Made in Abyss - Seelen der Finsternis

Abenteuer | Japan 2020 | 105 Minuten

Regie: Masayuki Kojima

Drei Freunde wollen in die geheimnisvollen Tiefen eines unergründlichen Schlundes hinabzusteigen, weil sie dort Verwandte und Reichtum vermuten und sich selbst zu finden hoffen. Auf den sieben Ebenen der mit einem Fluch belegten Doline treffen sie auf vertraute Feinde, neue Abenteuer und vermeintlich auch den Tod. Die Kinofortsetzung einer japanischen Anime-Fernsehserie treibt die epische Geschichte der drei Reisenden bildgewaltig voran. Mitunter extrem drastische Gewalt steht einer romantisch verklärten Natur gegenüber, mit der die fantasievoll animierte Szenerie zum Leben erweckt, aber auch in kontrapunktische Dissonanzen versetzt wird. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
MADE IN ABYSS: FUKAKI TAMASHÎ NO REIMEI
Produktionsland
Japan
Produktionsjahr
2020
Regie
Masayuki Kojima
Buch
Hideyuki Kurata
Kamera
Tsunetaka Ema
Musik
Kevin Penkin
Länge
105 Minuten
Kinostart
29.09.2020
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Abenteuer | Animation | Comicverfilmung | Fantasy

Anime-Fortsetzung einer japanischen Fernsehserie um drei Gefährten, die in einen mit einem Fluch belegten Schlund ins Erdinnere hinabsteigen, wo ihnen grauenvolle Wesen, der Tod und noch schlimmere Herausforderungen begegnen.

Diskussion

„Solange man nicht die dunkelste Finsternis durchquert hat, wird das Morgengrauen nicht kommen können.“ Mit diesen Worten beginnt die Reise in die unergründlichen Tiefen des Abyss. Jenen Schlund im Erdreich, an dessen Rändern die Stadt Orth im Land Beoluska errichtet wurde. Von hieraus machen sich schon seit Generationen Pfeifenträger und Höhlentaucher auf den Weg, um auf den vielen Terrassen der mächtigen Doline hinunterzusteigen. Man findet dort wertvolle Relikte und Artefakte aus vergangenen Zeiten, stößt aber auch auf gefräßige Urwesen aus scheinbar anderen Welten. Und auf den Tod. Sieben gewaltige Stufen soll der Abyss haben. Doch spätestens ab der 13 000 Meter unter der Erde liegenden fünften Stufe beginnt ein unergründliches Nirvana, in dem die Menschen langsam ihren Geist zu verlieren drohen. Ein Fluch, so heißt es, liegt auf der Doline, und soll allzu neugierige Geister vor übertriebenem Forscherdrang bewahren.

Ein Abstieg ins Wundersam-Grauenvolle

Doch nun beginnt die Reise. Eigentlich aber hat sie schon längst begonnen. Denn Riko, Reg und Nanachi, die Protagonisten von „Made in Abyss – Seelen der Finsternis“, kennen sich bereits seit den 13 Teilen der ersten Staffel der japanischen Anime-Fernsehserie „Made in Abyss“. Der Kinofilm hebt mit einer unheimlichen Begegnung auf einer scheinbar idyllischen Blumenwiese auf der berüchtigten fünften Tiefenstufe an, was quasi direkt an das Staffelfinale anschließt, in dem sich die drei grundverschiedenen Kinder aus sehr unterschiedlichen Gründen entschlossen haben, in die „wunderbare Hölle“ hinabzusteigen.

Riko ist ein draufgängerisches Mädchen mit langen blonden Haaren, deren Mutter Lyza als Forscherin vor Jahren in der Doline verschollen ist. Nachdem sie die Aufzeichnungen ihrer Mutter entdeckt hat, glaubt Riko, dass diese jenseits der fünften Tiefenstufe noch lebt. Nanachi, ein Wesen, das einst ein Mensch war, nach grausamen Experimenten in den Tiefen des Abyss aber eher an ein Pelztier erinnert, weiß, dass der martialische Höhlentaucher Lord Bondrewd noch immer in der Doline forscht und auf ein Wiedersehen hofft. Reg ist der mysteriöseste der drei Reisenden. Riko hat den kleinen Cyborg mit den wundersamen Waffenarmen aus der ersten Stufe geborgen. Er besitzt keine Erinnerung an seine Herkunft, weiß nichts von seinem Schöpfer und warum er sich so zu den Menschen hingezogen fühlt.

Grausame Prüfungen eines „Culture Clash“

Nach dem Muster der klassischen „Heldenreise“ des Märchenforschers Joseph Campbell schickte das der Serie wie dem Kinofilm zugrundeliegende Manga von Akihito Tsukushi die drei Figuren auf den Weg ins Ungewisse. Die Umsetzung ins Anime ist eine enorm prächtige, aber auch monströse Geschichte geworden, an der viele Künstler beteiligt waren, die auch schon bei „Ghost in the Shell“ und „Your Name“ mitgearbeitet haben. Deshalb verwundert es nicht, dass die wundersamen Figuren mit aberwitzigen Vergangenheiten hier durch traumhaft schöne, von grotesken Monstern bevölkerte Naturlandschaften wandeln und „Prüfungen“ erdulden müssen, deren Grausamkeit jeglicher Beschreibung spottet. Doch der Schein der liebreizend-kitschig gezeichneten Figuren, die auch aus einem Steampunk-Heidi-Film stammen könnten, trügt. Denn die Gefährten treffen hier auf die Geister des derben Survival-Horror-Computerspiels „Silent Hill“. Diesen „culture clash“ muss man erst mal verdauen, wenn man sich auf diese „Heldenreise“ einlässt, zumal nicht abzusehen ist, ob Riko an den Prüfungen reifen oder zumindest überleben wird.

Auf dem Weg zur sechsten Tiefenstufe müssen die drei zunächst ihrer Nemesis Lord Bondrewd begegnen, deren furchtbare Menschenexperimente für „Fortschritt und Erkenntnis“ vielen unendlichen Schmerz gebracht haben.

Da schon an einer zweiten Serien-Staffel gearbeitet wird, musste sich Regisseur Masayuki Kojima auf einen klassischen „Mittelteil“ beschränken, in dem (philosophische) Konflikte eher verschärft werden und die wirkliche Reise in die wahre Finsternis erst noch bevorsteht. Immerhin hat Riko starke Begleiter zur Seite bekommen. Man kann nur hoffen, dass die Verbündeten nicht noch zu Feinden werden. Denn auch das sähe Campbells „Heldenreise“ vor.

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