Kinderfilm | Frankreich/Belgien 2020 | 102 Minuten

Regie: Nicolas Vanier

Ein zehnjähriges Mädchen wird durch die Begegnung mit einem Zirkuspony darüber hinweggetröstet, dass sie in den Süden Frankreichs umziehen musste. Als sie erfährt, dass das Tier im Zirkus gequält wird, befreit sie es und will es vor dem brutalen Zirkusdirektor verstecken. Die Neuverfilmung der „Poly“-Kinderbücher von Cécile Aubry setzt als nostalgisch-warmherziger Abenteuerfilm auf kindgerechte Unterhaltung mit spannenden Verwicklungen, idyllischen Schauplätzen und einer Prise Klamauk, wirkt insgesamt aber auch etwas altbacken. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
POLY
Produktionsland
Frankreich/Belgien
Produktionsjahr
2020
Regie
Nicolas Vanier
Buch
Maxime Giffard · Jérôme Tonnerre · Nicolas Vanier
Kamera
Christophe Graillot
Musik
Eric Neveux
Schnitt
Raphaele Urtin
Darsteller
Elisa de Lambert (Cécile) · François Cluzet (Victor) · Julie Gayet (Louise) · Patrick Timsit (Brancalou) · Orian Castano (Pablo)
Länge
102 Minuten
Kinostart
17.06.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 10.
Genre
Kinderfilm | Literaturverfilmung | Tierfilm

Neuverfilmung der „Poly“-Kinderbücher von Cécile Aubry um ein Mädchen, das in den 1960er-Jahren ein Zirkuspferd vor dem Schlachter retten will

Diskussion

Die zehnjährige Cécile fährt mit ihrer Mutter Louisse im Auto von Paris nach Südfrankreich. Dort übernimmt die geschiedene Krankenschwester in ihrem Heimatdorf Beaucastel eine Gesundheitsstation. Cécile vermisst ihren Vater, der in Italien lebt. Und sie vermisst ihre Freunde, die sie in Paris zurücklassen musste. Auch im Dorf fühlt sie sich fremd; die Dorfkinder wollen sie nicht in ihr Baumhaus mitnehmen. Doch dann schlägt ein Wanderzirkus sein Zelt in dem Ort auf und sorgt für willkommene Abwechslung. Heimlich schleicht sich Cécile in die erste Vorstellung und sieht die Kunststücke, die das Shetlandpony Poly vollbringt. Später findet sie auch heraus, dass der Zirkusdirektor Brancalou fiese Tricks anwendet, um Poly zu solchen Leistungen zu zwingen.

Cécile befreit das Pony und versteckt es in einem ehemaligen Gewächshaus. Dabei wird sie von dem mürrischen Schlossbesitzer Victor beobachtet, während der gehbehinderte Zirkusjunge Pablo am Tatort eine Haarspange von Cécile findet. Beide helfen dem Mädchen bei der Verpflegung des Vierbeiners. Als Cécile eine Situation, in der ihre Mutter die Schulter des Zirkusdirektors behandelt, als zärtliche Umarmung fehldeutet und als Verrat an ihrem Vater wertet, reißt sie mit Poly aus. Es beginnt eine spannende Flucht voller Abenteuer, auf der sie von zwei tollpatschigen Polizisten, dem Direktor und seinen Helfershelfern sowie Victor verfolgt wird.

Eine warmherzige Adaption

Der Film beruht auf dem Roman „Wer rettet Silberschweif?“ (1967) der französischen Schauspielerin und Regisseurin Cécile Aubry (1928-2010). Den Stoff breitete Aubry als Drehbuchautorin und Regisseurin auch in der Serie „Poly“ aus, die zwischen 1961 und 1973 erfolgreich in Frankreich im Fernsehen lief. Ihre größten Erfolge feierte Aubry jedoch mit dem Kinderbuch „Belle und Sebastian“ (1968) über die enge Bindung zwischen einem Jungen und einer weißen Hündin, die auch zwei Fortsetzungen erfuhr. Die drei Bände wurden 2013, 2015 und 2017 auch fürs Kino verfilmt. Die erste Adaption inszenierte der französische Abenteurer, Schriftsteller und Regisseur Nicolas Vanier, der 1962 in Dakar im Senegal geboren wurde und in jungen Jahren durch Dokumentationen seiner Expeditionen in nördlichen Ländern bekannt wurde. In den 2000er-Jahren verlegte sich Vanier vorwiegend auf Filme für das junge Publikum, etwa in „Der Junge und die Wildgänse“. Mit „Poly“ verfilmte er nun einen zweiten Stoff Aubrys.

Die warmherzige Adaption des spannenden Kinderabenteuers setzt auf nostalgische Töne, malerische Landschaftsaufnahmen und ein prominentes Ensemble, darunter Julie Gayet, François Cluzet und Patrick Timsit. Aber auch die Kinderhauptrolle ist mit Elisa de Lambert glänzend besetzt. Ihre Figur der Cécile führt anfangs aus dem Off in den Film ein und liefert wichtige Hintergrundinformationen. Nach einiger Zeit verschwindet die Off-Stimme und weicht einem aufwühlenden Filmdrama über eine freundschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Tier. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die rustikalen Schauplätze: ein idyllisches Dorf, ein halb verfallenes Schloss, ein wilder Fluss, weitläufige Wälder und üppige Lavendelfelder.

Recht stereotype Erwachsenenfiguren

Vanier erzählt recht kurzweilig, wie die Protagonistin unter den Dorfkindern doch Freunde findet, die ihr bei der Rettung des Ponys vor dem Schlachter helfen. Dabei schreckt die Inszenierung auch vor klamaukigen Szenen nicht zurück, wenn etwa die Heranwachsenden auf dem Dorfmarkt ein Chaos verursachen, um Céciles Flucht zu vertuschen. Die Erwachsenen werden dabei recht stereotyp gezeichnet, vom oberfiesen Zirkuschef über seine willfährigen Handlanger bis zu zwei dummdreisten Polizisten, die einem Louis-de-Funès-Lustspiel entsprungen sein könnten. Insbesondere, wenn sie vergeblich versuchen, bei der Fahndung nach Cécile neuartige Walkie-Talkie-Funkgeräte einzusetzen.

Auch bei der Verfolgungsjagd und im hochdramatischen Finale darf man es mit der Plausibilität nicht so genau nehmen. Das gilt insbesondere für einen metertiefen Sturz, den Poly bis auf ein paar Schrammen heil übersteht, oder auch für die noch wundersamere Rettung des ohnmächtigen Mädchens durch das Pony, nachdem sie in einer Stromschnelle mit einem Felsblock kollidierte.

Während die Inszenierung ausgiebig im Flair der 1960er-Jahre schwelgt, mutet die plötzliche Abkehr der Protagonistin und anderer Kinder vom Fleischverzehr als Zugeständnis an den aktuellen Zeitgeist an. Dazu passt in gewisser Weise, dass Vanier und die Produzenten bei den umweltschonenden Dreharbeiten konsequent darauf geachtet haben, den ökologischen Fußabdruck der Produktion so gering wie möglich zu halten.

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