Heist-Movie | USA 2021 | 118 Minuten

Regie: Doug Liman

Eine Werbemanagerin und ihr Lebensgefährte, der gelegentlich als Paketbote arbeitet, müssen sich während der ersten Corona-Welle in London mit den Folgen des Lockdowns herumschlagen. Das führt immer häufiger zu Streitereien und Missverständnissen. Doch als sich ihnen die Gelegenheit bietet, im fast leeren Luxuskaufhaus Harrods einen Diamanten zu stehlen, schweißt sie die Planung des Coups neu zusammen. Eine wortreich ausgetragene Beziehungskomödie mit melancholischen Untertönen, die mit ihren bravourösen Darstellern die Folgen des Lockdowns für die Paar-Dynamik erkundet, um im letzten Drittel ins Fahrwasser eines leichtgewichtigen Heist-Movies zu münden. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
LOCKED DOWN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Doug Liman
Buch
Steven Knight
Kamera
Remi Adefarasin
Musik
John Powell
Schnitt
Saar Klein
Darsteller
Anne Hathaway (Linda) · Chiwetel Ejiofor (Paxton) · Dulé Hill (David) · Jazmyn Simon (Maria) · Katie Leung (Natasha)
Länge
118 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Heist-Movie | Liebesfilm | Tragikomödie

Beziehungskomödie mit Anne Hathaway und Chiwetel Ejiofor, die als Londoner Paar kurz vor der Trennung stehen, wegen des Corona-Lockdowns aber an die gemeinsame Wohnung gefesselt sind – und durch einen riskanten Plan neu zusammenfinden.

Diskussion

Der Titel deutet es bereits an: Doug Liman und sein Autor Steven Knight haben für ihren neuen Film die Einschränkungen während der Corona-Pandemie zum Thema erkoren, und zwar als Hintergrund für eine Beziehungskomödie – mit all den Folgen, die Millionen von Menschen in den letzten anderthalb Jahren selbst erfahren haben: Ausgangssperre, geschlossene Geschäfte, leere Straßen, Home-Office, Video-Konferenzen, Langeweile, Depressionen. Vielleicht bringt so ein Lockdown aber auch neue Gelegenheiten hervor, etwa für die Wiederannäherung von Mann und Frau – oder für die Überlegung, ob sich Verbrechen nicht doch lohnt.

Der Bildschirm bleibt leer

Auch in London steht das Leben bereits seit Wochen still. Die Werbemanagerin Linda (Anne Hathaway) sitzt im Homeoffice und konferiert per Zoom mit Kollegen und Vorgesetzten. Ihr Lebensgefährte Paxton (Chiwetel Ejiofor) darf nach einer Vorstrafe nur noch gelegentlich als Paketbote arbeiten. Auch er verbringt seine (Frei-)Zeit am Laptop. So kommt es, dass man zunächst dabei zusieht, wie sich mehrere Köpfe, verteilt auf den Bildschirm, miteinander unterhalten. Einmal entlässt Linda per Videokonferenz gleich fünf Mitarbeiter, die nach und nach die Zoom-Funktion ausschalten – bis der Bildschirm leer bleibt.

Linda und Paxton haben sich entfremdet. Gut möglich, dass sie sich bald trennen. Doch das Covid-Virus hält sie gemeinsam im Haus gefangen. Eines Abends berichtet Paxton, dass er in einigen Tagen einen Diamanten im Wert von drei Millionen Pfund aus dem Luxuskaufhaus Harrods abholen und nach New York verschicken soll. Linda hat vor Corona bei Harrods gearbeitet. Sie kennt die Sicherheitsvorkehrungen. Sie weiß, dass es zur Ablenkung noch einen zweiten, falschen Diamanten im Gebäude gibt. Wie wäre es, wenn man beide gegeneinander austauschte und mit dem echten verschwände?

Die Pandemie als Steilvorlage

Man kann die Spontaneität und Entschlossenheit von Liman und Knight nur bewundern. Während des ersten Lockdown 2020 entwickelten sie die Idee und arbeiteten am Drehbuch. Dann hatten sie das Glück, bei Harrods drehen zu dürfen, weil das Kaufhaus geschlossen war. Das Budget war klein, die Dreharbeiten dauerten nicht einmal drei Wochen. Ein Großteil des Films spielt im Haus des Paares, sie hocken aufeinander, sie gehen sich auf die Nerven, und doch wird in ihren fieberhaften Streitereien und messerscharfen Wortduellen, die Anne Hathaway und Chiwetel Ejiofor in einer bravourösen, energiegeladenen Darstellung oftmals improvisieren, immer wieder auch eine Nähe und Intimität spürbar: Die Gefühle füreinander ruhen nur während der Pandemie.

Musste man zu Beginn wegen der vielen Zoom-Telefonate noch fürchten, sich in einem Desktop-Film zu befinden, verlässt der Film nun immer öfter das Haus, für Einkäufe im Supermarkt oder Gänge zur Firma von Paxton, der manchmal nachts einfach auch auf die Straße geht, um der Nachbarschaft Gedichte von T.S. Eliot vorzutragen.

Mit der Planung des Diamantendiebstahls hat das Paar wieder ein gemeinsames Ziel: Verbrechen schweißt zusammen! Beiden ist ihre kriminelle Energie aber nicht ganz geheuer. Zu den schönen Ideen des Films zählt, dass sie sich erst am Schluss, im allerletzten Moment, entscheiden wollen, ob sie den Diamanten wirklich entwenden.

Ein letzter Dreh

Ein richtiges Heist-Movie ist „Locked Down“ deshalb nicht geworden. Einen kleinen Diamanten gegen einen anderen auszutauschen – das macht filmisch nicht viel her, zumal die Krimihandlung nicht so recht zu den ersten 80 Minuten des Films passen will. Hier geht es um etwas anderes: um die Wiederannäherung eines Paares. Und so erinnert „Locked Down“ letztlich vor allem an die „Remarriage“-Komödien der 1940er-Jahre: Sie streiten sich, aber letztlich lieben sie sich noch immer.

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