Shorta - Das Gesetz der Straße

Action | Dänemark 2020 | 104 Minuten

Regie: Frederik Louis Hviid

Nach dem Tod eines Jugendlichen im Polizeigewahrsam kommt es in Kopenhagen zu Protesten und Ausschreitungen. Zwei Polizisten geraten während ihrer Streife in ein Vorstadt-Ghetto und müssen angesichts einer aufgebrachten Menge um ihr Leben kämpfen. Der Actionthriller erzählt von Rassismus in Verbindung mit Polizeigewalt und von der Wut und der Frustration der jugendlichen Einwanderer. Dabei geht die Erzählung nicht unbedingt subtil vor und legt den Fokus auf unmittelbare und teils brutale Action, gesteht den Figuren aber Entwicklungen und Ambivalenz zu und vermeidet simple Lösungen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SHORTA
Produktionsland
Dänemark
Produktionsjahr
2020
Regie
Frederik Louis Hviid · Anders Ølholm
Buch
Anders Ølholm · Frederik Louis Hviid
Kamera
Jacob Møller
Musik
Martin Dirkov
Schnitt
Anders Albjerg Kristiansen
Darsteller
Jacob Lohmann (Mike Andersen) · Simon Sears (Jens Høyer) · Jack Pedersen (Talib Ben Hassi) · Tarek Zayat (Amos Al-Shami) · Issa Khattab (Iza)
Länge
104 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Koch
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Actionthriller um zwei Polizisten, die beim Streifendienst in einem Vorstadt-Ghetto von Kopenhagen der Zorn der Bewohner trifft, die sich für den Tod eines schwarzen Jugendlichen in Polizeigewahrsam rächen wollen.

Diskussion

„Ich kriege keine Luft“, sagt Talib Ben Hassi gleich zweimal. Der 19-Jährige befindet sich nach seiner Verhaftung in Polizeigewahrsam. Die Sätze sind aus einer Zelle zu hören; zu sehen ist das, was dort passiert, jedoch nicht. Die Kamera verharrt in dem langen Flur und lässt nur erahnen, was dem Jugendlichen angetan wird. Mit dieser Szene beginnt der dänische Actionthriller „Shorta – Das Gesetz der Straße“, der in den Einstellungen und Bildern danach von einer aufgebrachten Stimmung im Land erzählt. Die Kritik und die Empörung nach der Misshandlung des dunkelhäutigen Jugendlichen in Polizeigewahrsam ist groß; es kommt zu Protesten und Ausschreitungen in der Hauptstadt Kopenhagen. Es sind nicht nur die Worte Talibs, die unweigerlich an den Tod von George Floyd im Mai 2020 in den USA erinnern. Dessen Worte „I can’t breathe“, gingen um die Welt; die Ermordung von Flyod zog massive Proteste und Diskussionen über Rassismus und Polizeigewalt nach sich.

Wut und Frust entladen sich

Um diese Themen geht es auch in „Shorta“ von Frederik Louis Hviid und Anders Ølholm. Im Zentrum der Geschichte stehen die beiden Kopenhagener Polizisten Jens Høyer (Simon Sears) und Mike Andersen (Jacob Lohmann), die gemeinsam auf Streife geschickt werden. Høyer soll seinen Kollegen dabei an der kurzen Leine halten, der trotz der angespannten Lage immer wieder provoziert und seine Stärke heraushängen lässt. Bei ihrer Patrouille laden die beiden in einem Ghetto-Viertel und kontrollieren einen Jugendlichen. Als sie ihn mit zur Wache nehmen wollen, eskaliert die Situation. Über das Radio erfahren sie, dass Talib Ben Hassi im Krankenhaus gestorben ist. Die Wut und der Frust bei den vor allem jungen Einwanderern in dem Viertel entlädt sich nach der Nachricht und zwingt die Polizisten, sich in dem Ghetto zu verstecken. Sie werden selbst zu Gejagten. Dabei können sie nicht auf Verstärkung hoffen, weil die Polizei das Gebiet meidet.

Die beiden Protagonisten könnten gegensätzlicher nicht sein. Mike Andersen handelt impulsiv; er ist voller Vorurteile und und voller Aversionen gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln; den Jugendlichen kontrolliert er ohne Grund, sondern scheint es zu genießen, ihn zu demütigen und zu schikanieren. Zu einem Kamerateam, das in dem Ghetto filmt, sagt er abfällig: „Das hier ist nicht Dänemark.“ Høyer hingegen ist als Kontrastpunkt angelegt und ruhig und besonnen. Er versucht, auf Andersen einzureden und ihn zu beruhigen.

Die Inszenierung geht bei der Figurenzeichnung nicht gerade subtil vor; vor allem die Figur von Andersen scheint als rechter Unsympath zunächst einigermaßen klischeehaft entworfen. Doch im Verlauf der Geschichte ändert sich das, die Figuren entwickeln sich, werden zu ambivalenten, vielschichtigen Charakteren, die durch das, was sie erleben, dazu genötigt werden, ihr Selbstbild und ihre Denkmuster zu überprüfen. Dabei sind ihre Entwicklungen im Verlauf der Handlung nicht abzusehen; immer wieder stellt der Film sie vor neue Prüfungen. Wie die Figuren in den einzelnen Szenen entscheiden, lässt sich nicht vorhersagen.

Mehr Actionthriller als Sozialdrama

„Shorta“ verzichtet auf Schwarz-Weiß-Zeichnungen und auf ein klassisches Gut-Böse-Muster. Der Film gibt Einblicke ins Leben im Ghetto und erzählt von den Problemen, die etwa die Ladenbesitzer mit den jungen Krawallmachern und der Polizei haben; er greift aber auch die Sicht der Jugendlichen auf. Dabei entwickelt „Shorta“ zwar Züge eines Sozialdramas, bleibt im Kern jedoch stets ein Action- und in der zweiten Hälfte mehr und mehr ein Survival-Thriller: Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen und Beschädigungen; Mike und Jens werden ständig in handgreifliche Auseinandersetzungen verwickelt, erleben Schlägereien und Schusswechsel.

Die Gewaltszenen sind teils drastisch und direkt; vor allem aber gelingt es der Regie effektiv, ein Klima permanenter Bedrohung und eine förmlich von Hass aufgeladene Atmosphäre zu schaffen. Szenen, die mit der Handkamera oder mitten aus dem Geschehen heraus inszeniert werden, verstärken diesen Eindruck. Dabei gelingt es, die Spannung bis zum Schluss aufrechtzuerhalten; der Ausgang der Geschichte bleibt offen. Und selbst mit beim Abspann gibt es noch immer offene Fragen. Das ist bei der komplexen Thematik nur folgerichtig: Einfache Antworten kann es hier nicht geben.

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