The Movies - Die Geschichte Hollywoods

Dokumentarfilm | USA 2019 | 540 (12 Folgen) Minuten

Regie:

Dokumentationsserie, die in zwölf Teilen à 45 Minuten versucht, die Geschichte des US-amerikanischen Kinos von der Stummfilmzeit bis ins 21. Jahrhundert aufzubereiten. Kurze Ausschnitte aus Filmen und Making-ofs wechseln mit Interviews, in denen Regisseure, Schauspieler, Filmhistoriker oder Zeitzeugen rekapitulieren, welchen Einfluss das Kino auf ihre Arbeit hatte. Der überbordenden Fülle des Materials wird mit einer strikten Auswahl und Straffung begegnet, was dem Erzähltempo mitunter etwas Hektisches gibt. Obwohl sich so kaum Entdeckungen oder neue Perspektiven ausmachen lassen und der politisch-gesellschaftliche Hintergrund nur oberflächlich erfolgt, ist der Streifzug alles in allem durchaus kurzweilig und anregend. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
THE MOVIES
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2019
Kamera
Jack Kney
Musik
Nathaniel Blume · Blake Neely
Schnitt
Yaffa Lerea · Inbal B. Lessner
Länge
540 (12 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Studio Hamburg
Verleih Blu-ray
Studio Hamburg
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Eine zwölfteilige Dokumentationsserie über die Geschichte des US-amerikanischen Kinos von der Stummfilmzeit bis ins 21. Jahrhundert.

Diskussion

Hollywood – das ist immer noch Synonym für Glanz und Glamour, für Filme und Stars, für perfekte Unterhaltung und konzentrierte Medienmacht, für eine Traumfabrik, die den Zuschauer in fremde Welten entführt und gleichzeitig von einem unerbittlichen Geschäftsgeist angetrieben wird. Hollywood – das ist nicht so sehr ein Ort, sondern ein Filmstil, der sich durch professionelle Machart, Tempo, Dramatik und unkomplizierte, geradlinige Erzähltechnik auszeichnet. Ein Stil, der auf der ganzen Welt verstanden und geschätzt wird. Nun präsentiert eine Doku-Serie, unter anderem produziert von Tom Hanks, die Geschichte Hollywoods und seines Mythos.

In zwölf Episoden à 45 Minuten sollen die Zuschauer einen umfassenden Überblick über die prägendsten Filmproduktionen Amerikas von der Stummfilmzeit bis in die 2000er-Jahre erhalten. 125 Jahre nationale Filmgeschichte, eingezwängt in neun Stunden – so ein wenig ahnt man, dass das nicht ohne Verlust an Informationen, Analyse und Anspruch geht. Die Faktenlage ist einfach zu unermesslich: Der Online-Katalog des American Film Institute bespricht für die Jahre 1893 bis 1993 immerhin 54.000 Filme mit langen Inhaltsangaben und ausführlichen Hintergrundinformationen, für die Zeit danach noch 9.000 Filme mit ihren Basis-Informationen. Wie will man dieser Masse Herr werden?

Im Sauseschritt durch die „Goldene Ära“

Die Macher dieser Doku-Reihe gehen selbstbewusst mit dieser misslichen Lage um. Sie haben ausgewählt und gestrafft. Neue Perspektiven? Entdeckungen vielleicht? Nein – dafür ist keine Zeit. Stattdessen bewegen sich die Macher auf sicherem Terrain und holen den Zuschauer dort ab, wo er sich – als halbwegs regelmäßiger Kinogänger oder interessierter Fernsehzuschauer – auskennen kann. Der Stummfilm gehört nicht dazu. Gerade einmal zehn Minuten dauern die Erläuterungen zu Griffith, Chaplin und Keaton, die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wird in nur 90 Minuten, „Die Goldenen Jahre“ überschrieben, abgehandelt, ab den 1960er-Jahren ist jedem Jahrzehnt eine Doppelfolge gewidmet. Busby Berkeley, der Gangsterfilm der 1930er-Jahre, die Screwball-Komödie, der Film noir, das Musical der 1950er-Jahre, schnell noch Cinemascope: Weil die Zeit so knapp und die Faktenfülle so reich ist, hastet die Doku im Sauseschritt voran. Ein kurzes Interview mit einem Regisseur oder Schauspieler, ein kurzer Eindruck vom Film, ein weiteres Interview, dann Ausschnitte aus einem Making-of. Manchmal muss eine kurze Abfolge von Postern oder Standfotos reichen, um einige Filme wenigstens namentlich erwähnt zu haben. Dann schnell zum nächsten Film.

„E.T.“ wird von „Poltergeist“ weggefegt

Zusammenhänge entstehen so nicht, und manchmal sitzt man frustriert vor dem Bildschirm: Gerade hat man etwas über die Funktionsweise von John Fords „Cheyenne Autumn“ erfahren – Schnitt, Wechsel zu einer Mel-Brooks-Komödie. „E.T.“ wird von „Poltergeist“ weggefegt – das tut manchmal ganz schön weh. Zwischendurch geben Tim Burton und Robert De Niro, Morgan Freeman und Julianne Moore, Ridley Scott und Steven Spielberg Auskunft über ihre Vorbilder und Lieblingsfilme, um später dann für ihre eigenen Werke einzustehen. Wenn Julia Roberts in einer frühen Folge die schauspielerische Leistung eines Kollegen lobt, dann weiß man, dass ihr spätestens mit „Pretty Woman“, wenn es um die 1990er-Jahre geht, ein eigener Schwerpunkt gewidmet wird.

Die Einbettung der einzelnen Jahrzehnte in ihren politischen und gesellschaftlichen Hintergrund ist nur oberflächlich, gerade bei den 1980er-Jahren hätte man sich auch mehr Verstrebungen zur Popmusik und zur Mode gewünscht. Doch hier stehen die Filme im Vordergrund, und manchmal ist man schon dankbar für Seitenlinien, die die Macher einschlagen. Die 1980er-Jahre waren eben nicht nur „Rambo“ und „Beverly Hills Cop“, sondern auch die Filme von Rob Reiner und John Hughes, von Jim Jarmusch und den Coen-Brüdern. Für die 1990er-Jahre verweist die Dokumentation immerhin auf Richard Linklater, auf Hal Hartley und Allison Anders, auf Kevin Smith und seinen Film „Clerks“.

Wiederbegegnung mit „alten Bekannten“

Zugegeben: Als Berufs-Cineast hat man unter Umständen nicht sehr viel Neues erfahren, einige Lieblingsregisseure – Frank Borzage, Mitchell Leisen oder William Wellman zum Beispiel – vermisst man sogar schmerzlich. Und doch ist die Rückschau immer auch unterhaltsam, weil man „alte Bekannte“ wiedertrifft. Müsste man „Serpico“ nicht noch einmal schauen? Oder vielleicht „Mean Streets“? Andere Zuschauer mögen sich vielleicht verpasste Filme notieren, um ihre DVD-Sammlung zu vergrößern. Und vielleicht liegt hier die eigentliche Bedeutung von „The Movies – Die Geschichte Hollywoods“: Die Doku-Reihe selbst mag knappgehalten sein, doch sie gibt einem jede Menge Stoff für weitere Beschäftigungen mit dem amerikanischen Kino!

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