Dokumentarfilm | Deutschland 2019 | 78 Minuten

Regie: Niclas Reed Middleton

Eine Familie betreibt in Schleswig-Holstein einen traditionellen Bauernhof, den der 20-jährige Sohn gemeinsam mit seinem Bruder in nicht allzu ferner Zeit übernehmen will. Der unkommentierte Dokumentarfilm begleitet den Alltag des Jungbauern über einen längeren Zeitraum und lässt ihn seine Sicht der Dinge erläutern. Seine Aussagen drehen sich jedoch vornehmlich um landwirtschaftliche Belange, sodass die Dokumentation der Figur nicht wirklich nahekommt. Zudem fällt der Film jenseits von ein paar atmosphärischen Stillleben auch visuell wenig originell aus. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2019
Regie
Niclas Reed Middleton · Rainer Heesch · Elmar Szücs
Buch
Rainer Heesch
Kamera
Niclas Reed Middleton
Musik
Henning Fuchs · Lorenz Dangel
Schnitt
Elmar Szücs
Länge
78 Minuten
Kinostart
05.08.2021
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Dokumentarfilm über den Alltag eines Jungbauern in Schleswig-Holstein, der den traditionellen Bauernhof seiner Eltern weiterführen will.

Diskussion

Hinsichtlich seiner Berufswahl hat sich Arne Sierk eigentlich nie den Kopf zerbrochen. Für den 20-Jährigen stand schon immer fest, dass er gemeinsam mit seinem Bruder mal den elterlichen Hof in Schleswig-Holstein übernehmen und damit eine lange Familientradition fortführen würde. Auf seinem T-Shirt steht „Steh auf, wenn du ein Bauer bist“. Wobei allerdings nicht ganz klar ist, ob es sich dabei um einen wie auch immer gearteten Protest-Aufruf oder lediglich eine Klage über das frühe Aufstehen eines Milch-Bauern handeln soll. Vermutlich ist es nur irgendwie witzig gemeint.

Der Dokumentarfilm „Born for Korn“ begleitet den Alltag des Jungbauern durch die Jahreszeiten. Und dieser Alltag nimmt sich nicht eben spektakulär aus. Melken der Kühe am frühen Morgen, Austrieb des Viehs auf die Weide, abends dasselbe in umgekehrter Reihenfolge und anschließend noch ein Schwätzchen mit Vater Jörn und Mutter Gunda am Küchentisch, bei dem es auch vorwiegend um die Belange des Hofes geht. Und natürlich kennen sie all ihre Kühe mit Namen. Die Sierks betreiben konventionelle Landwirtschaft mit der Besonderheit, dass sich die Eltern angesichts der miserablen Milchpreise vor Jahren für eine Direktvermarktung ihrer Erzeugnisse entschieden haben. In der eigenen Meierei stellen sie verschiedene Milchprodukte her, die im Hofladen oder über andere Vertriebswege an die Kunden gebracht werden.

Nachhilfe in Sachen Viehwirtschaft

Wie diese Vertriebswege genau aussehen, bleibt weitgehend im Dunklen, auch wenn man hin und wieder sieht, wie ein mit Joghurtgläsern beladener Lieferwagen den Betrieb verlässt oder Gunda und Jörn auf einer regionalen Landwirtschaftsmesse – Blasmusik inklusive – um Kundschaft werben. Zwischendurch gibt Arne dem Filmteam immer wieder Nachhilfe in Sachen Viehwirtschaft, erklärt auf Nachfrage, dass man am „Aufeutern“ einer Kuh erkennen kann, dass eine Geburt kurz bevorsteht, demonstriert, wie das Besamen mit gekauftem Sperma vonstattengeht oder erläutert, warum er nicht auf Bio-Landwirtschaft umstellen möchte, um schwächelnde Kälber auch weiterhin mit Elektrolyten oder notfalls auch Antibiotika aufpäppeln zu dürfen.

Der Titel des Films ist dahingehend irreführend, da Getreideanbau auf dem Bauernhof der Sierks eine allenfalls untergeordnete Rolle spielt. Zwar sieht man in einer längeren, mit Musik unterlegten Sequenz den Einsatz von Mähdreschern, aber ansonsten dreht sich hier alles ums Milchvieh. Womöglich fanden die Macher den Titel einfach nur irgendwie originell. Wenn Arne nicht im Stall oder auf der Weide unterwegs ist, sitzt er manchmal in seinem Zimmer und spricht über seine Sicht der Dinge. Da ist von finanziellen Risiken die Rede, von der Frage, welche Art Landwirtschaft er betreiben möchte, aber auch davon, wie einvernehmlich sich all diese Dinge mit seinen Eltern regeln ließen. Mal sitzen auch Jörn und Gunda vor der Kamera und erklären ihren Stolz auf das trotz aller Widrigkeiten Geleistete und bringen ihre Zufriedenheit zum Ausdruck, dass ihre Söhne den Betrieb übernehmen wollen.

Keine sonderliche Nähe

Aber auch wenn die Kamera einmal Arne in die Berufsschule begleitet oder ihm mit Kumpels in die Disco folgt, sonderlich nahe kommt der Film seinem sympathischen Hauptprotagonisten nicht. Ähnliches gilt für die Situation der familienbetriebenen Höfe, die sich zunehmend von der Konzentration durch Großkonzerne bedroht sehen. Davon ist zwar hier und da mal die Rede, aber Fakten werden dazu keine geliefert. Bei den Sierks, so scheint es, ist noch alles halbwegs im Lot. Das ist erfreulich, liefert jedoch nicht unbedingt die Grundlage für eine interessante Dokumentation.

Zumal der unkommentierte Film auch sonst unspektakulär ausfällt. Die täglichen Verrichtungen auf dem Hof werden regelmäßig von atmosphärischen Stillleben des Landlebens unterbrochen, aber mehr an origineller Bildsprache und Kameraführung ist da kaum zu entdecken. Und wenn zwischendurch mal zwei Kühe zum Schlachter gefahren werden, wird die Sequenz mit Pianoklängen in Moll unterlegt. Da hat es in den vergangenen Jahren wahrlich eine Vielzahl an sehenswerteren Dokumentarfilmen zum Thema Landwirtschaft gegeben.

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