Comicverfilmung | USA 2021 | Minuten

Regie: Louise Friedberg

Aus unbekanntem Grund sterben plötzlich alle Männer rund um den Globus. Die Staaten drohen daraufhin im Chaos zu versinken. Zupackende Frauen wie eine US-Politikerin, die als Präsidentin das Ruder in ihrem Land in die Hand nimmt, wollen das verhindern. Da ausgerechnet ihr Sohn als einziger Mann die Katastrophe überlebte, kommt auch ihm eine Schlüsselrolle beim Neuanfang der Menschheit zu. Die Science-Fiction-Serie nach einer Comic-Reihe verhandelt zwischen Dystopie und Politthriller unterschwellig gesellschaftlich relevante Themen, die allerdings weniger mit Genderfragen zu tun haben als vielmehr grundlegende Werte wie Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt betonen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Y: THE LAST MAN
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Louise Friedberg · Destiny Ekaragha · Daisy Von Scherler Mayer · Mairzee Almas · Cheryl Dunye
Buch
Eliza Clark · Donnetta Lavinia Grays · Michael Green · Olivia Purnell
Kamera
Catherine Lutes · Kira Kelly · Claudine Sauvé
Musik
Herdís Stefánsdóttir
Schnitt
Amy M. Fleming · Melissa Lawson Cheung · Louise Innes · Pete Beaudreau
Darsteller
Diane Lane (Präsidentin Jennifer Brown) · Ben Schnetzer (Yorick Brown) · Olivia Thirlby (Hero Brown) · Ashley Romans (Agent 355) · Amber Tamblyn (Kimberly Cunningham)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Comicverfilmung | Endzeit-Film | Science-Fiction | Serie

Science-Fiction-Serie um eine Welt, in der mit einer Ausnahme sämtliche Männer urplötzlich sterben und die Frauen versuchen, einen Weg aus dem Chaos zu finden.

Diskussion

In einer Welt ohne Männer herrscht zunächst einmal Chaos. Das kann man als Argument sowohl für als auch gegen die Herren der Schöpfung verstehen. Autos und Taxis ohne Fahrer verstopfen weltweit die Großstädte, Flugzeuge stürzen über Hochhäusern und auf Feldern ab; LKWs mit Nahrungsmitteln erreichen die Supermärkte nicht mehr.

Bei den Vorbereitungen zur Serie „Y: The Last Man“ stellte Showrunnerin Eliza Clark erschrocken fest, dass ein Großteil der (nordamerikanischen) Industrie immer noch in männlichen Händen liegt. Männer sorgen für das Fortlaufen der Wirtschaft, ohne dass Frauen gleichberechtigt einbezogen werden. Wenn also in diesem Science-Fiction-Szenario alle Lebewesen mit Y-Chromosomen plötzlich unter mysteriösen Umständen sterben, kommt es zunächst um Stillstand, dann zu Unfällen und schließlich zu Plünderungen.

Dass die Welt des 21. Jahrhunderts, insbesondere in den Vereinigten Staaten, wo die Serie hauptsächlich spielt, doch nicht komplett in einen anarchistischen Zustand verfällt, beweist die Kongressabgeordnete Jennifer Brown (Diane Lane), die schnell das Ruder übernimmt, als der Präsident sowie sein männlicher Ministerstab tot umfallen. Brown stellt innerhalb weniger Stunden ein eigenes Krisenkabinett zusammen, das für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur sorgt. Kranke werden versorgt; Essen, Trinken und Strom so weit wie möglich fair verteilt.

Nur der verpeilte Präsidentensohn ist übrig

Ein einziger Mann hat die Apokalypse überlebt – oder genauer gesagt – mit Kopfhörern auf den Ohren verschlafen. Yorick (Ben Schnetzer) ist zufällig der Sohn der neuen Präsidentin Brown. Kurz vor dem Chaos lernt man ihn als planlosen Entfesselungskünstler in New York kennen. Seine Schwester Hero (Olivia Thirlby) hält nicht viel von ihm, und auch seine Freundin Beth (Juliana Canfield) ist nicht ganz von einer gemeinsamen Zukunft mit Yorick überzeugt. Sie verlässt ihn, nachdem er ihr einen Heiratsantrag gemacht hat, ohne ihre Pläne und Wünsche zu berücksichtigen.

Dass ausgerechnet so ein Typ die Rettung der Zukunft sein soll, ist eine bittere Ironie der Geschichte; der Strom zur Kühlung eingefrorener Spermien droht anderweitig gebraucht zu werden. Auch Yorick traut seiner Mutter viel zu: „Du rettest die Welt. Ich bin nur ein Kerl.“

Die DNA von Yorick soll von einer Wissenschaftlerin entschlüsselt werden, um so das Aussterben der männlichen Spezies zu erklären und eine alternative Fortpflanzung zu ermöglichen. Eine Agentin mit der Nummer 355 (Ashley Romans) hilft und beschützt den jungen Mann, denn weibliche Milizen sind unterwegs und Verschwörungstheorien zirkulieren innerhalb der Weltbevölkerung.

Die Serie, die auf einer Comic-Reihe basiert, entwirft sehr akribisch eine männerlose Dystopie. Die zerstörten und vermüllten Straßen werden von Gangs und Militärs umkämpft, Büros zu Kindergärten umfunktioniert; Politikerinnen wie Jennifer Brown versuchen Ordnung ins Chaos zu bringen. Die Schauspielerin Diane Lane wirkt wie eine sympathischere Variante von Hillary Clinton. Ihr Handeln und ihr Auftreten sind eine gekonnte Balance zwischen Resolutheit und Empathie. Einmal versucht sie eine Technikerin, die um ihre zwei verstorbenen Söhne trauert, dazu zu motivieren, das Stromnetz zu aktivieren: „Wir brauchen jetzt keine Politiker. Wir brauchen www.gioogMenschen wie sie, die arbeiten!“

Kein Politbetrieb ohne Intrigen

Auch ein rein weiblicher Politikbetrieb funktioniert nicht ohne Intrigen. Kimberly Cunningham (Amber Tamblyn), die Tochter des verstorbenen Präsidenten, sieht sich als legitime Nachfolgerin. Vor dem Massensterben sagt sie einmal: „Wir lehren die Jungs, ihre Instinkte zu bekämpfen.“ Diese in der Zivilisation verlernten Instinkte kommen im Angesicht der Katastrophe wieder zum Vorschein, wenn sich Kimberly Cunningham mit konservativen Politikerinnen gegen Browns Team zusammenschließt.

Teilweise wirkt das Ganze wie ein weibliches Pendant zu House of Cards. Die dunklen Bilder der Serie evozieren allerdings eher Weltuntergangsbilder wie in The Road oder I am Legend. Es sind leere, rauchende und schmutzige Städte, in denen weibliche Ratten herumjagen und männliche verrotten. In den ersten Folgen geht es weniger um Genderfragen, die eher unterschwellig miterzählt werden, als vielmehr darum, wie die Hälfte der Menschheit es schafft, ein weltumspannendes System am Laufen zu halten. Dass Kontrahentinnen wie Brown und Cunningham zusammenarbeiten müssen, schwant ihnen, als sie vor einer Wand mit Gedenkfotos der verstorbenen Männer stehen. Eine Welt ohne Mitmenschlichkeit würde dauerhaft im Chaos versinken.

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