Thriller | USA 2022 | 92 Minuten

Regie: Charlie McDowell

Ein Mann dringt in ein luxuriöses Anwesen ein. Als die Besitzer auftauchen, sperrt er sie ein und will sich mit dem Diebesgut aus dem Staub machen, überlegt es sich aber anders. Beim Versuch, mehr aus dem Einbruch herauszuschlagen, bietet ihm das Paar jedoch überraschend Paroli. Der aus einer Dreierkonstellation heraus entwickelte Thriller löst die Grenze zwischen Gut und Böse auf, belässt die Motive der Figuren aber im Nebulösen. Auch wenn die Spannung nicht immer aufrechterhalten wird, entspinnt sich ein subtiles Katz-und-Maus-Spiel. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
WINDFALL
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Charlie McDowell
Buch
Justin Lader
Kamera
Isiah Donté Lee
Musik
Danny Bensi · Saunder Jurriaans
Schnitt
David Marks
Darsteller
Jesse Plemons (CEO) · Lily Collins (Ehefrau) · Jason Segel (Nobody) · Omar Leyva (Gärtner)
Länge
92 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Thriller

Thriller mit sozialkritischen Anleihen, bei dem ein namenloser Einbrecher auf ein reiches Paar trifft, das ihm Paroli bietet.

Diskussion

Ein Mann schlendert quer durch einen Orangenhain, pflückt eine der Früchte und beißt in das saftige Fruchtfleisch. Man könnte denken, er begutachte seine neue Ernte. Doch spätestens, als er mit einem Geschirrtuch die Klinke des Kücheneingangs zum geräumigen Haus eines luxuriösen Anwesens abwischt, das zur Orangenplantage gehört, lässt sich vermuten, dass er hier nicht zu Hause ist. Doch was hat er vor? Er scheint sich wieder aus dem Staub machen zu wollen, als er innehält, nachdenkt und daraufhin das Haus nach Wertsachen durchsucht. Er wird auch fündig. Doch gerade, als er endgültig entschwinden will, taucht ein Ehepaar auf.

Damit beginnt ein „Home-Invasion-Thriller", dem es daran gelegen ist, die Grenze zwischen Gut und Böse zu verwischen. Der namenlos bleibende Eindringling (im Abspann heißt er „Nobody“) verlangt noch mehr Geld, als er bereits gefunden hat. Das junge Paar ist so kooperativ wie angesichts der Bedrohung möglich und gibt ihm weitere Banknoten, die im Haus versteckt sind. Der Fremde sperrt sie draußen in der Sauna ein und macht sich auf den Weg zu seinem Wagen, der am Rand des Anwesens steht. Er ist schon fast weg, als er in einem Baum etwas erspäht, das ihn zur Rückkehr zwingt. Da er sich schon in diese Notlage bugsiert hat, kann er auch in die Vollen gehen. Was ist den beiden Hausbesitzern ihr Leben wert? Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

Gelegenheitstäter & ein Paar mit Geheimnissen

Der Eindringling wird dabei gänzlich anders charakterisiert, als man es aus Home-Invasion-Thrillern kennt. Er ist weder Psychopath noch Berufskrimineller, sondern ein Gelegenheitstäter, der sich alle Mühe gibt, so professionell wie möglich vorzugehen. Die Pistole, die er im Haus findet, ist ihm dabei eine Stütze. Doch bleiben seine Beweggründe unklar. Was suchte er überhaupt auf dem Anwesen?

Genauso wenig klärt der Film darüber auf, wie der nur „CEO“ genannte Besitzer des Anwesens zu seinem Reichtum gekommen ist. Zudem stellt sich mit der Zeit die Frage, welche Beziehung das Paar untereinander eigentlich hat. Er wünscht sich ein Baby von ihr, doch wünscht sie sich auch ein Kind von ihm? Was hat es mit den zunehmend aufflackernden Spannungen zwischen beiden auf sich? Und mit dem entfernten Tattoo auf ihrem Fußspann?

Regisseur Charlie McDowell gelingt zusammen mit seiner Ehefrau Lily Collins und Jesse Plemons, die den Film auch mitproduziert haben, fast ein kleines Meisterwerk. Der Handlungsort bleibt nebulös, lediglich die Orangen, die unaufhörlich scheinende Sonne und die Umgebung deuten auf Kalifornien hin. Der CEO könnte einem Tech-Konzern vorstehen, denn einmal spricht er von einem Algorithmus, den er geschrieben habe. Mit seiner ausladenden Körperlichkeit stellt Jesse Plemons den CEO als einen überheblichen Zampano dar, der es gewohnt ist, dass alle nach seiner Pfeife tanzen. Er betont seine soziale Ader, genießt aber spürbar seinen Machtanspruch.

Im gleißenden Licht des Reichtums

So wird der Thriller zu einem Kräftemessen der Körper: der massige CEO gegen den unscheinbaren Nobody (Jason Segel) gegen die zierliche Ehefrau (Lily Collins). Die dramatische Situation öffnet sich merklich zur symbolischen. Der Nobody avanciert zum Eindringling in die Sphäre der Reichen und Schönen, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen, der vom Sahnehäubchen klischeehafter Weiblichkeit geziert wird. Über die Abgründe, vom Traum vom großen Geld und von der Macht nicht lassen zu können, täuscht die blendende Helligkeit des Settings hinweg.

Die subtile Dramaturgie des Films, die sich gelegentlich in etwas zu langen Dialogen verfängt, wird von einer präzise eingesetzten Musik flankiert, die mit diversen Blasinstrumenten und Percussion-Klängen zunächst die latente Bedrohung akzentuiert, um unter dem Einsatz von Streichern im Stil von Bernard Herrmann die zunehmende Spannung herauszuarbeiten.

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