ein chaotisches Land

Das fiktive, aus den Fugen geratene Salem kann man auch als Sinnbild für die „monströse“ USA im Jahr 2020 sehen. Ein chaotisches Land, dessen Bewohnerschaft sich unter der Leitung eines Oberbullys – im Wortsinn – an die Gurgel geht. „Hubie Halloween“ handelt daher von der nachvollziehbaren Sehnsucht nach der Rückkehr zu geordneten Verhältnissen – und nach versöhnlicheren Zeiten. Adam Sandlers Figur scheint hierfür der ideale Held zu sein. Am Ende schwingt Hubie sich gar zu großer Tugendpredigt auf, in der er der Stadt die Leviten liest. Die Filmklamotte als moralische Anstalt also? Gar so weit geht es dann doch nicht. Regisseur Steven Brill und Adam Sandler gelingt mit „Hubie Halloween“ eine überraschend gut getimte sowie pointenreiche Feier des sublimen Flachwitzes. Vornehmere Filmgeschmäcker mögen ein solches Unterfangen verschmähen, dem gepflegten Nonsens Zugeneigten wird diese Horrorkomödie dagegen Freude bereiten.

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