Serie | Israel 2020 | (acht Episoden) Minuten

Regie: Daniel Syrkin

Eine israelische Agentin mit iranischen Wurzeln soll in Teheran das Stromnetz der Stadt lahmlegen, um einen Angriff der Israelis gegen die Atomanlagen des Regimes vorzubereiten. Doch ihr Vorhaben geht schief. Sie muss untertauchen und ist auf die Hilfe eines oppositionellen Hackers angewiesen. Die achtteilige Action- und Spionage-Serie entwickelt vor aktuellem Hintergrund einen spannenden Plot mit vielschichtigen Figuren und einer durchdachten visuellen Konzeption, in der sich jedes Detail ins Puzzlebild fügt. Dabei legt sie nahe, dass es für individuelle Freiheiten im politischen Ringen der Mächte keinen Platz gebe. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
TEHRAN
Produktionsland
Israel
Produktionsjahr
2020
Regie
Daniel Syrkin
Buch
Dana Eden · Maor Kohn · Moshe Zonder · Omri Shenhar · Daniel Syrkin
Kamera
Giora Bejach
Musik
Mark Eliyahu
Schnitt
Roni Klimowski · Dana Yardeni-Lichter
Darsteller
Niv Sultan (Tamar Rabinyan) · Shaun Toub (Faraz Kamali) · Menashe Noy (Meir Gorev) · Shervin Alenabi (Milad) · Navid Negahban (Masoud Tabrizi)
Länge
(acht Episoden) Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Serie | Spionagefilm | Thriller

Israelische Action-Serie um eine Agentin, die in der iranischen Hauptstadt das Stromnetz lahmlegen soll, um einen Angriff gegen die Atomanlagen des Regimes vorzubereiten.

Diskussion

Unfreiwillig im Feindesland gestrandet zu sein, ist die Horrorvorstellung vieler Israelis. Für ein junges Touristenpaar wird dieses Szenario in der Serie „Teheran“ zur Wirklichkeit. Auf einem Flug von der jordanischen Hauptstadt Amman nach Neu-Delhi muss ihre Maschine aufgrund technischer Probleme in Teheran notlanden. Vor Ort werden die beiden von Sicherheitskräften in Empfang genommen und direkt zum Verhör geschafft. Die iranische Geheimpolizei weiß jedoch nicht, dass im selben Flugzeug eine Agentin des Mossad saß. Sie soll als Hackerin die Energieversorgung Teherans lahmlegen, um den Israelis einen Luftangriff auf die Atomanlagen der Iraner zu ermöglichen.

Das Szenario von „Teheran“ ist reine Fiktion, könnte aber genauso gut der Wirklichkeit entstammen. Da der Iran seit Jahrzehnten offen damit droht, Israel zu vernichten, ist ein Schattenkrieg zwischen den beiden Staaten entbrannt. Der Konflikt könnte jederzeit eskalieren.

Jede Menge politischer Zündstoff

Eine Spionage-Serie vor diesem Hintergrund bietet viel politischen Zündstoff. Wenn es darum geht, brenzlige Themen zu handhaben, ist der Serienschöpfer und Drehbuchautor Moshe Zonder kein unbeschriebenes Blatt. Als Autor wirkte er an der Actionserie „Fauda“ (auf Netflix zu sehen) mit, die von den Einsätzen einer israelischen Antiterroreinheit um einen rabiaten Kommandanten handelt. In „Teheran“ steht hingegen eine scheinbar zerbrechliche, in Wirklichkeit aber ebenfalls recht schlagkräftige Heldin im Zentrum. Ihr Name ist Tamar Rabinyan (Niv Sultan). Ihre Eltern und Verwandten stammen aus dem Iran, wurden nach der Revolution unter Chomeini aber zur Emigration gezwungen, als die iranischen Juden immer mehr verfolgt wurden. Sie konnten nie wieder in ihre persische Heimat zurück, was in einer tiefen Sehnsucht nach dem verlorenen Land weiterlebt.

Für Rabinyan, die fließend Farsi spricht, ist ihre Mission daher auch eine Art Heimkehr. Die Inszenierung verwendet viel Energie darauf, durch räumliche Eindrücke und Klanglandschaften ein verlorengegangenes Paradies heraufzubeschwören. Doch Rabinyan bleibt kaum Zeit, um in wohligen Gefühlen zu schwelgen. Unmittelbar nach ihrer Ankunft wird sie Zeugin einer öffentlichen Hinrichtung. Deutlich steht ihr vor Augen, was ein Scheitern ihrer Mission für sie bedeuten würde. Just als sie sich an die Sabotage der städtischen Energieversorgung macht, geht alles schief. Sie droht selbst aufzufliegen und verhaftet zu werden. Der einzige Weg, sich vorerst in Sicherheit zu bringen, besteht darin, unterzutauchen.

Ein Bekannter aus dem Cyberspace wird dabei zu mehr als nur einem Chat-Partner. Ohne sein Wissen entwickelt sich der junge iranische Oppositionelle und Profi-Hacker (Shervin Alenabi) zum Komplizen in Rabinyans Plan, das Mullah-Regime auszutricksen.

Sorgfältige Figurenzeichnungen

Nach einem rasanten Beginn drosselt die achtteilige Serie „Teheran“ das Erzähltempo spürbar. Das führt bald zu wahrnehmbaren Längen. Die gemächlichere Gangart lässt jedoch auch Raum für eine intensivere Charakterisierung der Hauptfiguren. Besonders hervorzuheben ist dabei die darstellerische Leistung von Shaun Toub. Er verkörpert einen Agenten der Revolutionsgarden, der hinter Rabinyan her ist, als schillernden Bösewicht, dem eine große Bandbreite an Gemeinheiten zur Verfügung steht, um der feindlichen Agentin und ihren Verbündeten das Handwerk zu legen. Der Widersacher scheint Rabinyan stets einen Schritt voraus zu sein. Doch im Lauf der Handlung entdeckt der verbohrte Ideologe, dass das Schicksal seiner Familie und das von Rabinyan mehr Gemeinsamkeiten aufweisen, als er dachte.

In Reinform existieren die Kategorien Gut und Böse bei keiner der Figuren. Das Freund-Feind-Schema löst die Serie zugunsten einer vielschichtigen Figurenzeichnung im Kontext des Nahen Ostens auf. Die individuellen Freiheiten, das zeigt „Teheran“ sehr deutlich, werden im Spiel der Mächte und der politischen Interessen immer mehr zerrieben.

Kein Detail ist überflüssig

Wenn es auf den Showdown zuläuft, nehmen die Ereignisse wieder Fahrt auf. Als Zuschauer gerät man vollends in den Sog des intelligenten Agentendramas, das erzählerisch auf einen unerwarteten Höhepunkt zusteuert und insbesondere durch seine durchdachte visuelle Komposition überzeugt. Kein noch so winziges Bilddetail erscheint zufällig oder überflüssig. In nahezu jeder Einstellung werden Spuren gelegt, die tiefer ins Herz der Finsternis führen.

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