Vogelfrei. Ein Leben als fliegende Nomaden

Dokumentarfilm | Deutschland 2020 | 117 Minuten

Regie: Andreas Zmuda

Im Sommer 2012 brachen Andreas Zmuda und Doreen Kröber aus Berlin auf, um in einem Ultraleichtflieger die Welt zu bereisen, dabei selbst gedrehte Aufnahmen fügten sie zu einem Film zusammen, der die ersten vier Jahre dieses Abenteuers dokumentiert. Das Ergebnis ist eine für Hobbyflieger, Globetrotter und alle, die es gerne wären, gleichermaßen faszinierende Reise-Dokumentation mit atemberaubenden Impressionen und fesselnden Anekdoten, die letztlich aber zu flüchtig bleiben, um ein tieferes Gefühl für das Erlebte zu vermitteln. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2020
Regie
Andreas Zmuda
Buch
Andreas Zmuda · Doreen Kröber
Kamera
Doreen Kröber · Andreas Zmuda · Katja Döhne · Sandra Budesheim · Claudius Grimme
Schnitt
Andreas Zmuda
Länge
117 Minuten
Kinostart
08.07.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Im Sommer 2012 bricht ein Paar mit einem fliegenden Dreirad zu einer Abenteuer-Weltreise auf, die bislang zu keinem Ende gefunden hat. Von den ersten vier Jahren berichtet ihre Dokumentation.

Diskussion

Was für eine verrückte Idee! Auf einem Trike, einem fliegenden Dreirad, wollten Andreas Zmuda und Doreen Kröber einmal quer über die USA fliegen. So jedenfalls war der ursprüngliche Plan. Kröber, die damals noch im Projektmanagement des Berliner Flughafens arbeitete, wollte dafür einen etwas längeren Urlaub nehmen. Sechs Wochen waren angedacht. Zmuda aber hatte viele Jahre in Mittel- und Südamerika gelebt und dort auch als Reiseleiter gearbeitet. Deshalb überlegte das Paar, wenn es schon mal in den USA wäre, doch auch noch weiter Richtung Süden zu fliegen. Dafür sollte Kröber dann eher eine dreimonatige Auszeit einplanen.

Zmuda hatte aber auch 14 Jahre in der Karibik verbracht. Und da sie gewissermaßen ohnehin in der Gegend waren, musste ein einjähriges Sabbatical her. Allerdings wäre dann vielleicht auch ein Abstecher nach Afrika nicht schlecht. Im Tiefflug über eine Elefantenherde? Oder auf dem Rückweg von Kanada eine kleine Atlantiküberquerung? Am Ende kündigte Kröber ihren Job und brach gemeinsam mit ihrem Lebenspartner im Sommer 2012 zu einer Abenteuer-Weltreise auf, die sie bis heute nicht beendet haben. So ähnlich jedenfalls erzählen es die beiden „fliegenden Nomaden“ zu Beginn ihres Dokumentarfilms „Vogelfrei“, der von den ersten vier Jahre ihres „Projekts“ handelt, wie sie selbst es bezeichnen.

Aufs Wesentliche reduziert

1518 Tage, 36.042 Flugkilometer, 33 Länder komprimiert auf 117 Filmminuten. Kröber berichtet, wie sie als „Packmanagerin“ das Gepäck auf das Wesentliche reduzierte, während Zmuda sich als lizenzierter Pilot um Flugtechnik und Dokumente kümmerte. Ein Minimalismus, an dem sich Zmuda als Cutter von „Vogelfrei“ mit weniger Erfolg versucht.

Natürlich ist die Vorstellung, mit einem Ultraleichtflugzeug die Anden zu überqueren, tagelang über dem Regenwald zu fliegen, sich über Wüsten und das offene Meer zu wagen, so irrwitzig tollkühn, dass alle, die ein Faible für Globetrotter-Reisedokus haben, an diesem Film nicht vorbeikommen. Es gibt traumhafte Luftaufnahmen von türkisblauen Riffen und Salzseen in Wüsten oder ockergelben Flüssen, die sich durch den endlosgrünen Dschungel schlängeln. Fast immer mit im Bild: das Trike und seine beiden dem Wetter ausgesetzten Piloten. Das ist authentischer als die gestochen scharfen, hochauflösenden Drohnenbilder, die es in Reisedokus häufig zu bestaunen gibt. Allerdings nur aus Perspektive der Reisenden. Zmuda und Kröber haben das wirklich alles selbst gesehen. Sie standen nicht irgendwo unten neben einem Fahrrad oder einem umgebauten Schulbus mit der Fernbedienung in der Hand, sondern haben buchstäblich ihr Leben für diese Aufnahmen riskiert.

Für all die Unbeteiligten, die sich das auf dem Bildschirm oder der Leinwand ansehen, macht das allerdings keinen Unterschied. Doch abgesehen davon, dass die Drohnenbilder optisch oft besser sind, kommt vom persönlichen Erleben in „Vogelfrei“ nur wenig an. Zmuda und Kröber geben aus dem Off zwar abwechselnd ihre Eindrücke und Empfindungen wieder, und sie tun das auf eine sympathisch humorvolle, überhaupt nicht missionarische Weise. Dabei lässt es sich verschmerzen, dass beide unüberhörbar keine professionellen Sprecher sind. Doch was fehlt, ist eine Geschichte, ein dramaturgischer Faden.

Viele faszinierende Momente

So bleibt es bei einzelnen faszinierenden Momenten: ein Aufenthalt in einem mexikanischen „Fischerdorf“, das sich als Drogenumschlagplatz entpuppt, eine Expedition in einen aktiven, dampfenden Vulkan, der Besuch in einer mennonitischen Gemeinde in Belize, ein Voodoo-Ritual auf Haiti, Linienflugzeuge über Maho Beach oder das kilometerlange Schwimmbecken von San Alfonso del Mar. Lauter schillernde, aber nur lose miteinander verbundene Fragmente. Einmal schleppen mal dünne, mal kräftige Männer oder Jugendliche kiloweise Gestein durch die engen, staubigen Gänge der Larimar-Minen in der Dominikanischen Republik. Doch von ihnen, ihrer Arbeit und ihrem Leben erfährt man nichts. Dazu ist bei 1518 Tagen in 117 Minuten scheinbar keine Zeit.

Drei Monate hätten sie ursprünglich in der Karibik bleiben wollen, berichtet Zmuda einmal aus dem Off, doch wegen der schwierigen Flugbedingungen und der kräftigen Winde seien daraus anderthalb Jahre geworden. Ein paar Sätze später sind dann auch die schon wieder vorbei. Und die beiden heben ein weiteres Mal ab.

Meistens schweben sie durch die Lüfte, über den Wolken oder in den Wolken, manchmal rattern sie über Start- und Landebahnen aller Arten, mal schlammig, brüchig, staubig, mal für große Passagiermaschinen ausgelegt. Zmuda muss ständig Dokumente ausfüllen oder die Wettervorhersage für die geplante Flugroute einholen. Aber wovon und vor allem wie die beiden in diesen vier Jahren abseits der Pisten gelebt haben, bleibt im Ungefähren. In einer netten Szene erzählen sie in die Kamera, dass es manchmal schon anstrengend sei, ständig so eng aufeinander zu hocken. Da gäbe es auch schon mal Streit. Nach ein paar Minuten sei es dann aber stets wieder gut, sagt Zmuda, räumt aber nach einem vielsagenden Seitenblick seiner Gefährtin lachend ein, dass es manchmal auch etwas länger dauere. Auch hier wäre es spannend, mehr zu erfahren. Doch es bleibt bei einem kurzen Seitenblick.

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