Wild - Jäger und Sammler

Dokumentarfilm | Schweiz 2021 | 93 Minuten

Regie: Mario Theus

Der Dokumentarfilm porträtiert drei Schweizer, die in einer imposanten Alpenregion mehr oder minder unmittelbar mit der Jagd zu tun haben: einen Bergbauern, der regelmäßig auf die Pirsch geht, eine Wildhüterin, die aufpasst, dass dabei alles mit rechten Dingen zugeht, und einen Tierfilmer, der sein Gewehr mit der Kamera getauscht hat. Gemeinsam sind ihnen das Wissen über die Natur, das Verhalten und die Aufenthaltsorte der Wildtiere sowie die praktischen Fähigkeiten wie Pirschen, Warten, Sehen, Riechen und Hören. Der zurückhaltende Film entwirft ein stimmiges Plädoyer für ein Leben im Einklang mit der Natur und lässt verhalten auch Fragen nach Widersprüchen des modernen Fleischkonsums anklingen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
WILD - JÄGER UND SAMMLER
Produktionsland
Schweiz
Produktionsjahr
2021
Regie
Mario Theus
Buch
Mario Theus
Kamera
Sam Gyger · Mario Theus · Urs Biffiger
Musik
Christian Zehnder · Till Zehnder
Schnitt
Stefan Kälin
Länge
93 Minuten
Kinostart
06.10.2022
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Doku über drei Menschen aus der Schweiz, die mehr oder weniger unmittelbar mit der Jagd zu tun haben. Ein stimmiges Plädoyer für ein Leben im Einklang mit der Natur.

Diskussion

Es ist schon eine Weile her, dass Menschen sich ausschließlich von dem ernährten, was ihnen die Natur unmittelbar liefert. Gesammelt und gejagt wird heute in erster Linie im Supermarkt, das Fleisch vorzugsweise filetiert und in Klarsichtfolie abgepackt. Wem das Tierwohl am Herzen liegt, kauft beim Biometzger oder lebt gleich als Vegetarier oder Veganer. Die Sammelei in der Natur hat sich bis auf die Pilzsaison weitgehend erledigt. Gejagt wird aber durchaus noch. Auch wenn das Waidwerk für all die Fleischesser in der westlichen Welt kaum eine Rolle spielt.

Der Schweizer Dokumentarfilmer Mario Theus, selbst Jäger, porträtiert drei Menschen, die in den Alpen mehr oder minder unmittelbar mit der Jagd zu tun haben. Einmal Andreas Käslin, der mit seiner Familie einen Bergbauernhof betreibt, aber auch regelmäßig auf die Jagd geht. Zum anderen den Tierfilmer Urs Biffiger, der einst ein Wilderer war, aber nach einem Studium der Fortwirtschaft heute Tieren nur noch mit der Kamera nachstellt. Und als Dritte ist mit Pirmina Caminada auch eine Frau in der Männerdomäne der Jägerei mit von der Partie, die als Wildhüterin arbeitet und darauf achtet, dass bei der Jagd die Regularien eingehalten werden.

Ausnehmen, häuten, braten

Der Film folgt den drei Protagonisten in Parallelmontage. Er ist dabei, wenn der Bauer im Morgengrauen im Hochgebirge auf die Pirsch geht, der Tierfilmer sich vorsichtig anschleicht, um einen kapitalen Hirsch nicht zu verschrecken, oder die Wildhüterin per Fernglas sondiert, ob in ihrem Revier auch alles mit rechten Dingen zugeht. Dabei hat Caminada durchaus nichts gegen die Jagd. Sie ist sogar stolz, dass ihre erwachsene Tochter den Jagdschein gemacht hat. Die erlegt nach einer halben Stunde des Films auch das erste Tier: ein Murmeltier. Das wird anschließend fachgerecht ausgenommen, gehäutet, zerlegt und gebraten und dient Mutter und Tochter als offensichtlich schmackhaftes Abendmahl.

Irritierender dürften für manche Sequenzen sein, in denen die kleinen Kinder des Bergbauern voller Neugier dabei sind, wenn eine von ihm erlegte Gams ausgeweidet wird. Manch einer mag sich entsetzt abwenden, obwohl er sonst gerne Lachsfilet oder Chicken-Nuggets verspeist, denen man nicht ansieht, dass dafür Tiere gestorben sind, die unter fragwürdigen Bedingungen nur für diesen Zweck gezüchtet wurden. Bis auf einen flüchtigen Blick in eine Supermarkt-Auslage behandelt der Film diesen Widerspruch so beiläufig wie den Umgang mit verhätschelten Haustieren. Das deutet der Film mit ein paar Ausschnitten aus dem Arbeitsalltag einer Tiermedizinerin an, die in einer Klinik Hunde kastriert oder einer Katze eine Zahnbehandlung angedeihen lässt.

Plädoyer für ein naturnahes Leben

„Wild – Jäger und Sammler“ hält sich mit sparsamen Off-Kommentaren wohltuend vor jeglicher Schwarz-Weiß-Malerei zurück. So wie das Waidwerk nicht glorifiziert wird, ist auch nie davon die Rede, mit der Jägerei den gigantischen Fleischhunger der Menschheit stillen zu können. In erster Linie ist der Film eine bildgewaltige Hommage an das Leben im Einklang mit der Natur. Wobei der imposanten, hier nahezu menschenleeren, Schweizer Bergwelt bei zumeist bestem Wetter eine tragende Rolle zukommt.

Zusammen mit dem ausgefeilten Sounddesign und einer originellen Filmmusik ist „Wild – Jäger und Sammler“ ein gleichermaßen eindrucksvolles wie romantisches Plädoyer für ein Leben mit der Natur, bei dem gelegentlich sogar ein Schuss Realsatire durchscheint. Etwa, wenn die Jäger ihren Erfolg in einer Kneipe begießen und das erlegte Tier auf dem Nebentisch liegt. Oder wenn im Auto des Bauern ein Duftbäumchen in Tannenbaumform hängt. Hätte bei all der unberührten Natur nicht auch das Öffnen eines Fensters gereicht?

Ein Manko von „Wild – Jäger und Sammler“ bleibt es indes, dass die meisten Protagonisten Schwyzerdütsch reden, was ohne Untertitel für Menschen, denen dieser Dialekt nicht geläufig ist, ein echtes Problem darstellt.

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