What Lies Below

Mystery | USA 2020 | 88 Minuten

Regie: Braden R. Duemmler

Als eine 16-jährige Jugendliche am Ende des Sommercamps in das abgeschiedene Familienhaus am See zurückkehrt, wird sie mit dem neuen Lebenspartner ihrer Mutter konfrontiert. Der Biologe wirkt allerdings nicht nur auf ihre deutlich ältere Mutter attraktiv. Die Spannungen eskalieren, als der geheimnisvolle Fremde seine wahre Herkunft offenbart. Die Mischung aus Romanze, Tierhorror und Science-Fiction vermag aus dieser Konstellation allerdings kaum Kapital zu schlagen und verliert sich in einem Wust belangloser, grotesk konstruierter Gruseleinlagen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
WHAT LIES BELOW | VISCOUS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Braden R. Duemmler
Buch
Braden R. Duemmler
Kamera
Jimmy Jung Lu
Musik
Gavin Keese
Schnitt
R.J. Daniel Hanna · Marc Sedaka
Darsteller
Mena Suvari (Michelle Wells) · Ema Horvath (Liberty) · Trey Tucker (John Smith) · Haskiri Velazquez (Marley) · Troy Iwata (Tommy)
Länge
88 Minuten
Kinostart
10.06.2021
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Mystery | Thriller

Horrorfilm um eine Jugendliche, die nach den Sommerferien zuhause einen neuen Lover ihrer Mutter vorfindet, der viel zu perfekt ist.

Diskussion

Manchmal scheint eine kleine Lüge oder auch nur ein Verschweigen alles einfacher zu machen. Etwa, wenn man sich der Liebe wegen um ein paar Jahre jünger macht. Oder es unterlässt, seiner Tochter reinen Wein einzuschenken, dass es einen neuen Freund gibt und auch eine Heirat schon abgemacht ist. Friktionen und Zerwürfnisse sind dann meist nur eine Frage der Zeit. Zumal wenn die Tochter Liberty (Ema Horvath) gerade 16 Jahre alt ist und eben ihre Sexualität auszuleben beginnt.

John (Trey Tucker), der neue Freund ihrer Mutter Michelle (Mena Suvari), ist ein Modellathlet und Anfang 30. Als Biologe ist er zudem ausnehmend intelligent und forscht über das Miteinander von Salz- und Süßwasserfischen. Was wichtig ist, wenn im Zuge des Klimawandels die Lebensräume eine grundlegende Änderung erfahren. Ihm liegt etwas daran, dass es in der sich neu formierenden Familie harmonisch zugeht. Immerhin wollen er, Michelle und Liberty künftig im ererbten Haus des Großvaters am See zusammenleben. Doch die kleinen Unwahrheiten machen es nicht einfacher, zumal es auch zwischen John und Liberty eigentümlich zu knistern beginnt.

„Lolita“ ist nicht mehr zeitgemäß

Allerdings darf in einem US-amerikanischen Mainstreamfilm ein Gebaren wie in Stanley Kubricks Nabokow-Verfilmung „Lolita“ nicht sein. Ohnehin ist hier alles eine große Nebelkerze. In „What Lies Below“ geht es weder um die fatalen Konsequenzen von Lügen, noch um sexuelle Anbandlungen im justiziablen Bereich. Der Titel des Films referiert nicht auf Lügen, sondern recht wörtlich auf das, was unter der Oberfläche liegt.

Dabei hätte gewarnt sein können, dass ein Traummann, der den Namen John Smith trägt und eine viel ältere, von Neurosen zerfressene Frau ehelichen will, nicht von dieser Welt ist. Dass es sich bei ihm aber im wahrsten Sinne des Wortes um ein Monster handelt, muss man in einem Film, der wie ein schwülstiges Liebesdrama am See beginnt, erst einmal verdauen. In den 1980er-Jahren, in denen noch Schleimwesen aus den Meeren oder Frösche aus den Sümpfen nach der Weltherrschaft strebten und die unteren Regale der Videotheken bevölkerten, hätte „What Lies Below“ eine gute Figur gemacht, auch wenn man es damals kaum gewagt hätte, eine ausnehmend attraktive Schauspielerin wie Ema Horvath mit 27 Jahren eine 16-Jährige spielen zu lassen. Zudem hätte es im Tiermonster-Horror eine Reihe (Soft-)Sexszenen sowie ekelhaften Splatter gegeben. Das hätte auch „What Lies Below“ gut angestanden, da hier immerhin die Spezies der Neunaugen ausführlich vorgestellt wird: aalartige Parasiten, die sich wie Blutegel an ihre Wirtstiere saugen, um sich von ihrem Blut zu ernähren – und mitunter auch Menschen nicht verschmähen.

Sex und Gewalt bietet „What Lies Below“ allerdings nur in bescheidenem Rahmen. Ein paar atmosphärische Augenblicke erlebt man in dem spannungslosen Horrorfilm allenfalls, wenn John Smith seine wahre, nicht-menschliche Physiognomie zu offenbaren beginnt. Ein seltsames Zucken in den Augen, ein bizarres Zappeln des Körpers. Doch der Mut, eine verwegene Mischung aus Science-Fiction und Horror zu kreieren und in eine Liebesschnulze einzubetten, war nicht allzu groß.

Ein Ding der Unmöglichkeit

Alles bleibt halbherzig und wirkt deshalb auch nicht trashig. Die Darsteller helfen auch nicht weiter. Selbst eine versierte Aktrice wie Mena Suvari chargiert indifferent zwischen Hypochondrie und Gluckenhaftigkeit und wird, im Gegensatz zu ihrer Filmtochter, optisch deutlich älter gemacht, als sie in Wirklichkeit ist. „What Lies Below“ ist als ein Abkömmling des Kinos der 1980er-Jahre mit den Mitteln und aus dem Geist des neuen Jahrtausends dann doch ein Ding der Unmöglichkeit.

Kommentar verfassen

Kommentieren