Bill & Ted Face the Music

Fantasy | USA 2020 | 92 Minuten

Regie: Dean Parisot

Zwei erfolglose Rockmusiker drohen von einer intergalaktischen Machthaberin ausgelöscht zu werden, weil sie keinen Song zustande gebracht haben, der das Universum retten könnte. In ihrer Not greifen die beiden auf ihre Zeitreise-Telefonzelle zurück, um sich persönlich Rat bei Mozart oder Jimi Hendrix zu holen. Ein wirrer und sinnfreier Abschluss einer drei Jahrzehnte zuvor begonnenen Trilogie, die einst durch hemmungslose Blödelei und Minimalpointen Kultstatus erlangte. Die verspätete Rückkehr bleibt indes eine lahme Reminiszenz an ein Zeitgeist-Phänomen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
BILL & TED FACE THE MUSIC
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Dean Parisot
Buch
Chris Matheson · Ed Solomon
Kamera
Shelly Johnson
Musik
Mark Isham
Schnitt
Don Zimmerman
Darsteller
Keanu Reeves (Ted) · Alex Winter (Bill) · Kristen Schaal (Kelly) · Samara Weaving (Thea) · Brigette Lundy-Paine (Billie)
Länge
92 Minuten
Kinostart
25.09.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Fantasy | Jugendfilm | Komödie | Science-Fiction

Der späte Abschluss der „Bill & Ted“-Trilogie schickt die Antihelden ein weiteres Mal auf eine Zeitreise-Mission, um Inspiration für einen universumrettenden Song zu suchen.

Diskussion

Kult braucht Zeit. Stolze 31 Jahre ist es inzwischen her, dass ein blutjunger Keanu Reeves (Ted) und ein nicht minder unbekannter Alex Winter (Bill) den guten Geschmack des Mainstreampublikums auf eine harte Probe stellten. Man schrieb in Hollywood Ende der 1980er-Jahre eigentlich eine Zeit, in dem sich das „Brat Pack“ um Emilio Estevez, Molly Ringwald, Demi Moore und Matthew Broderick firmierte. Eine Gruppe von Darstellern, die jugendliches Rebellentum mit Method Acting paarten. Es entstanden tragikomische Filme wie The Breakfast Clubund Ferris macht blau, und eine ganze Generation bekam ihr eigenes „Identifikationskino“. In dieser Zeit betrat auch der Regisseur Stephen Herek die Bühne, machte indes aber nur totalen Unsinn und nannte ihn Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit.

Zeitmaschinen-Trips und brachiale Rockmusik

Der Film dreht sich um den Schulabschluss der beiden Protagonisten, die ein Referat über Persönlichkeiten der Weltgeschichte und deren potenzielle Sicht auf ihre Heimatstadt San Dimas halten müssen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Es sei denn, man könnte „die Alten“ dazu persönlich befragen. Mit einer Zeitmaschine in Form einer Telefonzelle ließe sich das sogar bewältigen. Ein solcher Plot scheint nicht nur gewagt, sondern wurde durch zwei den Zeitgeist treffende Darsteller getragen, denen die unsinnigsten Minimalsätze in den Mund gelegt und die brachialste Rockmusik auf die E-Gitarre komponiert wurde. Kurzum: Die Eltern hassten und die Jugendlichen liebten diesen Film. So entsteht Kult.

Die Fortsetzung Bill & Ted’s verrückte Reise in die Zukunft(1991) und diverse Fernsehausflüge der Protagonisten trieben die ohnehin schon kaum zu toppenden Albernheiten noch stumpfsinniger auf die Spitze. Dann aber war Schluss. „Beavis and Butt-Head“ auf MTV und Dumm und Dümmer im Kino mussten als Ersatz für die beiden Krawallmacher Bill und Ted herhalten.

Ein „Kult“ soll zwanghaft wiederbelebt werden

Dass nach fast 30 Jahren der „Kult“ wiederentdeckt wird, ist grundsätzlich sympathisch, da man auf Blu-ray-Deluxe-Editionen eindrucksvoll nachvollziehen kann, über welchen Mist man seinerzeit Tränen gelacht hat. Dass dieser „Kult“ aber wiederbelebt werden soll, ist eine andere Sache. Man könnte zwar so tun, als ob es seit damals nicht zwei weitere Generationen inklusive ihrer jeweiligen Filmsozialisation gegeben hätte. Und man könnte Keanu Reeves und Alex Winter mittels Digitaltechnik wieder so jung wie damals erscheinen lassen und beobachten, ob die heutige Jugend auch noch „Dude“ (oder in der unnachahmlich schlechten deutschen Synchronisation „Hoschie“) sagt und dabei mit alten Analog-E-Gitarren abrockt. Es hätte vielleicht auch seinen Reiz gehabt, durch die Zeitmaschine Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu konfrontieren. Unter Umständen wäre dabei ein Film entstanden, die in 20 Jahren als gescheiterte Komödie, sprich: als Kult wiederentdeckt worden wäre. Doch „Bill & Ted Face the Music“ ist ein anderer Film.

Hier sind Keanu Reeves und Alex Winter 56, respektive 55 Jahre alt und tun so, als seien sie im Geist und im Gesicht noch zwei Generationen jünger. Sie stehen auf der Bühne einer Vorstadt-Familienfeier und spielen ihren neuesten Song, der zumindest den Anspruch hat, die Welt zu retten. Das begeistert allerdings höchstens ihre eigenen Teenager-Töchter. Der Welt ist damit nicht gedient. Dabei sollten die beiden Gitarren-Maniacs doch längst einen Hit geschrieben haben, dessen Kraft das Universum in grenzenloser Harmonie versetzt. Das dies aber nicht der Fall ist, will die oberste aller galaktischen Führerinnen (Holland Taylor) Bill und Ted mittels eines Terminators aus der aktuellen Gegenwart tilgen. Doch zum Glück haben sie immer noch ihre Telefonzelle und könnten sich für die ultimative Nummer kreativen Rat bei Mozart und Jimi Hendrix holen.

Nicht kräftig genug geschüttelt

In keinem der „Bill & Ted“-Filme darf man je die Frage nach dem Sinn stellen. Denn der ist per definitionem getilgt. Die Frage ist nur, ob man sich damit auch heute noch an die Öffentlichkeit wagen kann, in der Annahme, dass daraus wieder „Kult“ entstünde. Konstatieren lässt sich zumindest, dass bei diesem Versuch nicht kräftig genug geschüttelt wurde. Der Film plätschert genauso lahm dahin, wie die gealterten Darsteller versuchen, Tempo zu machen: immer haarscharf an der Pointe vorbei. Die Produktion verfügte über keine nennenswerten Mittel, weshalb man nicht auf die Starpower setzen konnte oder wollte, die eine solche Hommage an die Kraft der Popmusik gebraucht hätte. Hier wäre die geballte Chart-Prominenz vonnöten gewesen, um mit Cameos zur ultimativen, das Universum erlösenden Jam-Session mit Bill & Ted als in die Saiten hauenden Frontgitarristen einen krönenden Abschluss dieser Trilogie hinzubekommen.

Stattdessen dominieren drittklassige Mozart- und Hendrix-Statisten das Feld. Einzig Holland Taylor wirkt als zürnende Über-Space-Mutter wie eine Frischzellenkur. „Bill & Ted Face the Music“ besitzt durchaus seine Momente, allerdings nur für jene, die mit den ersten beiden Filmen zusammen gealtert sind. Das aber hat weniger mit Kult als vielmehr mit Wehmut zu tun.

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