Drama | USA 2020 | 129 Minuten

Regie: Halle Berry

Eine abgetakelte „Mixed Martial Arts“-Sportlerin erhält nach längerer Pause die Chance auf einen Titelkampf, muss sich aber plötzlich um ihren sechsjährigen Sohn kümmern, den sie als Baby beim inzwischen verstorbenen Vater zurückließ. Ihre Karriere wiederzubeleben und zugleich eine Verbindung zu dem traumatisierten Kind aufzubauen, wird für die Frau zum Ansporn, über sich hinauszuwachsen und selbstdestruktive Gewohnheiten hinter sich zu lassen. Ein Außenseiterdrama, das Elemente des Sport- und Familiendramas verknüpft. Das Regiedebüt der Schauspielerin Halle Berry punktet mit starken Darstellerleistungen, bleibt in Drehbuch und Inszenierung allerdings arg formelhaft. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BRUISED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2020
Regie
Halle Berry
Buch
Michelle Rosenfarb
Kamera
Frank G. DeMarco · Joshua Reis
Musik
Terence Blanchard
Schnitt
Jacob Craycroft
Darsteller
Halle Berry (Jackie Justice) · Adan Canto (Desi) · Sheila Atim (Bobbi Buddhakan Berroa) · Stephen McKinley Henderson (Pops) · Shamier Anderson (Immaculate)
Länge
129 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Sportfilm

In ihrem Regiedebüt erzählt Schauspielerin Halle Berry von einer Kampfsportlerin, die für ein Comeback im „Mixed Martial Arts“-Ring trainiert, sich aber auch um ihren kleinen Sohn kümmern muss, den sie einst beim Vater zurückließ.

Diskussion

Jackie Justice (Halle Berry) war früher eine erfolgreiche Kämpferin in der Sportart Mixed Martial Arts (MMA). Doch nach ihrem unrühmlichen Abgang bei einem Spitzenturnier der Ultimate Fighting Championship fiel sie in Ungnade und zog sich aus dem Sport zurück. Nun schlägt sie sich als Putzfrau durch und wohnt mit ihrem manipulativen Lebensgefährten und Ex-Trainer Desi (Adan Canto) zusammen. Als dieser sie zur Teilnahme an einem illegalen Frauen-Kampf ohne Regeln verleitet, eröffnen sich ihr unverhofft neue Chancen: Ihr energischer Einsatz zieht die Aufmerksamkeit des Promotors Immaculate (Shamier Anderson) auf sich, der sie einlädt, in sein Sportstudio zu kommen und mit der Trainerin Buddhakan (Sheila Atim) zu arbeiten. Jackie lässt sich darauf ein und nimmt ein regelmäßiges Training auf, was ihr schließlich die Aussicht auf einen lukrativen Titelkampf mit der Weltmeisterin Lady Killer eröffnet, sobald sie wieder fit genug ist.

Ein traumatisiertes Kind verschiebt die Prioritäten

Doch dann steht Jackies Mutter Angel (Adriane Lenox), mit der sich Jackie zerstritten hat, vor der Tür und bringt Jackies sechsjährigen Sohn Manny (Danny Boyd Jr.) vorbei, den Jackie vor Jahren auf Drängen ihres Trainers beim Vater zurückgelassen hat, um ihre Karriere voranzutreiben. Weil der Vater nun erschossen wurde, braucht die Halbwaise ein neues Obdach. Jackies Mutter kann oder will den Jungen nicht aufnehmen, der nicht mehr spricht und wenig isst, seit er die Tötung des Vaters miterlebt hat.

Desi zeigt deutlich, dass er Manny so schnell wie möglich wieder loswerden will, doch Jackie kümmert sich liebevoll um den schwierigen Jungen. Allerdings hat sie große Probleme, ihre Pflichten als Sportlerin und als Mutter zu vereinbaren. Als ein Streit zwischen Jackie und Desi wegen Manny eskaliert, ziehen Mutter und Sohn aus und kommen zunächst bei Jackies Mutter unter. Doch das ist keine Dauerlösung.

Harter Stoff für ein Regiedebüt

Eines muss man der 55-jährigen Hollywood-Ikone Halle Berry lassen, die 2002 als erste afroamerikanische Schauspielerin den „Oscar“ als beste Hauptdarstellerin für ihre Leistung im Filmdrama „Monster’s Ball“ gewann, aber in den letzten Jahren kein besonders glückliches Händchen mit ihrer Rollenauswahl hatte: Mut hat sie. Für ihr Regiedebüt hat sie sich einen schwierigen Stoff ausgesucht. Als sie auf das Drehbuch von Michelle Rosenfarb stieß, war die Hauptrolle für eine weiße Mittzwanzigerin konzipiert. Als Blake Lively die Rolle zurückgab, ließ Berry das Buch für sich umschreiben. Und als sie keinen passenden Regisseur dafür fand, übernahm sie selbst die Regie des Films, der Elemente des Sport- und des Familiendramas vereint.

Die große Stärke der formelhaften Inszenierung sind die Leistungen der Darsteller:innen, allen voran Halle Berry selbst. Kann sie in den Trainingsszenen zeigen, wie akribisch und hart sie sich auf die Rolle vorbereitet hat, so beweist sie im brutalen Finalkampf, in dem ihr in der Rolle der Lady Killer die tatsächliche UFC-Championesse im Fliegengewicht, Valentina Schewtschenko, gegenübersteht, dass sie für den Film bereit war, an ihre physischen Grenzen zu gehen.

Leider greift die Inszenierung zu oft in die Klischeekiste

Leider überzeugt Berry als Regisseurin weniger und greift zu oft in die Genre-Klischeekiste, etwa wenn die trunksüchtige Jackie zu Beginn den Scotch in einer Putzmittel-Sprühflasche versteckt und später auf dem Weg zum Comeback natürlich ihren gesamten Alkoholvorrat ausgießen muss. Das Drehbuch packt zudem zu viele Themen und Erzählstränge in den Film, um alle davon adäquat zu entwickeln. So erfährt man gegen Ende, warum die Beziehung zwischen Angel und Jackie so spannungsreich ist, doch dann wird dieser brisante Faden nicht mehr aufgenommen. Immerhin wird nebenbei verständlich, dass die filmtitelgebende Prellung nicht nur physischer, sondern auch psychischer Natur ist. Eine verschenkte Gelegenheit, was umso bedauerlicher ist, weil die Figur der Angel umso komplexer und widersprüchlicher wird, je länger der Film dauert, und Angel-Darstellerin Adriane Lenox mehr Raum verdient hätte, ihre starke Präsenz auszuspielen.

Allzu absehbar fällt in dieser emanzipatorisch angehauchten Chronik des Ausbruchs einer geschundenen Frau aus manipulativer Fremdbestimmung auch der sportliche Wiederaufstieg aus, bei dem Stephen McKinley Henderson als graubärtiger Trainer und Mentor Jackies einige warmherzige Akzente setzt. Zum Glück vermeidet Berry mit Ausnahme einer nur angerissenen und daher überflüssigen lesbischen Romanze weitgehend naheliegende Ausflüge ins Melodram. Man darf nach diesem durchwachsenen Einstand gespannt sein, ob Berry dem Regiefach treu bleibt.

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