Anthologie-Serie | USA 2021 | (sieben Episoden) Minuten

Regie: David Weil

In der Zukunft gehört Künstliche Intelligenz zum Alltag, die Interaktion mit Programmen und Maschinen scheint das Zwischenmenschliche schleichend zu ersetzen. Eine Anthologie-Serie, in der pro Folge jeweils eine Figur im Zentrum steht, erkundet anhand verschiedener Szenarien das Aufeinandertreffen von Fleisch und Blut mit Bits und Algorithmen und spürt der Frage nach, ob wir uns auf ein trans- oder doch eher ein posthumanes Zeitalter zubewegen. Durchweg prominent besetzt, hinterlässt die kammerspielartige Science-Fiction-Serie trotz einzelner starker Episoden einen zwiespältigen Eindruck, weil sie etwas zu sehr auf effektvolle Wendungen setzt und zu wenig in die Tiefe geht. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SOLOS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
David Weil · Sam Taylor-Johnson · Zach Braff
Buch
David Weil · Tori Sampson · Stacy Osei-Kuffour
Kamera
William Rexer
Musik
Patrick Jonsson
Schnitt
Luke Dunkley · Simon Smith
Darsteller
Uzo Aduba (Sasha) · Nicole Beharie (Nera) · Morgan Freeman (Stuart) · Anne Hathaway (Leah) · Anthony Mackie (Tom)
Länge
(sieben Episoden) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Anthologie-Serie | Drama | Serie

Erweitert künstliche Intelligenz die Möglichkeiten der Menschheit oder bedeutet sie das Ende des Humanen? Eine Science-Fiction-Anthologieserie, in der viel Starpower und eine Menge künstlicher Intelligenz aufeinandertreffen.

Diskussion

Wenn es um die Beurteilung von Computern im Allgemeinen und Künstlicher Intelligenz im Besonderen geht, trennen sich die Menschen in digitale Optimisten und skeptische Analoge. Die einen betonen stets die praktischen Vorteile und erblicken in den Eroberungen des Künstlichen Chancen. Die anderen aber vermögen keine Helfer, sondern Menschenabschaffer zu erkennen – oder jedenfalls Emissäre der Sozialkontrolle, die einen im Auto ermahnen, wenn man noch nicht angeschnallt ist, und einem ständig irgendein angeblich unaufschiebbares Update aufdrängen. Elektrische Geister, die man rief, die dann aber ein Eigenleben entwickeln - ein früher filmischer Vertreter dieser zunächst so sanft und hilfsbereit erscheinenden Spezies ist HAL 9000 aus Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“. An ihn fühlt sich erinnert, wer Helen Mirren in der Amazon-Serie „Solos“ dabei zuschaut, wie sie im Dialog mit ihrem Bordcomputer per Raumschiff ins Universum entschwindet – um dort, so jedenfalls der Plan, als Pionierin zu sterben. Andere würden Versuchskaninchen sagen.

„Wir alle fühlen uns auf ganz eigene Art und Weise einsam“

Fleisch und Blut treffen auf Bits und Algorithmen: Das ist die Ausgangslage von „Solos“, deren einzelne Folgen inhaltlich sonst unverbunden bleiben. Einerseits ist das klassische Science-Fiction, weil die dargestellten technischen Gimmicks über das heute Mögliche weit hinausweisen. Auf der anderen Seite haftet dem Ganzen etwas Kammerspielartiges an, da in jeder Folge meist nur ein einziger Schauspieler (häufiger in mehreren Rollen) zu sehen ist. Regie führt neben dem als Showrunner Hauptverantwortlichen David Weil unter anderen Zach Braff, der als Schauspieler durch die Krankenhaus-Serie „Scrubs“ bekannt wurde, aber seit dem Indie-Film „Garden State“ immer wieder auch selbst hinter der Kamera steht.

Das prominent und betont divers besetzte Ensemble kann sich jeweils über zwanzig bis dreißig Minuten austoben. Mit großem Tamtam beginnt der Vorspann mit Morgan Freemans altväterlichem Timbre: „Wir alle fühlen uns auf ganz eigene Art und Weise einsam. In dem Gefühl der Einsamkeit liegt unsere Gemeinsamkeit.“ Freeman, der in einer eigenen Fernseh-Reihe seit 2010 die „Mysterien des Weltalls“ erkundet, ist zugleich Protagonist in einer der Folgen.

Auf dem Weg in ein posthumanes Zeitalter

Die Schauspieler sind mit Computern und Künstlicher Intelligenz in „Solos“ allein. Rätselhaft bleibt, warum man mit einer der schwächsten und sterilsten Episoden eröffnet: Ein von Anthony Mackie gespielter Familienvater kurz vor dem Tod, der von einem künstlich geschaffenen Abbild ersetzt wird, dem er noch letzte Instruktionen gibt, wie er mit seinen Liebsten umzugehen hat.

Jede Episode scheint unbedingt mit einem KI-Kick aufwarten zu müssen. Das führt bisweilen zu hingebogenen Schlusspointen, wie besonders die Episode um Constance Wu veranschaulicht, die ihre sich nach Geborgenheit und Kindern sehnende Figur ansonsten eindrücklich verkörpert. Helen Mirren berührt in einem feschen roten Raumanzug als ältere Frau, die sich durch die Annonce „Senioren gesucht“ wieder gebraucht fühlt und mehr als bereit zu sein scheint für ihre letzte Reise. Im Laufe ihres langen Fluges erzählt sie ihre Lebensgeschichte, dabei gelegentlich in ein mädchenhaftes Kichern verfallend.

Digitale Kontrolle vs. Selbstbestimmung

Auch Anne Hathaway, deren Figur sich in ihrer Episode gleich in drei Ichs teilt, kann sich voll austoben. Auch hier überzeugt zunächst die originelle Darstellung von Zeitreisen und verpassten Chancen, um zum Schluss aber in einen unübersichtlichen Brei auszuarten. Insgesamt geglückt ist dagegen die Episode um eine von Uzo Aduba gespielte Frau, deren Alter Ego in einem liebevoll ausgestatteten, von Künstlicher Intelligenz bewachten goldenen Käfig lebt, um schließlich zu erfahren, dass sie nach einer Einstellung von Updates ausziehen muss – zur Freiheit fühlt sie sich gar nicht mehr fähig. Hier entwickelt die Serie ihren stärksten Bezug zum Jetzt, man fühlt sich stark an aktuelle Debatten um Sicherheit versus Selbstbestimmung erinnert.

Insgesamt hinterlässt „Solos“ somit einen zwiespältigen Eindruck. Dafür geht man dem „Gefühl der Einsamkeit“ zu selten wirklich auf den Grund, um sich stattdessen in effektvollen Wendungen seiner Geschichten zu verlieren.

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