Drama | Mexiko/USA 2021 | 95 Minuten

Regie: Julio Quintana

Ein konventionelles und weitgehend vorhersehbares, aber souverän umgesetztes Feel-Good-Movie über Waisenkinder und den Betreiber eines Waisenhauses in Mexiko, die mit Hilfe eines abgerissenen Kapitäns bei einem lukrativen Angelturnier über sich hinauswachsen. Die Inszenierung macht aus der märchenhaften Geschichte, die auf realen Ereignissen beruht, einen formelhaften, aber warmherzigen Familienfilm mit soliden Hauptdarstellern und einer aufmunternden, humanistischen Botschaft, ohne allzu zu stark in rührseliges Fahrwasser abzudriften. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
BLUE MIRACLE
Produktionsland
Mexiko/USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Julio Quintana
Buch
Chris Dowling · Julio Quintana
Kamera
Santiago Benet Mari
Musik
Hanan Townshend
Darsteller
Dennis Quaid (Wade) · Jimmy Gonzales (Omar) · Bruce McGill (Wayne Bisbee) · Anthony Gonzalez (Geco) · Raymond Cruz (Hector)
Länge
95 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 10.
Genre
Drama | Familienfilm

Ein mexikanischer Familienfilm über ein in finanzielle Bedrängnis geratenes Waisenhaus, einen knurrigen Fischer und einen Wettkampf, der allen den Hals retten soll.

Diskussion

Im September 2014 sucht der Wirbelsturm Odile die mexikanische Halbinsel Baja California heim und richtet schwere Zerstörungen an. Auch das Waisenhaus Casa Hogar in der Küstenstadt Cabo San Lucas wird unter Wasser gesetzt, die meisten Vorräte sind nun unbrauchbar. Doch der stets optimistische Betreiber Omar Venegas (Jimmy Gonzales) und seine herzensgute Frau Becca, die sich aufopferungsvoll um etliche Waisenkinder und Straßenjungs kümmern, sind hoch verschuldet. Die Bank gibt Omar, den die Jungs „Papa Omar“ nennen, nur noch zwei Wochen zur Rückzahlung der Kredite, andernfalls übernimmt sie das Haus.

In einer finanziellen Klemme steckt auch der bärbeißige Fischer Wade Malloy (Dennis Quaid). Der abgerissene einzelgängerische US-Amerikaner hat das berühmte ortsansässige Angelturnier Bisbee's Black & Blue Fishing Tournament zwar als einziger gewonnen, braucht aber dringend Aufträge. Als die Veranstalter wegen des Hurrikans auf das übliche hohe Startgeld verzichten und auch ärmere Bewohner der Stadt am Wettbewerb teilnehmen können, ergibt sich eine einmalige Chance für Omar und Wade: Wayne, der erfahrene Gründer und Ausrichter des dreitägigen Wettbewerbs, bildet kurzerhand aus den beiden ein Team, allerdings unter der Bedingung, dass Omar die Waisenjungs Geco, Hollywood und Wiki auf das Boot mitbringen darf. In letzter Minute stößt auch noch der junge Taschendieb Moco dazu, den Omar mit viel Überredungskunst aus dem Polizeigewahrsam freibekommen hat. Große Chancen auf den Gewinn des Preisgelds von rund 250.000 Dollar haben die Außenseiter aber nicht, denn das überalterte Boot ist störanfällig und Omar und die Jungs haben noch nie auf dem Meer geangelt.

Underdog-Story mit optimistischer Botschaft

Der Film beruht auf tatsächlichen Ereignissen, die der Regisseur Julio Quintana und sein Co-Autor Chris Dowling, bekannt durch christlich geprägte Filmdramen wie "Run the Race" und "Priceless", in ihrem Drehbuch spielfilmgerecht verändert haben. Die tatsächlichen Helden werden im Abspann auf Fotos gezeigt. Die warmherzige Inszenierung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier – begleitet von einer oft recht seifigen Musik – einmal mehr ein Underdog-Plot über eine herausragende sportliche Leistung zelebriert wird, wie man ihn schon in zahllosen Hollywood-Filmen gesehen hat. Die Mut machende Dramaturgie könnte glatt von Disney stammen, so geradlinig werden hier positive Werte wie Barmherzigkeit, Mut, Teamgeist, Gemeinschaftsgefühl und Solidarität gefeiert.

Dazu passt – wie der Titel signalisiert - die geradezu allgegenwärtige blaue Farbe, die gemeinhin für Klarheit, Freiheit, Ruhe und das Göttliche steht. Als Leitfarbe findet sich das Blau in vielen Aufnahmen von Himmel und Meer, aber auch in Omars abgerissenem T-Shirt, dem Waisenhaus und dem Blauen Marlin, den die Außenseiter fangen wollen. Aber auch in den blaustichigen Albtraumszenen, die Omar nachts im Waisenhaus heimsuchen und die in scharfem Kontrast zur sonnendurchfluteten Atmosphäre im Touristenmagnet Cabo San Lucas mit seinen traumhaften Strände und reichen Fischgründen stehen.

Zwei Männer mit seelischen Blessuren

Der zweite Film von Quintana, bei dessen Regiedebüt "The Vessel" (2016) kein Geringerer als Terrence Malick als ausführender Produzent fungierte, punktet vor allem mit dem spannungsreichen Zusammenspiel der Hauptdarsteller Jimmy Gonzales und Dennis Quaid. Hier stimmt die Chemie einfach. Die beiden Protagonisten könnten kaum unterschiedlicher sein: Hier der aufrechte Samariter, dort der egoistische Grobian. Doch sie raufen sich notgedrungen zusammen. Dabei hilft auch, dass beide unter Traumata und Schicksalsschlägen leiden. Omar hat bei einem Bootsunglück seinen Vater verloren, lebte auf der Straße und war offenbar in kriminelle Aktivitäten verstrickt, wie der Besuch des Gangsters Hector während des Turniers zeigt, der ihn mit lukrativen Versprechungen zurück zum leicht verdienten Geld locken will. Wade hat sich während einer Ehekrise vor Jahren für das Angeln und gegen die Familie entschieden. Seitdem hat er seine Frau und seinen halbwüchsigen Sohn nicht mehr gesehen, die nach Dallas gezogen sind.

Kinderfiguren bleiben etwas stereotyp

Leider bleiben die Figuren der vier Jungs trotz ansprechender darstellerischer Leistungen stark typisiert und auf eine Eigenschaft reduziert: der introvertierte, der dickliche, der smarte, der diebische. Über ihre Vorgeschichte erfährt man wenig, die Kinder geben sich in dieser Hinsicht wortkarg. Einige Narben zeugen immerhin von Bandenkämpfen und anderen Gewalterfahrungen.

Dass es in der malerisch gelegenen Küstenstadt jenseits der Hochglanzfassaden der Luxushotels und Viertel der Wohlhabenden viel Armut, Elend und organisierte Kriminalität gibt, deutet nur eine Szene an, in der Omar bei einer nächtlichen Rettungsaktion mit einem kleinen Schützling im Arm fast in eine Schießerei rivalisierender Jugendbanden gerät. Mehr Gewalt und Kriminalität wollte Quintana, der als Sohn kubanischer Migranten in Los Angeles geboren wurde, offenbar in dem Feel Good Movie nicht zeigen, um das angepeilte Familienpublikum nicht zu verprellen.

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