Texas Chainsaw Massacre (2022)

Horror | USA 2022 | 81 Minuten

Regie: David Blue Garcia

Fortschreibung des Slasherfilm von Tobe Hooper aus dem Jahr 1974, in dem eine Gruppe junger Post-Millennials in einer abgelegenen texanischen Kleinstadt ein Geschäft aufbauen will und dabei unversehens im Heimatort von Leatherface landet, dem berüchtigten Serienkiller mit Menschenhautmaske. Die Neuverfilmung sucht den Anschluss an das Original, nutzt dessen Versatzstück aber als moderne Slasher-Variation mit viel Blut, einer suggestiven Atmosphäre und drastischen Gore-Elementen. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
TEXAS CHAINSAW MASSACRE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
David Blue Garcia
Buch
Chris Thomas Devlin
Kamera
Ricardo Diaz
Musik
Colin Stetson
Darsteller
Sarah Yarkin (Melody) · Alice Krige (Mrs Mc.) · Nell Hudson (Ruth) · Elsie Fisher (Lila) · Olwen Fouéré (Sally Hardesty)
Länge
81 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 18.
Genre
Horror

Fortschreibung des Tobe-Hooper-Slasherfilms, in dem eine Gruppe städtischer Post-Millennials im texanischen Hinterland auf den Serienkiller Leatherface trifft.

Diskussion

Langlebige Filmreihen sind wie Efeu: sie bedürfen der Pflege, sonst verwildern sie. Gerade im Horrorgenre treiben erfolgreiche Franchises wie „Saw“, „Freitag der 13.“ oder „Halloween“ oft skurrile Triebe. Ein Beispiel für einen rabiaten Rückschnitt ist „Halloween“ (2018); die Neuauflage tilgte schlichtweg die neun vorherigen Ableger und Remakes und beanspruchte die alleinige Fortsetzungsrolle von John Carpenters „Halloween – Die Nacht des Grauens“ für sich.

Auch Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ von 1974 gilt bis heute als Wegbereiter des modernen Slasherkinos. In den knapp fünf Jahrzehnten seither haben sieben Nachfolgerfilme den Weg in die Lichtspielhäuser und Heimkinos gefunden. Mit „Texas Chainsaw Massacre“ gibt es nun aber eine Fortschreibung, die den direkten Anschluss ans Original sucht und trotzdem eigene Wege gehen will.

Hooper hatte mit seinem Debütfilm eine in den 1970er-Jahren neuartige Form des Terrorkinos angestoßen, das mit seiner unorthodoxen Erzählweise und expliziten Gewaltdarstellung das Publikum schichtweg überrumpelte. Die krude Art eines niedrigbudgetierten Horrors ließ sich jedoch nur schwer reproduzieren und das umso mehr, je höher der Produktionsaufwand ausfiel. Ein Paradebeispiel fürs Misslingen ist das Remake von Marcus Nispel, „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“, das zwischen überstilisierten Hochglanzbildern und expliziten Gewalteskapaden jegliches Gespür für den Geist des Originals vermissen lässt. Als letztes Überbleibsel von Hoopers filmischem Erbe scheint nur die Horror-Ikone Leatherface übriggeblieben zu sein, ein grobschlächtiger Hüne in Schlachterkittel und Menschenhautmaske.

Auf ins Hinterland

Der aktuelle „Texas Chainsaw Massacre“ von Regisseur David Blue Garcia kreist um eine Gruppe junger Stadtmenschen, die sich um die ambitionierte Melody (Sarah Yarkin) scharen und ins texanische Hinterland reisen. Die aufgeweckten Post-Millenials wollen als Jungunternehmer eine Immobilienverwaltung gründen, die aus der (scheinbar) verlassenen Kleinstadt Harlow einen Rückzugsort für Kreative und Eskapisten macht. Der Film wirft diese Gruppe moderner Lifestyle-Pioniere in die karge, rückständige Einöde von Texas. Doch den ambitionierten „Gen Z“-lern schlägt bald Argwohn und Feindseligkeit entgegen.

