Historienfilm | Südkorea 2020 | 100 Minuten

Regie: Choi Jae-hoon

1623, im koreanischen Königreich Joseon, während der chinesischen Besatzung kann ein ungestümer, aber versierter Schwertkämpfer den Sturz seines Königs nicht verhindern und zieht sich, durch das Duell fast erblindet, mit seiner Tochter in die Berge zurück. 15 Jahre später verschlägt es beide auf der Suche nach einem Augen-Heilmittel in das nächste Dorf, wo chinesische Menschenhändler die Tochter entführen, sodass der fast blinde Vater wieder zum Schwert greifen muss. Detailfreudig ausgestatteter, in den Kampfszenen perfekt choreographierter Actionfilm rund um eine anrührend gezeichnete Vater-Tochter-Beziehung und die moralischen Dilemmata von Menschen in einem entrechteten Land. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
GEOM-GAEK
Produktionsland
Südkorea
Produktionsjahr
2020
Regie
Choi Jae-hoon
Buch
Choi Jae-hoon
Kamera
Son Won-ho
Darsteller
Jang Hyuk (Tae-yul) · Kim Hyeon-soo (Tae-ok) · Joe Taslim (Gurutai) · Jeong Man-sik (Min Seung-ho) · Ji Seung-Hyeon (Inuchi)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Historienfilm | Martial-Arts-Film

Heimkino

Verleih DVD
Capelight
Verleih Blu-ray
Capelight
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Um seine Tochter zu retten, muss ein alter, nahezu erblindeter Krieger noch einmal zum Schwert greifen: Ein furios choreografierter Martial-Arts-Film.

Diskussion

1623, im koreanischen Königreich Joseon, das von den Chinesen der Qing-Dynastie besetzt ist. Im Prolog ist zu sehen, wie es Tae-yul, dem Schwertkämpfer des Filmtitels, nicht gelingt, den Sturz seines Königs zu verhindern. Im Duell mit dem übermächtigen Min Seung-ho hätte er wegen umherfliegender Schwertsplitter fast sein Augenlicht verloren. Seitdem lebt Tae-yul mit seiner heranwachsenden Tochter Tae-ok zurückgezogen in den Bergen, um – fernab der Zivilisation – zu jagen und zu ernten. Zu groß war die Schmach des verlorenen Kampfes, zu groß das Grauen des Blutvergießens. „Wahrscheinlich gibt er sich selbst die Schuld am Zustand des Staates“, sagt einmal jemand über ihn.

15 Jahre später. Tae-yul droht immer mehr zu erblinden. Auf der Suche nach einem Heilmittel machen sich Vater und Tochter auf ins nächste Dorf. Doch hier verbreiten chinesische Sklavenhändler unter Führung des kaltblütigen Gurutai Angst und Schrecken. Noch versucht Tae-yul, sich aus den Konflikten herauszuhalten: „Es gibt Dinge, da sollte man sich nicht einmischen“, sagt er zu seiner Tochter. Kurz darauf nimmt Tae-ok das Angebot eines reichen Aristokraten an, in seinem Haushalt als Pflegerin zu arbeiten. So will sie das Geld für die teuren Augentropfen verdienen. Doch es kommt anders: Gurutai und seine Schergen entführen das Mädchen, um es zusammen mit anderen an Bordelle zu verkaufen. Tae-yul bleibt nichts anderes übrig, als die Geister der Vergangenheit abzuschütteln und noch einmal zum Schwert zu greifen.

Kampf-Meister mit Handicap

Das asiatische Kino kennt sie zuhauf, jene höchst versierten Schwertkämpfer, die trotz einer Behinderung über sich hinauswachsen. Ob blind oder einarmig – das vermeintliche Handicap macht die Duellanten nur noch besser, weil sie ihre anderen Sinne schärfen und benutzen müssen. Am bekanntesten sind natürlich die 25 Filme der „Zatoichi“-Serie, die zwischen 1962 und 1973 in Japan entstanden, nicht zu vergessen Takeshi Kitanos Hommage „Zatoichi – Der blinde Samurai“ von 2003. Höhepunkt sind darum auch hier, in diesem Film des südkoreanischen Regisseurs Choi Jae-hoon, die sorgfältig choreographierten Schwertduelle, denen zwar die Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus „Tiger & Dragon“ fehlt, zumal sie in ihrer steten Abfolge auch ein wenig ermüdend wirken. Trotzdem sind sie von einer Virtuosität und Perfektion, einer Wucht und Unerbittlichkeit, die den Zuschauer staunen lassen. Aufgrund seines nachlässigen Aussehens und der ungepflegten langen Haare, der schäbigen Klamotten und der grauen Schlafzimmeraugen wird Tae-yul von seinen Gegnern stets unterschätzt. Doch wenn er sich seitwärts hinstellt, um besser hören zu können, ahnt man gleich, dass er ihnen hoffnungslos überlegen ist.

Höhepunkt ist sicher jene Szene, in der der Schwertkämpfer einer Unzahl von Gurutais Schergen, die die Schwerter gegen Gewehre getauscht haben (ein unverzeihlicher Bruch mit Tradition und Ehre, aber auch Ankündigung einer neuen Ära), geschickt ausweicht und ausschaltet. „Wie ist das möglich?“ fragt sich ein Beobachter. „Das Schwert ist es, das sticht und schneidet“, wird Tae-yul später erklären.

Ein Aufrechter in einem entrechteten Land

Neben diesen Attraktionen überzeugt vor allem das Produktionsdesign mit detailverliebten Kostümen und realistischen Sets. Besonders die Dorfszenen sind lebendig und farbenfroh. Fast verdecken sie, dass die Handlung in einem besetzten Land spielt, in dem Recht und Ordnung aufgehoben sind, in dem die Bevölkerung gezwungen wird, sich auf die Seite des Bösen zu stellen. „Ich bin nicht verwegen genug, um Menschen zu verkaufen“, sagt eine sogenannte Dolchexpertin einmal zu Gurutai. Eine Weigerung, die ihr Schicksal besiegelt. Dabei geht es auch um Misstrauen und Pflichtbewusstsein, um eine anrührende Vater-Tochter-Beziehung und wechselnde Koalitionen, besonders festgemacht an der Figur des opportunistischen Min Seung-ho, der 15 Jahre nach Tae-yuls Niederlage wieder zu seiner Nemesis wird. Doch hier wird nur überleben, wer sich selbst treu bleibt. „Ich würde jetzt gern die Welt sehen“, sagt Tae-yul am Schluss.

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