Monster! Monster?

Drama | USA 2018 | 98 Minuten

Regie: Anthony Mandler

Ein afroamerikanischer Jugendlicher aus fürsorglichem bürgerlichem Elternhaus hat eine vielversprechende Zukunft vor sich und träumt davon, Filmemacher zu werden. Doch dann sieht er sich plötzlich einer Mordanklage gegenüber, die seine Perspektiven radikal zu zerstören droht. Eine engagierte Anwältin versucht, ihn in den Mühlen einer Justiz, die Afroamerikaner systematisch diskriminiert, zu verteidigen. Basierend auf einem Roman von 1999, aber durch die Debatten um Diskriminierung von Schwarzen mit neuer Brisanz aufgeladen, überzeugt der Film weniger durch seine schematische Figurenzeichnung als durch die glaubwürdigen Darsteller und gekonnten Einsatz von Kamera und Schnitt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
MONSTER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2018
Regie
Anthony Mandler
Buch
Janece Shaffer · Colen C. Wiley
Kamera
David Devlin
Musik
Harvey Mason Jr.
Schnitt
Joe Klotz
Darsteller
Kelvin Harrison Jr. (Steve Harmon) · Jennifer Hudson (Mrs. Harmon) · Jeffrey Wright (Mr. Harmon) · John David Washington (Richard "Bobo" Evans) · Jharrel Jerome (Osvaldo)
Länge
98 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama | Gerichtsfilm | Literaturverfilmung

Eine Adaption des preisgekrönten Young-Adult-Romans "Monster" von Walter Dean Myers: Ein 17-jähriger afroamerikanischer Schüler aus einer bürgerlichen Familie hat ein vielversprechendes Leben vor sich, doch dann gerät er in juristische Mühlen, die seine Zukunft zu zerstören drohen.

Diskussion

Steve Harmon (Kelvin Harrison Jr.) ist ein Vorzeigejugendlicher. Der Afroamerikaner kümmert sich rührend um seinen kleinen Bruder, erledigt Einkäufe für die Mutter und dreht auf Harlems Straßen Videos in der Tradition des Direct Cinema. Sein großes Ziel: auf die Filmschule zu kommen. Menschlicher kann ein Junge kaum wirken.

Und doch ändert sich sein Leben bald schlagartig. Die Polizei wird Steve zu Hause festnehmen. In Untersuchungshaft werden ihm die Schreie von Mitinsassen in Mark und Bein fahren. Und im Gerichtssaal wird der Staatsanwalt ihn als Monster darstellen. Er wirft Steve vor, für zwei Gangster einen Laden vor einem Raub auf Polizisten gecheckt zu haben. Der Besitzer wurde erschossen. Im schlimmsten Fall wird Steve wegen Mordes verurteilt. Für seine Verteidigerin Catherine O'Brien (Jennifer Ehle), die einen Deal mit der Anklage ablehnt, ist klar: „Wir müssen dich als menschliches Wesen darstellen.“ Und spricht damit aus, dass viele ihm diese Menschlichkeit schon abgesprochen haben – Unschuldsvermutung hin oder her.

Die Verfilmung eines Jugendromans aus den 1990ern, dessen Stoff nach wie vor aktuell ist

Anthony Mandlers Gerichtsdrama „Monster? Monster!“, nun auf Netflix verfügbar, ist bereits 2018 entstanden. Immer wieder werden Szenen eines Überwachungsvideos eingespielt, auf dem die Tötung des Ladenbesitzers abgebildet ist. Aus dem Off ertönen Steves existenzielle Klagen. Der Film springt zwischen den Zeitebenen, nach und nach setzt sich für den Zuschauer ein Mosaik zusammen. Doch für Steve Harmon steht seit der Festnahme fest: „Es gibt ein Davor und Danach.“ Der Film basiert auf Walter Dean Myers’ Jugendroman „Monster“ von 1999. Auch damals war die Diskriminierung von Afroamerikanern durch die US-amerikanische Justiz schon ein Thema, hatte aber in der öffentlichen Debatte noch nicht den Stellenwert, die sie etwa durch „Black Lives Matter“ in den letzten Jahren erfuhr.

Auch wenn Mandler, der die Beiträge der verschiedenen Verfahrensbeteiligten elegant ineinander schneidet (man sieht dem Film an, dass er mal Musikvideos drehte), immer wieder auch die raue Wirklichkeit der Harlemer Straßen abzubilden versucht: „Monster! Monster?“ ist ihm allzu clean und eine Spur zu didaktisch geraten. Im Gegensatz zu den anderen schwarzen Angeklagten kommt Steve aus fürsorglichem Hause – „Oscar“-Preisträgerin Jennifer Hudson und Jeffrey Wright spielen die Eltern so gutbürgerlich und bildungsbeflissen, wie sie sich ein wohlmeinender weißer Pädagoge nicht besser ausgedacht haben könnte. Es mag Mandler darum gehen, aufzuzeigen: Wenn du schwarz bist, kann es dich immer treffen. Aber dadurch macht er es dem Zuschauer einen Tick zu einfach, für seinen Helden Partei zu ergreifen.

Doch der Film hat durchaus seine Momente: die Willkür des US-amerikanischen Rechtssystems, das Schauspielhafte des gesamten Verfahrens, das Aushandeln der Strafe im sogenannten Plea Bargaining – um dem Staat ein langwieriges und kostspieliges Verfahren zu ersparen: All das macht der Film auch durch die konzentrierten Bilder von David Devlins Kamera anschaulich. Der junge Kelvin Harrison Jr. schließlich trägt seine Hauptfigur Steve glaubwürdig: Einen Tick zu intellektuell für die Straße, zu cool, um ein Streber zu sein. Seine Verstörung durch die Erfahrung des Eingesperrtseins. Und der Schock, in der Justizmühle dem Urteil anderer, und damit dem Schicksal, ausgeliefert zu sein.

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