Action | USA 2021 | 117 Minuten

Regie: Rawson Marshall Thurber

Ein FBI-Agent, der Verbrecher jagt, die von Interpol mit einer „Red Notice“ zu den meistgesuchten Kriminellen weltweit erklärt wurden, gerät im Zuge eines Coups an einen genialen Kunstdieb und sieht sich gezwungen, mit diesem gemeinsame Sache zu machen, um der Rivalin des Diebs das Handwerk zu legen. Für die Jagd um die Welt, die in all ihrer Vielfalt erstaunlich gleichförmig inszeniert ist, werden alte Allianzen regelmäßig über den Haufen geworfen und neu geschmiedet werden. Das ist mitunter kurzweilig, doch kommt der Film nicht über ein ausgehöhltes Abenteuerfilm-Pastiche hinaus, in dem Meta-Witzeleien und Stereotypen den unmittelbaren Thrill des Abenteuerlichen erdrücken. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
RED NOTICE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Rawson Marshall Thurber
Buch
Rawson Marshall Thurber
Kamera
Markus Förderer
Musik
Steve Jablonsky
Schnitt
Michael L. Sale
Darsteller
Dwayne Johnson · Ryan Reynolds · Gal Gadot · Ritu Arya · Chris Diamantopoulos
Länge
117 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Action | Heist-Movie

Aufwendiges Heist-Movie mit Ryan Reynolds, Gal Gadot und Dwayne "The Rock" Johnson um einen FBI-Agenten, einen Kunstdieb und dessen Rivalin, deren Raffinesse beiden mächtig zu schaffen macht.

Diskussion

Große Stars und internationale Schauplätze – „Red Notice“ kleckert nicht, sondern klotzt. Gesucht werden Kleopatras Eier – für den Film erfundenen Artefakte, die sich am besten als übergroße Fabergé-Eier antiken Ursprungs beschreiben lassen. Glänzend genug, um in jeder Szene aufzufallen, klein genug, um in jeder Tasche verschwinden zu können.

In einem römischen Museum, dem ersten Ziel der Reise, die zunächst der FBI-Agent John Hartley (Dwayne Johnson) und die Interpol-Kommissarin Urvash Das (Ritu Arya) unternehmen, ist eines der Eier bereits entwendet worden. Das schmucke Etwas, das die Besucher bewundern, ist ein Imitat des Kunstdiebs Nolan Booth (Ryan Reynolds). Das Original findet sich bald in seinem Haus auf Bali wieder und wird bei Booths Verhaftung von der nächsten, schlicht „The Bishop“ genannten Diebin (Gal Gadot) erneut entwendet und als zweites Ei ihrer Sammlung hinzugefügt. Wo das letzte der drei Eier versteckt ist, weiß wiederum nur ihr Rivale Booth.

Ein im Reisebüro gekauftes Abenteuer

Die Sache ist einfach, die Personenkonstellation aber recht kompliziert und die Reise entsprechend längst nicht vorbei. Als nächstes steuert der Film ein Gefängnis in Sibirien an, in das nicht nur der überführte Kunstdieb geworfen wird, sondern auch Hartley, also der Mann, der ihn in Handschellen gelegt hat. An den Millionenbetrag, den ein ägyptischer Millionär für alle drei Eier zu zahlen bereit ist, kommt erst einmal niemand. Die Koalitionen werden daraufhin ein weiteres Mal neu geschmiedet. Booth und Hartley verbinden sich zumindest vorübergehend, und ihre Rivalin tut sich mit denen zusammen, die ihr im Weg stehen.

Mit der ständigen Rekombination des Setups (drei Eier, drei Suchende) und den regelmäßigen Schauplatzwechseln gibt sich der Film als klassischer Abenteuerfilm aus. Tatsächlich ist „Red Notice“ aber ein Abenteuerfilm-Pastiche, der ironischerweise nur bis zu Steven Spielbergs „Indiana Jones“-Reihe zurückreicht, die bekanntermaßen selbst Pastiche ist. Die Welt, die hier bereist wird, erscheint entsprechend ausgehöhlt und gleichförmig. Italien, Indonesien, Russland und Südamerika sehen wie Simulationen ihrer selbst aus; Studiosets mit angeklebter, oft CG-verstärkter Außenperspektive, in der selten mehr zu sehen ist als das örtliche Kulturklischee (Moped, blaues Wasser, Schnee und Urwald). „Red Notice“ ist ein im Reisebüro gekauftes Abenteuer.

Meta-Witzeleien treiben dem Film das Abenteuerliche aus

Entsprechend tritt auch das Star-Trio nicht ambitioniert, sondern als das eigene Typecast-Klischee an. Dwayne Johnson gibt den grummeligen Familienfernseh-Hünen, Ryan Reynolds den Sidekick, der mit permanentem Augenzwinkern Sprüche runterrattert, und Gal Gadot die eierlegende Wollmilchsau des Hollywood-Pseudo-Feminismus, der die Frau zum Martial-Arts-Talent mit Technikwissen macht, ohne freilich darauf zu verzichten, sie dabei möglichst oft in ein supersexy maßgeschneidertes Abendkleid zu stecken. Ritu Arya nimmt als Kommissarin eine ähnliche Rolle ein, kommt aber zu jeder Party zu spät.

Es sind Reynolds und Johnson, die dem Film mit ihrer Bud-Spencer/Terrence-Hill-Dynamik am ehesten ihren Stempel aufdrücken. Besonders Reynolds ist als kleiner Bruder des Duos permanent im Einsatz, um Kunstraub und anschließende Verfolgungsjagd mit Anspielungen auf moderne und digitale Lebenswelten anzureichern. Instagram-Profile, Etsy-Kunst und das obligatorische Einreißen der vierten Wand führen jedoch an genau der Idee vorbei, die „Red Notice“ aus dem Abenteuergenre zu überführen versucht: Abenteuer sind eine haptische Erfahrung. Die Welt ist da, um entdeckt, eingeatmet und angefasst zu werden. Eine Erfahrung, der die ständigen Meta-Witzeleien einen Riegel vorschieben. Als Booth und Hartley einen verschollenen Nazi-Bunker betreten, pfeift der Kunstdieb John Williams’ Indiana-Jones-Thema in die Dunkelheit hinein. In den Kisten, die dort lagern, liegt kein Geheimnis, sondern – und das ist natürlich der nächste Meta-Witz – der MacGuffin des Films.

All inclusive

Ein Jahrtausende altes Artefakt zu stehlen und anschließend bei der anschließenden Verfolgungsjagd alte Nazikarren in einem Minenschacht zu Schrott zu fahren, wird hier nicht zum rasanten Achterbahn-Kino, sondern zum freudlosen Hybrid aus Spielberg-Hommage und Genre-Parodie. Nichts erweckt dabei den Eindruck, als gäbe es tatsächlich noch ein Abenteuer zu erleben. Die Welt ist längst vermessen und virtualisiert, die Reise sind immer all inclusive gebucht.

 

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