Made in Bangladesh

Drama | Bangladesch/Frankreich/Dänemark/Portugal 2019 | 95 Minuten

Regie: Rubaiyat Hossain

Eine junge Frau arbeitet als Näherin in einer Textilfabrik in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch. Als in der Fabrik ein Brand ausbricht und sie mehrere Wochen geschlossen bleibt, erhalten die Näherinnen kein Geld. Aus Protest will die junge Frau mit ihren Kolleginnen eine Gewerkschaft gründen und gibt den Kampf um ihre Rechte trotz massivem Gegendruck nicht auf. Vor dem Hintergrund von „Fast Fashion“ und Billigmode erzählt das dokumentarische Drama von Kapitalismus und Ausbeutung, die vor allem die Frauen trifft. Der mitunter etwas schematische Film überzeugt durch seine politische und wirtschaftliche Brisanz und die realistische Lebendigkeit der Straßenszenen. (O.m.d.U.) - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
MADE IN BANGLADESH
Produktionsland
Bangladesch/Frankreich/Dänemark/Portugal
Produktionsjahr
2019
Regie
Rubaiyat Hossain
Buch
Rubaiyat Hossain · Philippe Barriere
Kamera
Sabine Lancelin
Musik
Tin Soheili
Schnitt
Raphaëlle Martin-Holger · Sujan Mahmud
Darsteller
Rikita Nandini Shimu (Shimu Akhtar) · Novera Rahman (Daliya) · Parvin Paru (Maya) · Mayabe (Tania) · Shahana Goswami (Nasima)
Länge
95 Minuten
Kinostart
20.05.2021
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama

Eine junge Näherin aus Bangladesch gründet mit anderen eine Gewerkschaft und kämpft trotz massivem Gegendruck für die Rechte von Frauen.

Diskussion

„Fast Fashion“: Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein folgenschweres Phänomen. Modeketten wie H&M, Primark oder Zara werfen zwölf Kollektionen im Jahr auf den Markt und führen so die Modernität des letzten Designs ad absurdum. Damit die Kundinnen nicht von Kaufreue gepackt werden, muss die Kleidung, egal ob T-Shirt oder Rock, möglichst preiswert sein. Das wiederum bedeutet, dass günstig produziert werden muss, in Billiglohnländern, vor allem in Bangladesch, das weltweit der zweitgrößte Exporteur von Bekleidung ist.

Das Land erzielt damit 80 Prozent seiner Exporterlöse. Über vier Millionen Beschäftigte arbeiten in der Branche, davon 3,2 Millionen Frauen. Die können sich in einer von Männern bestimmten Arbeitswelt nicht so gut gegen ausbeuterische Methoden wehren, so das zynische Kalkül. Zudem sind es meist junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren, die den enormen Arbeitsdruck mit Überstunden, strenger Qualitätsüberwachung und wenigen Pausen noch ertragen können.

Die Regisseurin Rubaiyat Hossain nennt in ihrem dokumentarischen Drama in einer beiläufigen Szene zwei Zahlen, die die Absurdität von Fast Fashion deutlich machen. In der Fabriketage, in die Hauptfigur Shimu arbeitet, werden täglich 1500 T-Shirts hergestellt. Die Näherin selbst könnte sich von ihrem Monatslohn nicht einmal drei davon leisten.

Nein zur Gewalt gegen Frauen

Der Film beginnt mit einer raschen Bilderfolge der einzelnen Arbeitsschritte: Füße, die ein Pedal zum Antrieb der Nähmaschine treten, Fäden, die von kleinen Trommeln abrollen, Nadeln, die auf- und abrattern, während Hände Stoffe halten und nach oben schieben. Zwischendurch immer wieder die Gesichter der Näherinnen. Plötzlich heult eine Alarmsirene, Nebel breitet sich in der Fabriketage aus, Frauen eilen in Panik die Treppe hinunter ins Freie.

Unter ihnen ist auch Shimu, eine 23-jährige Frau, die mit ihrem arbeitslosen Ehemann Reza in einer schlichten Wohnung in Dhaka lebt. Durch das Feuer, bei dem eine Kollegin stirbt, bleibt die Fabrik mehrere Wochen geschlossen, die Näherinnen bekommen kein Geld.

Shimu lernt die Gewerkschaftlerin Nasima Apa kennen. „Say no to violence to women“, verlangt ein Plakat in ihrem Büro; auf dem Schreibtisch liegt ein Buch über „Race, Gender and Rhetoric“. Es wird im Folgenden also nicht nur um die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen gehen, sondern auch um die Stellung der Frau in einer machistischen Gesellschaft. Beeinflusst von Apa will Shimu gemeinsam mit ihren Kolleginnen eine Gewerkschaft gründen. Das ist ein schwieriges Unterfangen, denn der Fabrikbesitzer setzt Shimu massiv unter Druck. Und der Antrag zur Gewerkschaftsgründung wird im zuständigen Ministerium nicht bearbeitet. Dann verlangt auch noch ihr Gatte, der zwischenzeitlich Arbeit gefunden hat, dass Shimu kündigen müsse. Doch so schnell gibt die junge Frau nicht auf.

Arbeitsrechte, die nicht beachtet werden

„Die Rechte der Arbeiter sind Menschenrechte“, heißt es einmal, und darin liegt der eigentliche Skandal: Die Regierung von Bangladesch hat zwar sozialstaatliche Arbeitsrechte erlassen – Shimu liest einmal in einer etwas zu didaktisch geratenen Szene aus einem Gesetzbuch vor –, doch geldgierige Unternehmer und ausländische Auftraggeber, die von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen nichts wissen wollen, unterlaufen Recht und Gesetz.

Das trifft vor allem die Frauen. „Wir Frauen sind gekniffen, wenn wir verheiratet sind, und wir sind gekniffen, wenn wir es nicht sind“, bringt es Shimu auf den Punkt. Einer Kollegin wird wegen einer Affäre mit einem Vorgesetzen einfach gekündigt, der Mann selbst bleibt unbehelligt. Reza hingegen verlangt von Shimu strikten Gehorsam, obwohl er faul in den Tag hineinlebt.

Regisseurin Rubaiyat Hossain zeichnet den Antagonismus der Geschlechter mitunter etwas schematisch. Die Inszenierung folgt ihrer Protagonistin auf dem Weg durch die belebten Straßen und Gassen von Dhaka. Auffällig sind dabei die frohen Farben der Kleidung; auf einer ausgelassenen Hochzeitsfeier tragen die Frauen bunte Saris. Sie bilden ein lebensbejahendes Gegengewicht zur Düsternis der Fabriketage, in der öfter der Strom ausfällt. Shimu hingegen lässt sich in ihrer dickköpfigen Zielstrebigkeit nicht beirren; man sieht es ihr regelrecht an. War ihr langes schwarzes Haar zu Beginn noch zu einem Dutt gebändigt und auf Geheiß ihres Mannes sogar unter einem Hijab versteckt, trägt sie es am Schluss offen. Shimu ist sich ihrer Schönheit bewusst. Und sie weiß, dass sie auf dem richtigen Weg ist.

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