Komödie | USA 2022 | 253 (7 Folgen) Minuten

Regie: Christopher Miller

Während der Party nach einem High-School-Jahrestreffen stürzt der prominente Gastgeber von einer Klippe in den Tod. Die ermittelnde Kommissarin ist sich sicher, dass es sich um einen Mord handelt, und beginnt, die Verdächtigen zu verhören. Und die erzählen den Abend aus ihrer je ganz eigenen Perspektive – und mit unterschiedlichen Genreanleihen. Selbstreferenziell durchstreift die Whodunit-Comedy-Serie sämtliche Filmgenres von der romantischen Komödie über den Actionfilm bis hin zum Musical und kreist so nebenbei um die Relativität von Wahrheit und Erinnerung. Durch das schillernde Figurenpersonal rückt der „Whodunit“-Krimiplot zuweilen in den Hintergrund, und die Serie überlässt der Spielfreude der Schauspieler die Bühne. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE AFTERPARTY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Christopher Miller
Buch
Christopher Miller · Anthony King · Kassia Miller · Nicole Delaney · Jack Dolgen
Kamera
Carl Herse
Musik
Daniel Pemberton
Schnitt
Joel Negron
Darsteller
Genevieve Angelson (Indigo) · Everly Carganilla (Maggie) · Tiya Sircar (Jennifer #1) · Sam Richardson (Aniq) · Dave Franco (Xacier)
Länge
253 (7 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie | Krimi | Mystery | Serie

Eine „Murder Mystery“-Serie rund um ein Treffen ehemaliger High-School-Klassenkameraden, wobei die Ereignisse pro Folge aus der Perspektive verschiedener beteiligter Personen erzählt werden, was sich auch stilistisch niederschlägt.

Diskussion

Erinnerungen sind auf ihre eigene Art immer Geschichten. Und wenn sich filmaffine Menschen erinnern, dann können diese Geschichten eben auch mal so aussehen wie im Kino. Auch die Kommissarin Danner weiß das. Als sie herausfinden soll, wer den prominenten Popstar auf dem Gewissen hat, der auf einer privaten Party nach einem High-School-Klassentreffen von einer Klippe in den Tod gestürzt ist, hat sie eine Tüte Popcorn dabei, um sich die „mind movies‟ der Verdächtigen zu versüßen. Verhöre als Unterhaltungskino: Entertain me!

Die größten Erfolge des Produzentenduos Christopher Miller und Phil Lord waren schon immer stark konzeptgeprägt, sei es „The Lego Movie‟, der die groben Bewegungsmöglichkeiten des Spielzeugs augenzwinkernd auf CGI-Figuren übertragen hat, die Superheldenanimation „Spider-Man: A New Universe‟, in dem die Comiceinflüsse durch Druckraster und das Spiel mit Panelstrukturen und Soundwörtern sichtbar gemacht wurden, oder der wilde Mix aus Animationstechniken in „Die Mitchells gegen die Maschinen‟. Innovativ waren all diese Filme trotzdem, weil die Form immer mehr war als nur ein Gimmick, ein klug eingesetzter Hintergrund, der sich mit bekannten Geschichten verbunden hat. Nun stehen Lord und Miller als ausführende Produzenten auch hinter der achtteiligen Serie „The Afterparty‟, für die Miller selbst auch als Showrunner und Regisseur verantwortlich zeichnet.

Kunstfilm trifft Musical trifft Action trifft Romantikkomödie

So entfaltet sich die Serie als eine Aneinanderreihung von Rückblenden, die je nach Erzähler unterschiedliche Genreanleihen bedienen. Für die kunstbeflissene Indigo etwa zeigt sich der Abend als Kunstfilm in Schwarz-weiß und im 4:3-Format, Yasper wiederum, der als AV-Techniker arbeitet, aber insgeheim von einer Karriere als Musiker träumt, erzählt darüber in Form eines Musicals. In Bretts Vorstellung sieht die Fahrt zur Afterparty aus wie in einem Actionfilm (auch wenn es bei der Verfolgungsjagd doch eigentlich nur darum geht, das Lieblingskuscheltier der Tochter zurückzubekommen). Und für Aniq steht bei dem Klassentreffen ohnehin nur seine einstige große Liebe Zoë im Mittelpunkt, die sich kürzlich von ihrem Mann getrennt hat. Wenn er sich an den Abend erinnert, dann wird dieser zu einer großen romantischen Komödie – zumindest so lange, bis er den roten Faden verliert.

Im besten Fall führen die Zitate Genreklischees vor Augen und machen sich über Küsse im Regen, betont kunstvolle Bildformate, hanebüchene Anlässe für Gesangsszenen oder markige Sprüche in Actionszenen lustig. Doch auch wenn die selbstreflexiven Elemente durchaus funktionieren und komisch sind, wirken sie bisweilen arg bemüht und es entsteht der Eindruck, dass Miller sich hauptsächlich für den Effekt interessiert. Andererseits aber können auch hier die unterschiedlichen Sichtweisen wie bei Akira Kurosawas Krimi-Klassiker „Rashomon‟, in dem ebenfalls ein Verbrechen aus mehreren Perspektiven geschildert wird, dazu einladen, über die Bedeutung von Erinnerung und Wahrheit nachzudenken – denn je nach Erzähler variieren die Details und die Dialoge, und es ist keineswegs so, dass die Kamera nur aus einem anderen Blickwinkel eine bereits bekannte Szene wiederaufnehmen würde.

Die große Stärke: Das schillernde Figurenensemble

Nichtsdestotrotz bildet der Whodunit-Plot nicht die tragende Stütze der Episoden. Viel mehr Spaß macht es, die unterschiedlichen Figuren und ihre Beziehungen kennenzulernen. Mit dem blondierten, selbstverliebten Xavier, der späteren Leiche, gibt es einen schön unsympathischen Antihelden, mit der Kommissarin Danner eine charismatische Ermittlerin, deren Methoden ein wenig an Columbo erinnern, der auch stets durch vorgespielte Ahnungslosigkeit zu verschleiern wusste, was er gerade wirklich denkt. Aniq und Yasper wiederum sind herrlich alberne Buddys, die sich gerne an die guten alten Zeiten erinnern und irgendwie nicht richtig erwachsen geworden sind. Das Ensemble wird ergänzt durch zwei hochschwangere Schwestern, eine Alkoholikerin und einen eifersüchtigen Ex-Mann. Und dann ist da noch Walt, der ehemalige Mitschüler, an den sich einfach niemand erinnern kann und dessen Fluch es ist, von niemandem beachtet zu werden.

Und wer ist nun der Mörder? Das schillernde Figurenensemble mit den zahlreichen Sympathieträgern macht es ziemlich schwierig, einen Verdacht zu formulieren, zumal hier etwa im Gegensatz zu „Only Murders in the Building‟ keine Ermittler-Außenperspektive eingenommen wird und einer der Partybesucher der Schuldige sein muss. So wird das Publikum mindestens ebenso zum Ermittler wie zum Komplizen.

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