Die Protagonisten lassen zwar individuelle Eigenheiten weitgehend vermissen, doch einige überraschen mit Abweichungen von den Klischees. So präsentiert sich Melody anfangs zwar als durchsetzungsfähige Frau mit fordernden Moralvorstellungen, empfindet im weiteren Verlauf aber durchaus auch Reue gegenüber dem vorschnell verurteilten „Typen mit der Knarre, der irgendetwas damit kompensieren muss“.

Nach kleineren Stopps, die der Film zum Einfangen des texanischen Lokalkolorits nutzt, führt der Weg schließlich nach Harlow, wo die Neuankömmlinge unerwartet doch auf ein paar Einwohner treffen: neben einem Mechaniker auf eine demente Waisenhausleiterin (Alice Krige) und ihren letzten Schützling. Die Heimleiterin taucht nur kurz auf, liefert durch ihre gebrechlich-nette, aber unangenehm aufdringliche Art einige atmosphärische Spitzen. Doch während einer Diskussion über die Eigentumsrechte sind plötzlich polternde Schritte auf der knarzenden Holztreppe zu hören, ehe ein Koloss von Mann am oberen Ende erscheint. Sein Gesicht liegt im Dunkeln, doch die Haltung seines massigen Körpers strahlt höchste Kampfbereitschaft aus. Spätestens jetzt wird jedem Horror-Fan klar, wer dieser Mann ist - und dass die gebrechliche Dame mit dem Sauerstofftank die letzte Faser der Leine ist, die ihn im Zaum hält.

Reichlich Arbeit für die Kettensäge

Nach dem ersten Auftritt des gealterten, aber nicht weniger einschüchternden Leatherface entspinnt sich der weitere Verlauf eigentlich wie von selbst. Trotz dieser Vorhersehbarkeit setzt der Film die schiere physische Wucht des Menschenschlächters effektiv in Szene, wenn er die hilfswilligen Polizisten nach dem Tod seiner Ziehmutter mit bloßen Händen zerfetzt. Großen Anteil an Leathersfaces Bedrohlichkeit hat neben der eindringlichen Kameraführung der Darsteller Mark Burnham, der durch Statur und Körpersprache auch an den Originalschlächter Gunnar Hansen erinnert.

Wie der Killer nach den Geschehnissen von „The Texas Chainsaw Massacre“ überhaupt im Waisenhaus gelandet ist, bleibt im Unklaren. Als er jedoch der toten Heimleiterin beinahe liebevoll das Gesicht abzieht und die Hautmaske über das eigene Antlitz streift, erscheint alles andere irrelevant. Leatherface ist zurück, und er sinnt auf Rache.

Ab diesem Punkt mündet „Texas Chainsaw Massacre“ in eine drastische Gore-Orgie. Leatherfaces Kettensäge sucht beinahe magnetisch nach dem nächstbesten Rumpf oder Schädel, in dem sie ihre kreischenden Metallzähne versenken kann – die Geisterstadt wird zu einem überdimensioniert-makabren Spielplatz, auf dem sich der Killer nach Lust und Laune austoben darf. Natürlich leisten die Opfer Widerstand, aber erwartbar vergeblich. So darf sich sogar eine alte Weggefährtin aus Hoopers Originalvorlage nochmal mit dem wahnsinnigen Fleischer anlegen, was der Fortführung jedoch eher den Beigeschmack eines Legacy-Films à la „Halloween“ verpasst.

Die Neuinterpretation versucht erst gar nicht, sich dem Original von 1974 anzubiedern, sondern führt die bekannten Versatzstücke als moderner Slasher-Variation fort, wobei die Inszenierung vor allem auf eine suggestive Atmosphäre und schauerliche Gore-Effekte setzt. Die Figuren dienen als Schlachtvieh für den ikonischen Killer, können den einschlägigen Horrorstereotypen durch einige ambivalente Charakterzügen jedoch mitunter ein Schnippchen schlagen.

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