Action | USA 2021 | 530 (10 Folgen) Minuten

Regie: Alex Garcia Lopez

In einer fernen Zukunft bestreiten ein Mafia-Aussteiger und ein Ex-Polizist als ungleiches Duo mit interplanetarer Kopfgeldjagd ihr Auskommen, wobei es öfters zu Reibereien mit einer Meisterdiebin kommt. Alle drei müssen zusammenarbeiten, als ein anderer die Macht im kriminellen Untergrund brutal an sich zu ziehen beginnt. Die Neuverfilmung der gleichnamigen Anime-Serie punktet als Realverfilmung durch ein schwelgerisches visuelles Universum und eine höchst gelungene optische Umsetzung. Der Plot und die Figuren bleiben jedoch hinter dem Original zurück und wirken streckenweise recht platt. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
COWBOY BEBOP
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Alex Garcia Lopez · Michael Katleman
Buch
Christopher L. Yost · Alexandra E. Hartman · Sean Cummings · Karl Taro Greenfeld · Javier Grillo-Marxuach
Kamera
Thomas Burstyn · Dave Perkal · Jean-Philippe Gossart
Musik
Yôko Kanno
Darsteller
John Cho (Spike Spiegel) · Daniella Pineda (Faye Valentine) · Mustafa Shakir (Jet Black) · Alex Hassell (Vicious) · Elena Satine (Julia)
Länge
530 (10 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 18.
Genre
Action | Comicverfilmung | Gangsterfilm | Krimi | Serie

Serienadaption des gleichnamigen Anime um eine Gruppe Weltraum-Kopfgeldjäger, die sich risikofreudig quer durch die Galaxis manövrieren.

Diskussion

Dank des US-Kautionssystems können Kopfgeldjäger seit 150 Jahren gegen Belohnung legal nach Menschen fahnden, die nach einem Freigang nicht zum vereinbarten Gerichtstermin erschienen sind. Doch anstatt diese menschenfeindliche Praktik, bei der man Menschen jagen und gewaltsam entführen kann, moralisch in Frage zu stellen, ha die Unterhaltungsindustrie sie auf ein popkulturelles Podest gehievt. Knorrige Antihelden wie Clint Eastwood in „Für ein paar Dollar mehr“ oder Boba Fett aus dem „Star Wars“-Universum schlagen durch ihre Coolness in Bann und sind feste Größen im Genrekino. Auch Shinichiro Watanabe bediente sich 1998 für sein Regiedebüt, die Anime-Serie „Cowboy Bebop“, der Coolness von Kopfgeldjägern. 23 Jahre später wurde dieser Stoff nun mit Realschauspielern für den internationalen Streamingmarkt adaptiert – mit Höhen und Tiefen.

See you, Space Cowboy

In einer fernen Zukunft verdienen sich der Mafia-Aussteiger Spike Spiegel (John Cho) und der Ex-Polizist Jet Black (Mustafa Shakir) als Duo wider Willen mit der interplanetaren Kopfgeldjagd ihren Lebensunterhalt. Die Konkurrenz ist hart, weshalb es häufiger zu Reibereien mit der Diebin Faye Valentine (Daniella Pineda) kommt. Auch wird Spike von seiner Vergangenheit eingeholt, da sein ehemaliger Partner Vicious (Alex Hassell) eine Machtverschiebung im kriminellen Untergrund anstrebt und Spikes Ex-Geliebte Julia (Elena Satine) da mithineinzieht.

Das Anime-Original von Watanabe vereinigte als retrofuturistische Space-Opera um drei unfreiwillig kooperierende Kopfgeldjäger stilistische Elemente aus Western, Samurai-Film und Neo Noir, gepaart mit infantil-süffisantem Humor und melancholischen Einsprengseln. Mit diesem wilden, 26 Episoden umfassenden Genre-Potpourri schuf Watanabe eine Serie, die bis heute zu den kultigsten Anime-Produktionen aller Zeiten gehört.

Für die Neuverfilmung wurden die Tomorrow Studios beauftragt, die den Serienschöpfer Watanabe als Berater hinzuzogen. Schon von der ersten Minute an wird die Marschroute der Live-Action-Serie abgesteckt. Visuell setzen die Regisseure Alex Garcia Lopez und Michael Katleman auf einen beeindruckenden Comic-Look, der an Filme wie „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ oder „Sin City“ erinnert, inklusive exzessiver Gewaltdarstellung.

Visuelle Opulenz

Ungewöhnliche Kameraperspektiven, grelle Farbkontraste und ein griffiges Setdesign kreieren eine dystopisch-dreckige Zukunft, in der selbst Standbilder wie Kunstwerke zelebriert werden. Ob Mondstädte mit mexikanischem Flair, schwebende Weltraum-Casinos oder das heruntergewirtschaftete Raumschiff „Bebop“: Jede Einstellung schreit förmlich danach, ausgiebig erkundet zu werden, und insgeheim ärgert man sich bisweilen, dass die Kamera nicht noch weiter ausgreift. Die Musik der Komponistin Yoko Kanno verstärkt mit ihrer jazzigen Untermalung die Bildwirkung immens. Auch die visuellen Effekte, mit denen Hyperraumflüge und Raumschiffgefechte verbildlicht werden, wirken so dynamisch wie wertig.

Was die Figuren und ihre Geschichten angeht, bewegt sich „Cowboy Bebop“ dagegen in sehr seichten Gewässern. Die Streitereien zwischen Spike, Jet und Faye machen Spaß und verströmen mit dem Coach-Setting auf der „Bebop“ einen Hauch Sitcom-Flair. John Cho sticht als Spike heraus; seine cool-desinteressierte Art, gepaart mit den knallharten Kampffähigkeiten, wirkt absolut überzeugend. Persönliche Motivationen wie Rückschläge werden jedoch allzu platt eingeflochten; eine wirkliche Empathie für das Zweckbündnis will sich nicht einstellen. Insbesondere Jet kommt schlecht weg, da seine angedichtete Vater-Tochter-Beziehung und die daraus erwachsenden Probleme aufgesetzt wirken. Auch Fayes Hintergrund wurde gegenüber der Vorlage minimiert; ihre Amnesie und der Drang, mehr über ihr früheres Leben zu erfahren, werden nur in wenigen Episoden angespielt.

Das größte Manko liegt allerdings bei dem Hauptantagonisten Vicious. Der Auftragskiller entwickelt keine bedrohliche Aura, wofür unter anderem die Fehltritte in seiner Syndikats-Vita verantwortlich sind. Alex Hassell verfällt zudem zu oft ins Overacting; Vicious‘ sadistische Herrscherambitionen und die prägnante Vergangenheit mit Spike gehen unter seinen Gesichtsentgleisungen und gefletschten Zähnen zu oft unter.

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