Drama | Nigeria 2020 | 151 Minuten

Regie: Kunle Afolayan

Eine nigerianische Studentin klagt ihren Professor wegen versuchter Vergewaltigung an und verstößt mit dieser öffentlichen Thematisierung gegen ein Tabu. Auch im Gerichtssaal entpuppt es sich für sie als schwierig, Gehör zu finden. Das auf realen Ereignissen basierende Drama greift ein brisantes Thema auf und verleiht dem durch die prägnante Hauptdarstellerin auch große Dringlichkeit. Trotz der guten Absichten scheitert es aber an seiner Langatmigkeit und einer oft etwas plumpen, allzu demonstrativen Inszenierung. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
CITATION
Produktionsland
Nigeria
Produktionsjahr
2020
Regie
Kunle Afolayan
Buch
Tunde Babalola
Kamera
Jonathan Kovel
Schnitt
Laja Adebayo
Darsteller
Temi Otedola (Moremi) · Jimmy Jean-Louis (Prof. Lucien N'Dyare) · Adjetey Anang (Kwesi) · Joke Silva (Angela) · Ini Edo (Gloria)
Länge
151 Minuten
Kinostart
-
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama | Gerichtsfilm

Drama um eine nigerianische Studentin, die einen Professor der sexuellen Nötigung anklagt und damit gegen ein gesellschaftliches Tabu verstößt.

Diskussion

Die Studentin ist völlig aufgelöst. Sie will unbedingt erfahren, weshalb sie eine so schlechte Note für ihre Seminararbeit bekommen hat. Doch als sie ihren Dozenten anruft, haucht der nur kryptische Antworten in den Hörer. Er stellt eine mögliche Lösung der Situation in Aussicht. Doch es ist nicht die Stimme eines Lehrers, die hier zu hören ist, sondern die eines skrupellosen Gangsters, der unverhohlen ein unmoralisches Angebot macht. Und damit auch wirklich alle Zuschauer verstehen, wie verwerflich das ist, was sich hier gerade anbahnt, wird die Szene mit unheilvoller Musik zugekleistert. In kürzester Zeit verspielt „Vorladung“ die Chance, ein äußerst relevantes Thema plausibel einzuführen. Es geht um sexuelle Belästigung an Universitäten, um gute Noten als Lohn für sexuelle Dienstleistungen – und um die ungleiche Verteilung von Macht und Glaubwürdigkeit.

Von der Schwierigkeit, als Frau Gehör zu finden

Die erste Szene des Dramas von Kunle Afolayan, einem der bedeutendsten Vertreter des nigerianischen „Nollywood‟-Kinos, erweist sich lediglich als Prolog. Für die junge Studentin endet die Geschichte nicht gut. Zwei Jahre später setzt die Haupthandlung ein, in deren Mittelpunkt die kluge Moremi steht. Moremi ist angetan von dem neuen Professor, bei dem sie ihre Dissertation schreibt. Lucien N’Dyare ist ein Kosmopolit, spricht mehrere Sprachen und ein äußerst angesehener Wissenschaftler. Moremi beginnt für ihn zu schwärmen – nicht wegen seines Aussehens, das es ihrer besten Freundin Gloria angetan hat, sondern wegen seines Wissens. Und da Moremi in den Seminaren gute Beiträge leistet, fällt sie auch N’Dyare auf. Doch irgendwann sitzen sich N’Dyare und Moremi als erbitterte Gegner in einer Anhörung vor dem Senatsausschuss der Uni gegenüber. Moremi beschuldigt N’Dyare, er habe versucht, sie zu vergewaltigen. Ein Skandal!

Immer wieder blendet „Vorladung“ von da an zurück. Behauptet N’Dyare, Moremi habe versucht, ihn zu verführen, so strafen die Rückblenden ihn Lügen. Anhand der Episoden zeigt sich, wie perfide N’Dyare die Nähe zu Moremi gesucht hat, wie er sie umgarnte und zunehmend übergriffiger wurde. Dennoch wird „Vorladung“ nie zu einem richtigen Gerichtsfilm. Stünde darin Aussage gegen Aussage, so überlässt der Film das Feld ganz den Lügen des Professors. Moremi hingegen schweigt und leidet. Dadurch erzählt der Film viel über ihre Situation, ihre Hilflosigkeit und auch die mangelnde Wertschätzung, die man ihr in dem (immerhin) mit Männern und Frauen besetzten Gremium gegenüberbringt.

Erst zum Ende hin darf sie selbst das Heft in die Hand nehmen. Zu Wort kommt sie aber immer noch nicht. Vielmehr sorgt ein männlicher Zeuge mit seiner Aussage für eine entscheidende Wendung. So liegt es letztlich immer an den Männern: Entweder sie missbrauchen ihre Macht, um Frauen zu zerstören – oder sie nutzen sie, um Frauen zu retten.

Zu dick aufgetragen

Gerade durch die von Temi Otedola verkörperte Figur der Moremi wird immer wieder spürbar, wie ernst dem Film sein Anliegen ist und wie sehr er sich bemüht, ein Plädoyer zu sein und seine Stimme zu erheben, um sexuelle Belästigung nicht länger als Lapalie hinzunehmen. Das ist alles wichtig und relevant. Problematisch ist allerdings, wie leicht „Vorladung“ es sich dabei macht. N’Dyare erscheint als arroganter, grinsender Widerling, dem man seine Durchtriebenheit auf den ersten Blick ansieht, wie einem Schurken aus einem Genrefilm, in dem die Rollen klar verteilt sind. Dazu passt, dass auch N’Dyares Übergriffe mit größtem Effekt dargestellt werden. Ein aufdringlicher Kuss wird mit einem Dröhnen auf der Tonebene begleitet, als ob die Handlung nicht allein schon für sich wirken würde.

Alles in allem entsteht der Eindruck, dass Kunle Afolayan seinem Publikum nicht allzu viel zutraut. Er inszeniert langatmig und unnötig verschachtelt; spannend, packend oder aufwühlend wird der Film nie. Angesichts der Brisanz des Themas ist das eine große Enttäuschung.

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