Drama | Deutschland/Norwegen 2019 | 95 Minuten

Regie: David Wnendt

Eine frustrierte US-Künstlerin reist mit einem Stipendium auf die Lofoten hoch im Norden von Norwegen, wo sie einem schroffen Künstler beistehen soll, aber auch eigene künstlerische Ideen entwickeln möchte. In der Begegnung mit einem jungen Mann, der seinen Vater rituell bestatten will, schöpft sie neuen Lebensmut. Die romantisch grundierte Humoreske fußt auf einen Roman und erzählt teilweise mit Rückblenden von einem menschlichen wie künstlerischen Reifungsprozess. Imposante Landschaftsaufnahmen und eine überzeugende Hauptdarstellerin gleichen die holprige Dramaturgie des Films allerdings nicht aus. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE SUNLIT NIGHT
Produktionsland
Deutschland/Norwegen
Produktionsjahr
2019
Regie
David Wnendt
Buch
Rebecca Dinerstein Knight · David Wnendt
Kamera
Martin Ahlgren
Musik
Enis Rotthoff
Schnitt
Andreas Wodraschke
Darsteller
Jenny Slate (Frances) · Alex Sharp (Yasha) · Fridtjov Såheim (Nils) · Zach Galifianakis (Haldor) · Gillian Anderson (Oljana)
Länge
95 Minuten
Kinostart
23.09.2021
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama | Komödie | Literaturverfilmung

Romantisch grundierte Humoreske um eine frustrierte US-Nachwuchskünstlerin, die auf die Lofoten reist, um für einen einheimischen Künstler zu arbeiten und auf neue Ideen zu kommen.

Diskussion

„The Sunlit Night“ ist der erste englischsprachige Film des deutschen Regisseurs David Wnendt, dem 2011 mit seinem Debütfilm „Kriegerin“, einem dynamischen Porträt einer jungen Neonazi-Anhängerin, der Durchbruch gelang und der mit „Feuchtgebiete“ (2013) und „Er ist wieder da“ (2015) zwei recht erfolgreiche Romanverfilmungen drehte. Sein jüngster Film beruht ebenfalls auf einer literarischen Vorlage: dem gleichnamigen Roman der New Yorker Schriftstellerin Rebecca Dinerstein Knight, die darin eigene Erfahrungen während eines Norwegen-Stipendiums verarbeitete und auch das Drehbuch verfasste.

Die junge Künstlerin Frances aus New York hat beruflich wie privat eine Pechsträhne. Erst fällt sie mit ihren Gemälden bei einem Trio unerbittlicher Kunstkritiker durch, dann macht ihr Freund mit ihr Schluss, schließlich verkündet ihre jüngere Schwester am Abendessenstisch freudestrahlend ihre Verlobung. Und ihre Eltern enthüllen beiläufig, dass sie getrennte Wege gehen. Nichts wie weg aus dem Chaos, sagt sich Frances und nimmt spontan ein Jobangebot an, das sie kurz zuvor noch ausgeschlagen hat. Mit einem Stipendium reist sie nach Norwegen, um einem Künstler bei der Fertigstellung eines Projekts beizustehen. Nebenbei erhofft sie sich von dem Trip neue künstlerische Inspiration.

Eine Scheune hoch im Norden

Allerdings führt die Reise nicht wie erwartet in die attraktive Hauptstadt Oslo, sondern auf die abgelegenen Lofoten. Die Inselgruppe liegt so weit im hohen Norden des Landes, das dort die Sonne niemals untergeht. Vor Ort erweist sich der Künstler Nils als wortkarger Einzelgänger, der Frances in einem abgetakelten Wohnwagen unterbringt und von ihr erwartet, dass sie von morgens sieben bis abends sieben die Innenseiten einer windschiefen Scheune in gelben und roten Farbtönen streicht, während er selbst die Bretter draußen anpinselt. Nils steht unter Zeitdruck, denn das Projekt soll bereits in vier Wochen abgeschlossen sein.

Auf der Autofahrt zu der Scheune kommen die beiden stets an einem Wikingermuseum vorbei, dessen überwiegend ausländische Mitarbeiter unter Leitung des bärbeißigen US-Amerikaners Haldor in altertümlichen Kostümen demonstrieren, wie die Wikinger einst lebten. Außerdem begegnet Frances dem jungen Yasha, der hier am Ende der Welt in einer Scheiterhaufen-Zeremonie seinen verstorbenen russischstämmigen Vater beisetzen will; der Vater hatte sich das testamentarisch so gewünscht, obwohl er nie auf den Lofoten war. Während Nils sich nach einiger Zeit Frances gegenüber etwas freundlicher verhält, stellt sich heraus, dass Yasha ebenfalls aus New York stammt.

Schräge Typen, viele Schrullen

Die Protagonistin führt als Off-Erzählerin durch den warmherzigen Film und bereichert mit lakonischen Kommentaren die episodenhafte Erzählung, die mit einer Vielzahl schräger Figuren und allerlei Schrullen aufwartet. Kurze eingeschobene Rückblenden visualisieren oft humoristisch die Einlassungen der Erzählerin.

Für die Rolle von Frances wurde die US-Stand-up-Komödiantin Jenny Slate besetzt, die mit ihrer charmanten Natürlichkeit die verspielte Kunstfigur immer wieder erdet. Die Rolle des smarten Yasha übernahm Alex Sharp, während Nils von Fridtjov Såheim verkörpert wird. Doch auch wenn Slate und Sharp sich redlich Mühe geben, will kein erotischer Funke zwischen den beiden Darstellern überspringen. In den Nebenrollen sind zwei US-Stars zu sehen: Zach Galifianakis gibt mit schöner Selbstironie einen US-Amerikaner, der sich nur zu gerne als Wikinger-Häuptling Haldor betätigt. Und Gillian Anderson hat einen Kurzauftritt als Yashas eigenwillige Mutter Oljana. Die beiden Figuren sind jedoch zu wenig ausgearbeitet und ihre Leinwandzeit zu kurz, um Eindruck zu hinterlassen.

Wenn die Außenseiter-Humoreske gelegentlich etwas unrund und holprig wirkt, dann liegt das vor allem daran, dass die deutsche Verleihfassung gegenüber der 2019 in Sundance gezeigten Premierenfassung um 18 Minuten kürzer ist. Die erste Filmhälfte, die vom spannungsreichen Beziehungsgeflecht zwischen Nils und Frances geprägt ist, erscheint deutlich akzentuierter. Die poetisch angehauchte Studie eines menschlichen wie auch künstlerischen Reifeprozesses punktet durch die imposanten Aufnahmen des Kameramanns Martin Ahlgren von wolkenverhangenen Küstenregionen, die dem Film passend zum geruhsamen Erzähltempo eine getragene Atmosphäre verleihen.

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