Komödie | USA 2021 | Minuten

Regie: Barry Sonnenfeld

Ein zerstrittenes und entfremdetes Großstadtpaar verläuft sich in eine künstliche Welt, in der alle Dorfbewohner synchron singen und tanzen können. Nur wer die wahre Liebe findet, kann in die echte Welt zurückkehren. Die Sitcom ist zugleich eine Hommage an und eine Parodie auf klassische Musicals, nicht zuletzt auf den Broadway- und Filmhit „Brigadoon“ und wartet mit aufwändig choreografierten Gesangs- und Tanznummern auf. Das erzählerische Rückgrat liefert dabei eine Liebesgeschichte, die die Eheprobleme der Protagonisten zwar nicht tiefgründig auslotet, aber doch höchst unterhaltsam davon erzählt, wie diese ihre Erwartungen an die Liebe neu justieren müssen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
SCHMIGADOON!
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Barry Sonnenfeld
Buch
Ken Daurio · Cinco Paul
Musik
Cinco Paul
Darsteller
Cecily Strong (Melissa) · Keegan-Michael Key (Josh) · Alan Cumming (Bürgermeister Menlove) · Fred Armisen (Reverend Layton) · Kristin Chenoweth (Mildred Layton)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Komödie | Musical | Serie

Eine Comedy-Serie als Hommage und Parodie auf Musicals der 1940er wie "Brigadoon": Ein Pärchen macht sich auf eine Rucksackreise, um seine Beziehung neu zu beleben, und landet dabei auf wundersame Weise in einer magischen Stadt.

Diskussion

Josh (Keegan-Michael Key) hat Melissas Herz verloren – im metaphorischen und im physischen Sinn. Das junge Paar stampft orientierungslos und genervt durch einen Wald im Nirgendwo. Es gießt aus allen Wolken, es donnert und blitzt. Eigentlich sollte der von Melissa (Cecily Strong) gebuchte „Sacred Heart Trail“ die eingeschlafene Beziehung der beiden wieder auffrischen, doch Josh gibt auf den Stein in Herzform genauso wenig Acht wie auf Melissas Bemühungen und Bedürfnisse. Da erscheint plötzlich eine Steinbrücke mitten im Wald. Melissa und Josh überqueren sie, durchschreiten eine Nebelwolke – und landen in der sonnenglänzenden Welt von Schmigadoon, einem Dorf aus pastellfarbenen Holzhäusern, bonbonbunten Fake-Blumen und breit grinsenden Menschen in Karohemden und Rüschenkleidern, die synchron singend und tanzend durch die Straßen schwingen. Melissa freut sich als Fangirl von alten Hollywood-Musicals, während Josh einfach nur entsetzt ist: „Ich hasse Musicals! Das ist wie ‚Wicker Man‘.“

Gefängnis oder Freizeitpark

Tatsächlich ist der perfekt ausgeleuchtete Ort mehr wie ein Gefängnis als ein Freizeitpark, denn Melissa und Josh können nicht mehr zurückkehren. Der Weg über die Brücke führt unweigerlich wieder zu Schmigadoon. Der einzige Ausweg: Die wahre Liebe finden. Und offensichtlich ist es damit bei dem zerstrittenen Paar, das früher meinte, ineinander den Partner beziehungsweise die Partnerin fürs Leben gefunden zu haben, nicht mehr so weit her.

So müssen Melissa und Josh sich mit den teils anachronistischen (unverheiratete Paare nur in getrennten Betten!), teils zeitgemäßen (eine mittels „Color-blind-Casting“ besetzte Tanzkompanie!) Regeln dieses sonderbaren Dorfs arrangieren und den bösen Versuchungen widerstehen – in Form einer blonden Lolita mit Zöpfen und eines hemdsärmeligen jungen Marlon Brando – um ihre Beziehung vielleicht doch noch retten zu können.

Hommage und Parodie

Die Autoren Cinco Paul und Ken Daurio sowie der Regisseur Barry Sonnenfeld spielen in ihrer Serie wundervoll mit den Genre-Elementen des Märchens, des klassischen Musicals und der Screwball-Komödie. Das CGI-animierte Setting wirkt bewusst künstlich und erinnert daran, dass schon Vincente Minnelli mit seiner MGM-Verfilmung des Broadwayhits „Brigadoon“ Schottland als artifizielle Rekonstruktion ins Hollywood-Studio verlegte. Die Serie schafft es, Hommage und Parodie der Golden-Age-Musicals zugleich zu sein: Einerseits sind die Musical-Einlagen wie bei den Vorbildern aufwändig choreographiert, anderseits wird immer wieder die Absurdität entlarvt, wenn eine Person ein Stichwort gibt („Corn Puddin“) und auf einmal ein Lied auf das Dorfdessert, einen Pudding, gesanglich und tänzerisch angestimmt wird. Dass manche Figuren afro- und asiatisch-amerikanisch sind und dass der Bürgermeister heimlich schwul ist, thematisiert nun offen, was in den 1940er- und 1950er-Jahren alles an Repräsentation gefehlt hat beziehungsweise noch tabu oder nur subkutan präsent war. Die Aneignung der klassischen Musicals in der Serie lässt deren Rezeption im Geiste des Camp mit einfließen.

Tragisch-komische Szenen einer Ehe

Das inhaltliche Rückgrat liefert dabei die Liebesgeschichte um ein wohlsituiertes Großstadtpaar des 21. Jahrhunderts, das mit seinen eigenen Beziehungsproblemen überfordert ist und in der Konfrontation mit Schmigadoon als verkörpertem Retro-Romantik-Klischee die eigenen Erwartungen an die Liebe neu bestimmen muss. Cecily Strong als Melissa versucht leicht zynisch und etwas verzweifelt, mit der absurden Situation klarzukommen; Keegan-Michael Key tritt als Partner in wirklich alle Fettnäpfchen und wirbt bei der dörflichen „Basket Auction“ um eine neue Braut, um so schnell wie möglich der Musicalwelt zu entkommen. Die Serie ist natürlich kein tragisches Bergman-Ehedrama; die Konflikte werden nicht tiefgründig ausgelotet. Und doch bekommen die Figuren genug Format, dass sie die sechs je halbstündigen Episoden mühelos tragen und man gerne mitfiebert, ob Joshs und Melissas Herzen trotz aller Entfremdung doch noch eine Chance haben, wieder in einen Gleichklang kommen.

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