Horror | USA/Kanada 2021 | 100 Minuten

Regie: Neill Blomkamp

Seit ihre Mutter ein schreckliches Verbrechen beging, hat deren erwachsene Tochter keinen Kontakt zu ihr; dann aber lässt sie sich auf ein wissenschaftliches Experiment an der im Koma liegenden alten Frau ein. Das Bewusstsein der Tochter soll mit dem der Mutter gekoppelt werden, um zu klären, was ihre Beweggründe waren. Ein trotz geringem Budget ansprechend inszenierter Horrorfilm, der indes zunehmend an einem steifen, über weite Strecken ziellosen Drehbuch krankt, dem es nicht gelingt, das Mutter-Tochter-Drama und einen reichlich grotesken Dämonenjagd-Plot zu einem organischen Ganzen zu verbinden. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
DEMONIC
Produktionsland
USA/Kanada
Produktionsjahr
2021
Regie
Neill Blomkamp
Buch
Neill Blomkamp
Kamera
Byron Kopman
Musik
Ola Strandh
Schnitt
Austyn Daines
Darsteller
Carly Pope (Carly) · Chris William Martin (Martin) · Michael J. Rogers (Michael) · Nathalie Boltt (Angela) · Terry Chen (Daniel)
Länge
100 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Horror

Heimkino

Verleih DVD
Koch
Verleih Blu-ray
Koch
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Horrorfilm um eine Frau, deren Bewusstsein mit dem ihrer im Koma liegenden Mutter gekoppelt werden soll und die es dabei mit etwas Dämonischem zu tun bekommt.

Diskussion

Es ist schon seltsam, dass Carly (Carly Pope) nach all den Jahre wieder einen Anruf von Martin (Chris William Martin) bekommt. Sie hatte ihn einmal sehr gemocht, aber da waren beide noch Kinder. Noch auffälliger scheint der Grund für die neuerliche Kontaktaufnahme: Er habe ihre Mutter gesehen. In einem Sanatorium, das er nur wegen einer Studie für ein Pharmaunternehmen namens Therapol besucht hat, an der er teilnehmen wollte. Carly hat mit ihrer Mutter Angela (Nathalie Boltt) schon lange abgeschlossen, auch wenn sie immer noch Albträume hat, in denen sie eine schreckliche Rolle spielt. Es ist schon ewig her, dass sie ein Altenheim angezündet und viele Todesfälle zu verantworten hatte. Seitdem ist sie in einer geschlossenen Abteilung der Psychiatrie, und Carly lebt ihr eigenes Leben. Was soll nun diese höchst unschöne Erinnerung an längst Verdrängtes?

Das fragt sich nicht nur die Protagonistin in Neill Blomkamps neuem Film „Demonic“. Auch als Zuschauer ist man erstaunt ob des ungelenken Anfangs. Während es im herkömmlichen Horrorfilm der letzten Jahre immer einen blutigen Paukenschlag zu Beginn gibt, damit das Publikum sieht, was es potenziell auch später noch bekommt, beginnt „Demonic“, nach einem kurzen Albtraum-Flashback, fast schon stoisch und dialoglastig, nach dem Motto: „Habt Geduld, irgendetwas wird schon passieren!“

Bewusstseins-Transfer

Was zunächst folgt, ist erst einmal die Einführung einer komplizierten Figurenkonstellation. Carly und ihr Freund aus Kindertagen. Carly und ihre verstoßene Mutter. Dann sind da noch die beiden Studienleiter Daniel (Terry Chen) und Michael (Michael J. Rogers), die ohne Carlys Wissen ihre komatöse Mutter zu Studienzwecken missbrauchen. Und schließlich wollen sie auch noch, dass Carlys Bewusstsein mittels einer neuen Apparatur in die Träume ihrer paralysierten Mutter „kriechen“ soll, um zu klären, was mit dieser los ist.

Als dann zu alledem auch noch Carlys beste Freundin Sam (Kandyse McClure) ihren nicht gerade hilfreichen Rat zu Martin und Mutter beisteuert, ist der Film kurz davor, seine Zuschauer endgültig zu verlieren. „Demonic“ scheint zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu sein als eine billige Kopie von „The Cell“, in der vor zwanzig Jahren eine von Jennifer Lopez gespielte Wissenschaftlerin ebenfalls ins Unterbewusste eines anderen Menschen schlüpfte. Blomkamp hat sicher Tarsem Singhs Film gesehen und gemocht. Aber seine audiovisuelle Größe erreicht er zu keiner Zeit. Woran auch eine kühne Volte nichts ändert, die etwas mehr Klarheit bringt in die Absichten der Wissenschaftler und die Genre-Stoßrichtung des Films präzisiert, die sich im Titel „Demonic“ ankündigt: In Angela steckt etwas, was nicht von dieser Welt ist.

Ein einstiges Wunderkind meldet sich zurück

Im Musikgeschäft nennt man einen gefallenen Star wie Neill Blomkamp ein „One-Hit-Wonder“. Mit dem südafrikanisch-neuseeländischen Film „District 9“, der das Alien-Invasion-Motiv auf intelligente Weise gegen den Strich bürstet, hatte er sich Kritikern wie Publikum 2009 als Entdeckung am Firmament des anspruchsvollen Science-Fiction-Horrors empfohlen. Sein Hollywood-Debüt „Elysium“ war 2013 dann aber in erster Linie teuer. Mit Matt Damon und Jodie Foster war der gewollte Blockbuster prominent besetzt, aber als Science-Fiction-Actiondrama wohl zu dystopisch, um schwarze Zahlen zu schreiben. Als dann 2014 mit „Chappie“ erneut ein Science-Fiction-Film von Blomkamp finanziell baden ging, trotz guter Spezialeffekte und Sigourney Weaver und Hugh Jackman vor der Kamera, war das südafrikanische Wunderkind mehr oder weniger abgeschrieben.

Reizvolle Inszenierung, konfuser Plot

Dabei haben selbst Blomkamps Misserfolge eine gewisse reizvolle Eigentümlichkeit. Trotz aller Fantastik und Ungeheuerlichkeit, mit der in seinen Filmen Menschen auf Außerirdisches oder Übernatürliches treffen, versprüht seine Inszenierung immer einen gewissen Realismus. Auch in „Demonic“ will man sich lange Zeit nicht in einem Horrorfilm wähnen. Schon gar nicht einem, in dem plötzlich mithilfe des Unterbewusstseins Jagd auf Dämonen gemacht wird. Trotzdem und obwohl der Film mit seinem Sanatoriums-Sujet und mit dem Thema einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung durchaus Potenzial hat, entfaltet er nie so recht eine erzählerische Sogwirkung. Die Einzelteile wollen nicht zu etwas Homogenem verschmelzen, sondern holpern eher nebeneinanderher.

Es scheint, als würde der Autor Blomkamp dem Regisseur im Wege stehen, der viel lieber gradliniges, geerdetes Genrekino mit einem guten Schuss Realismus inszenieren will. „Demonic“ sieht, trotz des erkennbar kleinen Budgets, über weite Strecken wieder gut aus. Auch wenn sämtliche Darsteller diesmal wenig charismatisch sind, machen sie ihre Arbeit glaubwürdig. Doch das Drehbuch ist viel zu steif und kompliziert, um die Ideen, die in der Geschichte stecken, dramaturgisch gebändigt zu bekommen. So bleibt ein Film, dessen Story seltsam kopflos, seltsam inkonsequent wirkt, und nur durch Blomkamps eigenwillige Inszenierung noch eine gewisse Faszination entfaltet.

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