The Pleasure Principle - Geometrie des Todes

Krimi | Polen/Tschechien/Ukraine 2019 | 540 (zehn Episoden) Minuten

Regie: Dariusz Jablonski

In drei osteuropäischen Städten tauchen Körperteile verstümmelter Frauenleichen auf, die die Polizei alarmieren. In Odessa, Warschau und Prag treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Davon ahnen die Ermittler vor Ort zunächst nichts, weil sie die grausame Taten nicht einordnen können. Erst als sie auf Parallelen aufmerksam werden, starten sie grenzübergreifende Ermittlungen, die sie mit den Abgründen menschlicher Wollust konfrontieren. Die atmosphärisch düstere zehnteilige Krimi-Serie punktet mit trockenem Humor, unverbrauchten Darstellern und einer Ästhetik des Zwielichts, die nachhaltig von menschlicher Verführbarkeit erzählt.

Filmdaten

Originaltitel
ZASADA PRZYJEMNOSCI
Produktionsland
Polen/Tschechien/Ukraine
Produktionsjahr
2019
Regie
Dariusz Jablonski
Buch
Dariusz Jablonski · Maciej Maciejewski
Kamera
Pawel Dyllus · Andrej Lisetski · Martin Ziaran
Musik
Michal Lorenc
Schnitt
Milenia Fiedler
Darsteller
Malgorzata Buczkowska (Maria Sokolowska) · Karel Roden (Viktor Seifert) · Sergej Strelnikow (Serhij Franko) · Robert Gonera (Józef Krawiec) · Krystof Hádek (Ota)
Länge
540 (zehn Episoden) Minuten
Kinostart
-
Genre
Krimi | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Eye See Movies (AV Visionen)
Verleih Blu-ray
Eye See Movies (AV Visionen)
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Eine zehnteilige Krimiserie um grausame Frauenmorde in Odessa, Warschau und Prag, die auf einen grenzübergreifend tätigen Serienmörder hindeuten. Drei Ermittlerteams aus Tschechien, Polen und der Ukraine werden dabei mit den Abgründen menschlicher Wollust konfrontiert.

Diskussion

Mord kennt keine Grenzen. Drei ungleiche Ermittlerteams aus Tschechien, Polen und der Ukraine fahnden in einer bizarren Dreifachmordserie nach einem psychopathischen Serienmörder, der seinen weiblichen Opfern postmortal die Kehle aufschlitzt und Gliedmaßen abtrennt, vergräbt und herumschickt. Wer tut so etwas Grausames? Oder handelt es sich um blutige Grabenkämpfe zwischen der Mafia und Menschenhändlern? Stehen diese Morde in Prag, Warschau und Odessa überhaupt miteinander in Verbindung?

Die drei zunächst äußerst ungleich agierenden Ermittlerteams geraten intern mehrfach an ihre Grenzen und im persönlichen Umgang obendrein auch heftig aneinander, was ihre mühseligen Ermittlungen zusätzlich erschwert. Die zehnteilige Thriller-Serie „The Pleasure Principle – Geometrie des Todes“ punktet dabei neben dem verworrenen Plot auch mit trockenem Humor und zwischenmenschlichen Mini-Tragödien, die von Einsamkeit über Promiskuität bis zu Drogensucht oder offenen Rachegelüsten reichen.

Drei faszinierende Ermittler-Figuren

Während der fragile Status der toughen Kriminalpolizistin Maria Sokolowska (Malgorzata Buczkowska) durch interne Untersuchungen torpediert wird, weil sie bei einer ihrer Soloaktionen zuerst eine Überwachungskamera und im Anschluss einen Verdächtigen angeschossen hat, hadert der ukrainische Polizist Serhij Franko (Sergej Strelnikow) in erster Linie mit seiner bewegten Vergangenheit. Und der erfahrene tschechische Detektiv Viktor Seiffert (Karel Roden) kann sich dem innerlich zehrenden Kampf aufgrund seines baldigen Vorruhestands sowie der undurchsichtigen Mordserie um ihn herum nie wirklich stellen.

Parallel stoßen die Teams auf Waffenschmuggel und dubiose „Geschäftsleute“, heimliche Porno-Drehs, niedergemetzelte Informanten, einen seltsamen Fotografen (Stipe Erceg) und eine Reihe korrupter Politiker, die im Hintergrund zynische Anwälte und eiskalte Berufskiller dirigieren.

Obwohl das Schengen-Abkommens für die Polizeiarbeit innerhalb der EU viele Vorteile gebracht hat, Sprachbarrieren immer leichter zu überwinden sind und selbst Nachbarschaftsklischees schwinden, bleibt in den spannungsreichen Episoden stets ein vages Gefühl des Auseinanderdriftens zwischen den Charakteren bestehen. Denn jeder von ihnen trägt augenscheinlich private Probleme mit an den Tatort, ohne dass dies dramaturgisch aufgesetzt wirken würde. Zudem potenziert sich gerade in dieser Grundspannung zwischen der hehren Idee paneuropäischer Zusammenarbeit à la Europol und den engstirnigen Horizonten der Fahnder die hohe Qualität der düsteren Serie, die auch durch ihre Farb- und Raumgestaltung besticht.

Zwischen Hightech-Moderne und kulturellem Erbe

In kurzen, prächtigen „Tableaux vivants“-Sequenzen mit jeweils einer Figur erzählt „The Pleasure Principle“ im Subtext sehr viel über den neuartigen Architekturmix von Hightech-Bauten und historischer Gebäudesubstanz, der in Warschau und Odessa die Stadtzentren prägt, sich aber auch in Prag zunehmend Platz schafft. In einer ironischen Hommage an Eisensteins berühmte Treppenszene aus „Panzerkreuzer Potemkin“ erweist Regisseur Dariusz Jablonski der osteuropäischen Filmgeschichte die Reverenz.

Der schaurig-schöne Totentanz sticht mit einer ausgeklügelten Film-noir-Ästhetik, temporeich in Szene gesetzten Fahndungs- wie Verhörszenen und einem Spannungsbogen, der ähnlich wie im Giallo-Genre erst im allerletzten Moment die Identität des Serienmörders aufdeckt, positiv aus der Masse internationaler Kriminalserien positiv heraus.

Jablonski, der vor allem als Dokumentarfilmer und als Produzent von Alexey German jr. bekannt ist, legt zusammen mit dem Drehbuchautor Maciej Maciejewski schon zu Beginn viele narrative Fährten aus, ohne dass die Serie dadurch an dramaturgischer Stringenz verlieren würde oder sich allzu sehr an klassische Muster des französischen Kriminalfilms anzulehnen.

„Ich wollte einen zehnstündigen Film drehen“, deutet Jablonski sein Regiekonzept an, das auf konventionelle Cliffhanger verzichtet und auf unverbrauchte Darsteller, musikalische Anleihen bei Angelo Badalamenti sowie eine atmosphärische Bildgestaltung und ausgefeilte Settings setzt. Hier sind die einen nie nur im Licht und die anderen niemals bloß im Schatten; an allen Orten herrscht Zwielicht. Die conditio humana entpuppt sich als jederzeit korrumpierbar.

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