Serie | Deutschland 2021 | (6 Folgen) Minuten

Regie: Hermine Huntgeburth

Ein Berliner Dartprofi, der beruflich und privat auf dem absteigenden Ast ist, versucht seine Midlife-Crisis zu überwinden, als Spieler wieder in Form zu kommen und seine Frau zurückzugewinnen. Trotz eines großartigen Darstellers in der liebenswert-prolligen Hauptrolle und eines liebevoll umgesetzten Retro-Designs bleiben der Humor der Serie sowie die Figurenzeichnung etwas flach. Das Narrativ des von Krisen geschüttelten Manns, der es vom Leben noch einmal wissen will, wirkt in Form einer etwas braven Läuterungsgeschichte arg zahnlos. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2021
Regie
Hermine Huntgeburth
Buch
Jan Berger
Kamera
Sebastian Edschmid
Schnitt
Janina Gerkens
Darsteller
Florian Lukas (Eddie Frotzke) · Ulrich Noethen (Nobbe Zosch) · Lisa Wagner (Manu Frotzke) · Leonard Scheicher (Kevin Kniepen) · Sahin Eryilmaz (Mucki)
Länge
(6 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Serie | Sitcom

Comedy-Serie um einen Berliner Dartprofi, der beruflich und privat auf dem absteigenden Ast ist und versucht, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Diskussion

Dartspielen ist ein Sport, der Ruhe und Präzision erfordert. Beides ist Eddie (Florian Lukas) abhandengekommen. Der ehemalige Dartmeister von 1997 und 1999 – früher genannt „die Wespe“ – ist in der Gegenwart nicht mehr ganz in Topform. Zwar trainiert er zuhause in seiner Garage, aber hauptsächlich spielt er nur noch in ranzigen Kneipen. Selbst sein Ziehsohn Kevin (Leonard Scheicher) hat ihn mittlerweile in der deutschen Rangliste überholt. Der ausbleibende Erfolg macht Eddie unzufrieden und unruhig. Seine Frau Manu (Lisa Wagner) wiederum reagiert genervt, wenn er wieder mal nach einer durchspielten und durchzechten Nacht mit Kater am Frühstückstisch auftaucht („Aspirin ist alle!“).

Trotzdem wagt es Eddie, zusammen mit Kevin an einem Turnier teilzunehmen. Also machen sich Vater, Mutter und Sohn auf dem Weg in die Provinz. Die Pressekonferenz findet auf Camping-Stühlen an der Autobahnausfahrt statt. Unglücklicherweise hat der hippe junge Interviewer noch nie von Eddie gehört („Da war ich noch gar nicht auf der Welt.“). Kevins Ziel, seinen Vater aufzumuntern, geht nach hinten los. Aus lauter Wut vergisst Eddie seine Frau an der Autobahn – ein Fauxpas in der ohnehin schon bröckelnden Beziehung. Eddie muss den Weg zum Motel allein gehen, ein extra Zimmer mieten und Reue zeigen, die Manu ihm nicht abnimmt. Bei dem Wettkampf flirtet sie recht offensichtlich mit einem der Konkurrenten – und Eddie rastet aus.

Kein Leben ohne Dart

Die Hauptfigur wird von Florian Lukas wundervoll prollig gespielt. Mit Schnurrbart, Vokuhila, Bierbauchansatz und Trainingsanzügen wirkt er selbst wie das Relikt aus einer anderen Zeit. Ähnlich malerisch-abgewrackt ist die verrauchte 1980er-Retro-Inneneinrichtung seiner Wohnung und der Bars gestaltet, wo die Turniere stattfinden. Nur die Smartphones verraten, dass die Serie im Heute spielt. Davon besitzt Eddie aber auch keins. Unterstützung bekommt er von seinem Kumpel Nobbe, ebenfalls ein ehemaliger Dartprofi, den Ulrich Noethen in Glitzerhemden und mit Goldketten zum Besten gibt. Nobbe hat ein dezentes Alkoholproblem und hält immer loyal zu Eddie, auch als Manu diesen rauswirft. Der Freund hat selbst einen Herzschmerz zu verkraften („Lola!“), doch er kann sich und Eddie aufs Neue motivieren: „Ein Leben ohne Dart ist sinnlos!“

Männer in der Midlife-Crisis gehören seit Beginn des Serienhypes zu den zentrale Figurentypen. Tony Soprano („Die Sopranos“), Donald Draper („Mad Men“) oder Walter White („Breaking Bad“) haben aufgrund der unterschiedlichen Branchen (Mafiageschäfte, Werbekampagnen, Drogenproduktion) mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen. Kennzeichnend für alle drei ist das schwierige Austarieren zwischen Familie und Beruf. Daran scheitern die Alphamänner häufig, und Eddie könnte sich problemlos miteinreihen, wäre Dartspielen tatsächlich ein ertragreicher Sport. Doch auch in dieser Hinsicht bringt er nur ein paar Scheine mit nach Hause, während seine Frau Manu den Großteil des Haushaltsbudgets mit einem Solarium verdient.

Brave Berliner Schnauze

„Die Wespe“ kommt allerdings braver daher als Serien-Geniestreiche à la „Breaking Bad“. Denn auf dem Tiefpunkt von Eddies Karriere folgt die Einsicht: Eddie nimmt einen Gelegenheitsjob an und kehrt zum Dartspielen, seiner wahren Passion, natürlich zurück. Manu will er auch zurückerobern. Mit dieser Läuterungs-Story ist die Serie nicht ganz so gewagt, wie die Berliner Schnauze von Eddie es gerne wäre. Ob seine Figur das Potential zum Kultstatus hat, wird sich zeigen. „Die Wespe“ hat zwar das Herz am rechten Fleck, doch allzu einsichtige Helden haben es nicht leicht, in Erinnerung zu bleiben.

Die anderen Figuren (enttäuschte Ehefrau, trotteliger Ziehsohn, netter Kumpel, böser Konkurrent) leiden an etwas blassen, konventionellen Figurenprofilen und gewinnen durch seltsame Wendungen (Stichwort Ödipus-Komplex) nicht unbedingt an Tiefe. Der Dramedy gelingen zu selten überzeugende Lacher (Manu zu Eddie mit Klappe über dem verletzten Auge: „Was ist mit deinem Auge?“ – „Es fehlt.“). Immerhin würdigt die Serie einen Sport, der sonst in der öffentlichen Wahrnehmung ziemlich kurz kommt und gerne als Partyspiel unterschätzt wird – schade nur, dass „Die Wespe“ dabei nicht ganz ins Schwarze trifft.

 

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