Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft

Familienfilm | Deutschland/Italien/Österreich 2020 | 98 Minuten

Regie: Granz Henman

Im dritten Teil der Kinderfilmreihe werden die Freunde eines inzwischen zum Teenager gereiften Schülers auf Miniaturgröße geschrumpft. Der Junge hat sich in das neue Mädchen in seiner Klasse verliebt, das allerdings ein falsches Spiel spielt und ihn in emotionale Turbulenzen stürzt, in denen er immer mehr Fehler macht. In dem als Coming-of-Age-Komödie angelegten Kinderspaß aus Comedy, Fantasy, Abenteuer und Spukhausstory geht es ums erste Verliebtsein, Freundschaft und Vertrauen. Allerdings braucht der Film lange, bis er in die Gänge kommt, punktet dann aber zumindest mit Action und einigen originellen Tricks. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Italien/Österreich
Produktionsjahr
2020
Regie
Granz Henman
Buch
Gerrit Hermans
Kamera
Marcus Kanter
Musik
Anne-Kathrin Dern
Schnitt
Ingo Recker
Darsteller
Oskar Keymer (Felix Vorndran) · Lina Hüesker (Ella Borsig) · Anja Kling (Frau Dr. Schmitt-Gössenwein) · Axel Stein (Peter Vorndran) · Andrea Sawatzki (Hulda Stechbarth)
Länge
98 Minuten
Kinostart
02.09.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 10.
Genre
Familienfilm | Fantasy | Komödie

Im dritten Teil der Kinderfilm-Fantasy-Reihe geht es ums erste Verliebtsein, Eifersucht und Freundschaft, dumme Fehler und die Kraft der Fantasie.

Diskussion

Hollywood hat es immer wieder vorgemacht, welche Faszination Geschichten über geschrumpfte Menschen ausüben können. Beispiele dafür sind so unterschiedliche Filme wie der Science-Fiction-Film „Die Reise ins Ich“ (1987), die Komödie „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989) oder die Satire „Downsizing“ (2017) von Alexander Payne.

Da es die digitale Tricktechnik inzwischen ermöglicht, den Größenunterschied mit überschaubaren Budgets auf die Leinwand zu zaubern, haben auch Filmemacher jenseits von Hollywood dieses Subgenre des Fantasyfilms für sich entdeckt. Bestes Beispiel dafür ist die Trilogie, die mit Sven Unterwaldts „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ (2015) ihren Anfang nahm, zwei Jahre später mit Tim Tragesers „Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft“ ihre Fortsetzung fand und nun bei „Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft“ gelandet ist.

Hulda schmiedet einen finsteren Plan

Regisseur Granz Henman tut gut daran, an der erfolgreichen Mixtur aus Comedy, Fantasy, Actionabenteuer und Spukhausstory wenig bis nichts zu ändern. Deshalb steht die Schüler-Gang des Otto-Leonhard-Gymnasiums um den mit magischen Fähigkeiten ausgestatteten Felix (Oskar Keymer) erneut im Vordergrund, und einmal mehr darf der sympathische Schulgeist (Otto Waalkes) das Geschehen von Gemälden, Bronze-Torsos oder aus Nebelschwaden heraus beobachten und gelegentlich beeinflussen. Und auch die ehemalige Direktorin Hulda Stechbarth (Andrea Sawatzki) versucht auf fies-intrigante Weise ein weiteres Mal, an die Zauberformeln heranzukommen. Dazu gesellt sich – dem fortgeschrittenen Alter der Hauptdarsteller geschuldet – eine Liebesgeschichte zwischen Felix und der neuen Schülerin Melanie (Lorna zu Solms).

Bei der Klassenfahrt sorgt Melanie ordentlich für Turbulenzen. Felix, blind vor Liebe und von seinen Gefühlen übermannt, merkt nicht, dass Melanie ein falsches Spiel spielt und mit der teuflischen Hulda unter einer Decke steckt. So kommt es, dass Felix seine magischen Fähigkeiten missbraucht und um eines ungestörten Dates mit Melanie willen seine Freunde auf Zigarettenschachtelgröße schrumpft und dadurch in große Gefahr bringt.

Es dauert allerdings reichlich lange, bis die Story in Gang kommt. Fast eine Dreiviertelstunde hält sich die Inszenierung mit dem Etablieren der Charaktere auf, wobei die Handlung mit ermüdenden Dialogen nahezu zum Erliegen kommt. Andrea Sawatzki muss in ihrem Rollstuhl wild chargieren, Anja Kling als treudoofe Direktorin hinter einer überdimensionalen Hornbrille mit den Augen rollen und Axel Stein als Felix’ tölpelhafter Vater in ein Fettnäpfchen nach dem anderen treten.

Socken als Schlafsäcke

Wirklich komisch ist das nur selten, und weil auch die Dreiecksgeschichte um Melanie, Felix und seine beste Freundin Ella (Lina Hüesker) nur angedeutet bleibt, sind es vor allem die Action und ein paar originelle Tricks, die den Film in der zweiten Hälfte interessant machen. Für die geschrumpften Teenager werden mit einem Mal Zahnstocher zu riesigen Lanzen, und Socken eignen sich als Schlafsäcke, während sich rasant drehende Beyblades (moderne Kreisel) in der zum Gefängnis umfunktionierten Schuhschachtel eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Highlight ist der Husarenritt auf einem an einem Auto angedockten Skateboard, bei dem die jungen Helden ordentlich durchgeschüttelt werden.

Von diesen Action- und Fantasy-Elementen hätte man sich mehr gewünscht. Der dritte Teil der Schrumpf-Trilogie ist mehr Liebesdrama als Spuk-Abenteuer, mehr Coming-of-Age-Komödie als magische Mystery und mehr Problem-Diskutier-Marathon als kurzweiliges Entertainment.

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