Dokumentarfilm | Norwegen/Deutschland 2021 | 108 Minuten

Regie: Thomas Robsahm

Dokumentarfilm über das norwegische Pop-Trio a-ha, dem 1985 mit „Take on Me“ der Durchbruch gelang und das zehn Studioalben und mehrere Trennungen später immer noch erfolgreich tourt. Mit Interviews, Archivmaterial und verspielten Animationen wird die Bandgeschichte chronologisch und manchmal etwas arg ausführlich rekonstruiert. Der Detailreichtum des Films gewährt aber auch interessante Einblicke in die Musikindustrie, den künstlerischen Schöpfungsprozess und einen von Kompromissen geprägten Bandalltag. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
AHA - THE MOVIE
Produktionsland
Norwegen/Deutschland
Produktionsjahr
2021
Regie
Thomas Robsahm · Aslaug Holm
Buch
Thomas Robsahm
Kamera
Aslaug Holm
Schnitt
Hilde Bjørnstad
Länge
108 Minuten
Kinostart
14.09.2021
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm | Musikdokumentation

Dokumentarfilm über das norwegische Pop-Trio a-ha, dem 1985 mit „Take on Me“ der Durchbruch gelang.

Diskussion

Mit seinen zarten, ebenmäßigen Gesichtszügen und dem glockenhellen Gesang wirkte Morten Harket in den 1980er-Jahren wie aus einer anderen Welt. Mittlerweile ist er zwar schon über 60, doch sein gutes Aussehen und seine Stimme scheint er konserviert zu haben. Wenn er in „a-ha - The Movie“ Autogramme gibt und charmant mit seinen Fans witzelt, tut er das mit der Leichtigkeit eines Profis. Hinter dem einnehmenden Lächeln glaubt man aber auch eine gewisse Anstrengung zu erkennen. In einem schwachen Moment meint Harket gar, es mache ihn müde, die immergleichen Songs zu spielen. Die Rückbank seiner Limousine scheint sein einziger Rückzugsort zu sein. Wie ein Kokon, in dem er neue Kraft tanken kann.

Talent, Glück, harte Arbeit

Das Dasein eines Popstars hat in den Dokumentarfilm von Thomas Robsahm und Aslaug Holm nicht nur mit Talent und Glück zu tun, sondern auch mit viel harter Arbeit. Mit reichlich Archivmaterial rekonstruiert das Regie-Duo die Karriere des norwegischen Trios a-ha, das sich mit seinem Debütalbum „Hunting High and Low“ (1985) noch dem damaligen New-Wave-Sound verschrieb und später mehr auf Popsongs mit sanftem Pathos und teils opulenten Arrangements spezialisierte. Große Hallen füllen a-ha auch heute noch.

Der Film wirkt wie ein Geschenk an die Fans. Ausgewogen verteilt sich die Aufmerksamkeit auf den sonst überwiegend im Rampenlicht stehenden Harket, Songwriter und Gitarrist Pål Waaktaar sowie Keyboarder Magne Furuholmen. Kaum etwas lenkt von den drei Protagonisten ab, die chronologisch ihre zehn Studioalben sowie die dazugehörigen Höhepunkte und Krisen Revue passieren lassen.

Während man das Trio immer wieder in der Gegenwart erzählen sieht, werden zu den kurzen Statements von Weggefährten und Freundinnen alte Fotos eingeblendet. Auch wenn die Geradlinigkeit und Ausführlichkeit, mit der die Bandgeschichte abgearbeitet wird, mitunter etwas lähmend wirkt, gewährt der Film durch seine unbeirrbare Ruhe spannende Einblicke in die Musikindustrie und zeigt anschaulich, wie oft Träume und Ambitionen zu Kompromissen gerinnen.

Einmal London und zurück

Passenderweise beginnt „a-ha: The Movie“ mit einer von mehreren Enttäuschungen. Das Trio fährt nach London, um den großen Durchbruch zu erleben, kehrt aber wenig später resigniert wieder nach Oslo zurück. Erinnerungen wie diese werden durch alte Fotos ergänzt, durch die digital eingefügte Staubkörner schweben, sowie durch verspielte Animationen im Stil von Steven Barrons populärem Video zu „Take on Me“.

Anhand von „Take on Me“ zeichnet der Film auch die langwierige Evolution von a-has größtem Hit nach. Während sich der Ohrwurm-Riff mit allerlei Ausschmückungen bereits in einem frühen Rocksong fand, wird er durch verschiedene Versionen immer synthetischer und pointierter und bekommt vom englischen Produzenten Alan Tarney schließlich den entscheidenden Schliff. Der Erfolg eines Songs, so lernt man, ist nicht selten das Resultat ständiger Überarbeitung und mühsamen Teamworks.

Zwischen Selbst- und Fremdbild

Die Popkarriere im Filmen gleicht einem endlosen Kampf. Mal sind es Unstimmigkeiten über die richtige Textzeile, mal Auseinandersetzungen mit Komponist John Barry bei dem James-Bond-Song „The Living Daylights“ oder zu wenig Widerstand gegen alberne Fotoshootings, die von den Bandmitgliedern heute unter anderem als Grund gesehen werden, dass man sie lange als Teenie-Band belächelte. Immer wieder geht es um das Gefälle zwischen Selbst- und Fremdbild, zwischen persönlichen Idealen und der ernüchternden Wirklichkeit.

Alle Bandmitglieder mussten über die Jahre hinweg mit ihren eigenen Dämonen ringen. Harket war dem Starkult am stärksten ausgeliefert, wurde von seinen Kollegen aber als Songwriter nie wirklich ernstgenommen. Furuholmen lieferte zwar häufig die erfolgsbestimmenden Riffs, bekam dafür aber nur selten Anerkennung. Beide fühlen sich regelmäßig vom künstlerisch ambitionierten, ungleich dominanteren Waaktaar wie Angestellte behandelt. Jeder von ihnen hat schon mal hingeschmissen und sich seiner Solokarriere gewidmet. Aber am Ende stand das Trio dann doch wieder gemeinsam auf der Bühne.

Nicht nur wegen der kräftezehrenden Reibungen zwischen den Bandmitgliedern wirkt es in „a-ha: The Movie“ so, als müsse eine Karriere im Pop automatisch eine Leidensgeschichte sein. Im Rückblick sehen die Musiker nur das Scheitern, nicht den Triumph. Einmal meinen die Musiker, die sich im neuen Jahrtausend schon mehrmals trennten und wieder vereinten, dass sie ihr bestes Album vielleicht noch gar nicht aufgenommen haben. Der unermüdliche Antrieb weiterzumachen scheint dem Wunsch geschuldet zu sein, endlich einmal mit etwas zufrieden zu sein.

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