Serie | Deutschland 2021 | (sechs Folgen) Minuten

Regie: Christian Zübert

Ein Singer-Songwriter ist beruflich und privat halbwegs zufrieden, bis ein ungebetener Gast in sein Leben tritt, eine mittelschwere Depression namens Monika. Dass er diese in Gestalt einer Frau sehen kann, beunruhigt nicht nur ihn selbst, sondern auch die Depression, denn eigentlich sollte sie unsichtbar sein. Die Drama-Serie nimmt sich des Themas psychische Erkrankung auf humorvoll-offene Weise an und überzeugt insbesondere dort, wo die Gefühle der Hauptfigur und das Zwiegespräch mit der Depression nicht nur Stoff für kuriose Missverständnisse liefern. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2021
Regie
Christian Zübert
Buch
Ipek Zübert
Kamera
Philipp Kirsamer
Musik
Alex Komlew
Schnitt
Ueli Christen · Julia Karg
Darsteller
Nora Tschirner (Monika) · Roel Dirven (Mat) · Paula Kalenberg (Susa) · Matthias Matschke (Bruno) · Kathrin Angerer (Fiona)
Länge
(sechs Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Serie | Tragikomödie

Ein Singer-Songwriter ist beruflich und privat halbwegs zufrieden, bis ein ungebetener Gast in sein Leben tritt, eine mittelschwere Depression namens Monika.

Diskussion

Auch Popstars überfallen manchmal Zweifel an ihrer Berufswahl. Etwa dann, wenn man umziehen will und im Regen Kartons ein- und ausladen muss, nur um davon ein perfektes Instagram-Video zu erhalten. In einer solchen Situation befindet sich der holländisch-amerikanische Singer-Songwriter Mat (Roel Dirven), als er zu seiner Freundin Susa (Paula Kalenberg) nach Berlin zieht.

Zweifel können aber auch ganz anders aussehen. Etwa wie eine Frau mit Mütze, Bomberjacke, Schleife und grauen Strähnen (Nora Tschirner). In der Nacht kauert die sich zwischen Mat und Susa ins Bett und flüstert dem Musiker ins Ohr: „Du bist wertlos. Du kannst nichts. Deine Songs sind nur leere Hüllen ohne Bedeutung.“ Mat schreckt auf und schreit – wegen der fremden Frau und ihren Worten, aber auch, weil seine Freundin nichts davon wahrnimmt.

Das Ministerium für Psychosen

Bei der mysteriösen Fremden handelt es sich um eine mittelgradige Depression: „Ich habe eine klare Qualifikation!“ Sie wurde vom Ministerium der psychischen Krankheiten entsandt, um Mat zur Heilung zu bewegen. Das Ministerium erinnert ein wenig an Harry Potters Zauberwelt: Steinhallen, Briefrohre, Holzaufzüge. Dort trägt die Depression eigentlich eine Nummer. In der Menschenwelt bekommt sie unfreiwillig den Namen Monika. Mat scheint ihr bislang schwerster Fall zu sein – eine Diskrepanz, die bei „Künstlern wie Hemingway, Monroe oder Beethoven“ auftritt.

Denn Mat durchlebt mit dem Wohnortswechsel nach Berlin gleich mehrere Krisen: „Alles, was ich schreibe, ist lame shit!“ – das heißt: eine künstlerische Schaffenskrise. Ein Gig in Bangkok (keine Gage, aber all inclusive) endet mit einer Verhaftung, Bestechungsgeld in Form von Schulden und einem viral gehenden Video, das „mehr Likes als seine Songs bekommt“. Imageschaden sei übrigens Kündigungsgrund, beichtet ihm sein Freund und Manager. Und weil in Bangkok auch eine Frau im Spiel war, schmeißt Susa Mat auch noch aus der Wohnung. Er nistet sich bei seiner Halbschwester ein, wird antriebslos, vernachlässigt seine Körperhygiene und wird die dauernd negativ brabbelnde Monika nicht los – zum Leidwesen seiner Mitmenschen und zu seinem eigenen.

Sympathy for Mr. Arrogance

Die Idee, etwas Abstraktes wie Gefühle oder die Seele zu personifizieren, lässt an Filme wie „Alles steht Kopf“ oder „Soul“ denken. In der Serie „The Mopes“ von der Autorin Ipek Zübert und dem Regisseur Christian Zübert sind es psychische Krankheiten, die einen ausgebrannten Großstadtmenschen im 21. Jahrhundert in Persona aufsuchen. Herausfordernd ist dabei, dass Mat nicht gerade ein Sympathiebolzen ist. Er bedient sich selbstverständlich am Kühlschrank seiner Halbschwester, macht arrogante bis diskriminierende Bemerkungen und vertreibt seine negativen Gedanken, indem er einfach Sex mit einer Frau hat. Es fällt nicht leicht, mit dem chauvinistischen Hipster-Musiker Mitleid zu haben. Anderseits: Wer behauptet, dass kranke Menschen sympathisch sein sollen?

Schwieriger zu verstehen ist die Ausgangssituation. Monika soll gleichzeitig Mats Krankheit als auch seine Heilung verkörpern. Diese Doppelnatur wirkt irritierend, wenn sie ihren Patienten runtermacht, aber eigentlich helfen will. Ihre Kommentare klingen lustig, haben aber einen zynischen Kern, der immer wieder Streit provoziert mit Menschen, die sich missverständlich von Mat angesprochen fühlen.

Wenig Humor, mehr Drama

Diese Nach-Außen-Verlagerung des inneren Zwiegesprächs vermittelt das falsche Bild einer zweiten Persönlichkeit, obwohl Persönlichkeitsstörung oder Schizophrenie gar nicht Mats Problem sind. Außerdem wirken die daraus entstehenden Konflikte mit seinem Manager, seiner Freundin und seiner Schwester trotz ihres humoristischen Potenzials einigermaßen bedrückend. Die Serie tendiert damit eher Richtung Drama als zur Comedy.

„The Mopes“ überzeugt dort, wo die Idee von Monika als Mats Depression ernst genommen wird. „Was muss ich tun, damit du verschwindest?“ Das Verweigern, die eigene Krankheit wahrzunehmen, kann eine immense Hürde sein. Mats sensible Nichte bemerkt seinen Widerwillen. Sie hat Angst um ihn, um seine Gesundheit und was er nach dem Rauswurf aus der Wohnung anstellen will. Das rührt ihn. Er umarmt sie. In solchen Momenten, in denen Mat seine Emotionen ohne Verwechslungen und Missverständnisse zeigen kann, ist das Ziel der Heilung nah und Monikas Auftrag erfolgreich.

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