Literaturverfilmung | USA 2020 | 336 (sechs Episoden) Minuten

Regie: Susanne Bier

Miniserie um eine wohlhabende Psychologin in Manhattan, deren Vorzeige-Leben als Frau eines Arztes durch ein Verbrechen zu zerbrechen droht. Denn in den Kreisen der New Yorker Upper-Class wird eine junge Frau bestialisch ermordet, die ein besonderes Verhältnis zum Mann der Psychologin hatte. Die Frau will nicht an die Schuld ihres Mannes glauben, doch der vom großen Medienrummel begleitete Prozess zeigt auf, dass die Wahrheit schon längst nichts mehr zählt. Der spannende, von einem hervorragenden Darsteller-Ensemble getragene Psychothriller liefert eine bittere Nahaufnahme des sozialen Gewebes der USA und wird von einem hervorragenden Darsteller-Ensemble getragen. - Sehenswert ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
THE UNDOING
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Produktionsfirma
Blossom Films/Made Up Stories/David E. Kelley Prod.
Regie
Susanne Bier
Buch
David E. Kelley
Kamera
Anthony Dod Mantle
Musik
Evgueni Galperine · Sacha Galperine
Schnitt
Ben Lester
Darsteller
Nicole Kidman (Grace Fraser) · Hugh Grant (Jonathan Fraser) · Noah Jupe (Henry Fraser) · Donald Sutherland (Franklin Reinhardt) · Edgar Ramírez (Joe Mendoza)
Länge
336 (sechs Episoden) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12;f (Ep.1-5)
ab 16;f (Ep.6)
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 16.
Genre
Literaturverfilmung | Serie | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Warner
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Eine clevere Krimiserie mit Nicole Kidman und Hugh Grant als Ehepaar, dessen großbürgerliches Musterleben nach einem bestialischen Mord zu bröckeln beginnt.

Diskussion

Grace (Nicole Kidman) und Jonathan (Hugh Grant) sind ein Vorzeigepaar der New Yorker Upper-Class. Sie ist Psychotherapeutin für ein zahlungskräftiges Klientel an Stadtneurotikern und er Onkologe auf der Kinderstation einer Privatklinik. Gemeinsam mit ihrem Sohn bewohnen sie ein anmutiges Heim in der Upper West Side. Die Abende verbringt das Elternpaar gerne in Gesellschaft, in Kreisen, die finanziell noch ein paar Schippen draufzulegen wissen. Bei einem Fundraising-Event für die Schule ihres Sprösslings, hoch oben in einem Apartment wie von einem anderen Stern, zieren Originale von David Hockney die Wände, an den Stellen, wo die Glasfronten nicht den Blick über die Insel freigeben. Die Skyline Manhattans hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Schlanke Apartment-Tower für Superreiche, die mehr denn je offensichtlich machen, wo gesellschaftlich oben und wo unten ist, bestimmen zusehends das Stadtbild.

Nicole Kidmans schwebende, in Satin und Seide gehüllte Erscheinung ist wie gemacht für diese Szenerie knapp unterhalb der Wolken. Ihr Gatte, verkörpert von Hugh Grant, ein charmanter Missmut, macht an ihrer Seite, im Tuxedo, eine nicht minder gute Figur. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht an diesem Abend aber Elena (Matilda De Angelis). Ein Stipendienprogramm ermöglicht der jungen Künstlerin aus Spanish Harlem, dass ihr Sohn an der Eliteschule unterrichtet wird. An diesem Ort hier ist sie gefühlt die einzige Mutter unter 40 Jahren. Ob ihrer jugendlichen Schönheit erntet sie bewundernde Blicke, aber auch äußerst giftige. Am Ende des Abends ist Elena tot. Grausam zu Tode geprügelt in ihrem Atelier in der Nähe des Central Parks.

Ein Mordfall, auf den sich die Medien stürzen

Es ist zwar die Prämisse einer klassischen Murder-Mystery-Story, die „The Undoing“ als Ausgangspunkt wählt, jedoch erschöpfen sich die sechs Folgen der Miniserie nicht in der Darlegung der üblichen Verdächtigen. Die Produktion des Showrunners David E. Kelley und der Regisseurin Susanne Bier rückt vielmehr die mediale Aufmerksamkeitsökonomie in den Fokus, die Gerichtsverhandlungen um Mordfälle in den Vereinigten Staaten umgibt.

In der Mordnacht wird der Onkologe Jonathan wegen eines Notfalls in die Klinik einbestellt. Als er in den darauffolgenden Tagen von seinem Einsatz nicht wiederauftaucht, wird er zum Hauptverdächtigen im Mordfall Elena. Wie sich herausstellt, haben sich die beiden nicht erst auf besagter Party kennengerlernt.

Die Inszenierung kreist fortan um die zentrale Frage: Ist diesem sympathischen Kerl eine derart schreckliche Tat zuzutrauen? Als Zuschauer will man es selbst nicht glauben. Wenn es um den leitenden Ermittler (Edgar Ramirez) der New Yorker Polizei geht, besteht an seiner Schuld aber kaum ein Zweifel. Grace ist jedoch nicht gewillt, die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei hinzunehmen. Sie steht ihrem Mann bei, bis es zur Gerichtsverhandlung kommt. Die Strategie seiner von Skrupeln weitestgehend befreiten Anwältin besteht allerdings darin, alles und jeden in Zweifel ziehen, jeden Zeugen, jedes Indiz, solange, bis niemand mehr glaubt, dass es in dem Fall überhaupt einer Wahrheit geben könnte.

Ein düsteres Sittenbild der USA

Diese Strategie mutet nicht nur angesichts aktueller US-amerikanischer Polit-Begebenheiten bekannt an. Das Abstreiten und Leugnen offensichtlicher Fakten gehört längst nicht mehr nur zum Rüstzeug politischer Spin-Doktoren, sondern inzwischen auch zur öffentlichen Kommunikation. Gewinner ist am Ende derjenige, der das überzeugendere Narrativ anzubieten hat.

Wie zuletzt auch in „Big Little Lies“ zeichnet Showrunner David E. Kelley ein Sittenbild der USA entlang von Klassenunterschieden und harten gesellschaftlichen Bruchlinien. Das New York des Jahres 2020 ist Privilegierten-Eiland und ein Abgrund zugleich. Licht und Schatten wechseln schneller, als mancher seiner Designersonnenbrille auf- oder abzusetzen weiß. „The Undoing“ lebt allerdings auch von seiner brillanten Besetzung. Nicht nur Nicole Kidman und Hugh Grant vermögen in der Psychothriller-Serie zu überzeugen. Die Mini-Serie ist bis in die kleinste Nebenrolle hochkarätig besetzt. Besonders hervorzuheben ist dabei Donald Sutherland; er spielt den machtversessenen Vater von Grace als eine mehr als eindrucksvolle Erscheinung.

Wenn nur noch der Unterhaltungsfaktor zählt

Susanne Bier und David E. Kelley gelingt eine so unterhaltsame wie gesellschaftskritische Nahaufnahme der USA. Sie fühlen dem medialen Entertainmentfaktor von Strafprozessen so unerbittlich auf den Zahn wie der gesellschaftlichen Neigung, unterhaltsame, aber gemeingefährliche Narzissten hochleben zu lassen. Man weiß das alles, und doch ist da dieses hinreißende Lächeln von Hugh Grant, das einen fast alles Verzeihen lässt.

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