Action | Südkorea 2021 | 105 Minuten

Regie: Yoon Jae-geun

Ein Agent erwacht ohne Gedächtnis im Körper eines Fremden. Alle zwölf Stunden wiederholt sich dieser Vorgang. Während er versucht, die eigene Identität und die Ursache für seine Seelenwanderung zu finden, macht die Geheimorganisation, der er angehört, Jagd auf ihn. Furios inszenierter Thriller, der sich vom Spiel mit der Orientierungslosigkeit Schritt für Schritt zur Vertrautheit mit der Bewusstseinswanderung vorarbeitet. Metaphysische und emotionale Aspekte der Identitätssuche schiebt der Film dabei für so elegant wie effizient inszenierte Actionsequenzen schlicht beiseite. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
SPIRITWALKER | YUCHEITALJA
Produktionsland
Südkorea
Produktionsjahr
2021
Regie
Yoon Jae-geun
Buch
Yoon Jae-geun
Musik
Nene Kang
Schnitt
Kim Sun-min · Hwang Eun-ju
Darsteller
Yoon Kye-sang (Kang I-an) · Lim Ji-Yeon (Moon Jin-ah) · Park Yong-woo (Direktor Park) · Park Ji-hwan (Haengryeo) · Yoo Seung-mok (Chief Lee Shin-woo)
Länge
105 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 18.
Genre
Action | Fantasy

Heimkino

Verleih DVD
Busch Media
Verleih Blu-ray
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Furioser Actionthriller um einen südkoreanischen Agenten, der alle zwölf Stunden im Körper eines anderen erwacht, und von seiner eigenen Organisation gejagt wird.

Diskussion

„Wer bin ich?“, ist unter den Geheimagenten der Filmgeschichte keine ungewöhnliche Frage. Amnesie und Identitätskrise zählen für Bond, Bourne & Co. ebenso zum Berufsrisiko wie Kugelhagel und Hochverrat. Für Kang I-an (Yoon Kye-sang), der nicht mehr weiß, dass er Kang I-an ist, ist die Angelegenheit allerdings etwas komplizierter. Nicht nur sein Gedächtnis ist verschwunden, sondern auch der dazugehörige Körper. Sein Bewusstsein wandert. Alle zwölf Stunden wacht er in einem anderen Teil der Stadt auf und blickt in ein fremdes Spiegelbild. Die Puzzleteile der eigenen Identität muss er also in fremden Körpern zusammensetzen.

Der zu diesem Zeitpunkt einzige Verbündete der verlorenen Seele ist ein Obdachloser (Park Ji-hwan). Der teilt nicht nur sein Abendessen mit dem Mann im falschen Leib, sondern bringt zugleich auch den Identitätsbegriff des Films auf den Punkt. Corn Dog und Krapfen stehen zur Auswahl. Kang I-an weiß nicht, was er mag, gibt aber mit Blick auf die in Teig gehüllte Wurst trotzdem eine Antwort. Du bist, was du isst. Wer auch immer er also wirklich ist: hier und jetzt ist er ein Corn-Dog-Esser.

Identität ist eine Frage der Funktion

Das ist eine intuitive Wahrheit, der sich „Spiritwalker“ voll und ganz verschreibt. Identität ist nicht an das Wesen einer Person, sondern an seine Funktion gekoppelt. Nicht der Privatmensch wird hier gesucht, sondern der Mann, der sich im Chaos von Geheimorganisation, Verrat und Drogenhandel zurechtfindet.

In diesem Sinne ist der ursprüngliche Körper des Agenten nicht weniger ein Stellvertreterkörper als jeder andere, den er bewohnt. Der Übersicht halber behält er für die Kamera das eigene Gesicht im fremden Leib. Den dazugehörigen Namen, seinen Namen, erfährt der Agent wenig später. Als seine Lebensgefährtin (Lim Ji-Yeon), die als Mitglied der Organisation ebenfalls in den Kampf integriert ist, identifiziert ist, sind alle für den Film relevanten Aspekte der Identitätsfrage geklärt.

„Spiritwalker“ folgt dem Jason Bourne’schen „Wer bin ich?“ nur so weit wie möglich, um sich ausgiebig der eher an „Face/Off“ erinnernden Frage „Wie komme ich hier lebend raus?“ zu widmen. Die Reise des verirrten Bewusstseins dient also nicht der Persönlichkeitsfindung, sondern ist vielmehr die clever gesponnene Exposition für den Kampf, der innerhalb der als opulente Parallelgesellschaft inszenierten Geheimorganisation losbricht. Die dazugehörigen Details bleiben wie der Name und die Motive der Organisation gleichermaßen unklar und unwichtig.

Der Zeiger rückt auf Zwölf

Für Regisseur Yoon Jae-geun zählt nur das, was sich filmisch aus dieser Prämisse herausholen lässt. Das aber ist eine Menge. Vom Spiel mit der Orientierungslosigkeit arbeitet sich der Film, Setpiece um Setpiece, zur Vertrautheit mit der Bewusstseinswanderung vor. Werden die Räume bei den ersten Körperwechseln noch vom komplexen Zusammenspiel optischer und digitaler Tricks auseinandergerissen und zu völlig anderen zusammengesetzt, kündigt der auf die Zwölf vorrückende Zeiger im Zuge der Handlung nicht mehr den Fall ins Ungewisse, sondern einen perfekt geplanten Sprung in den nächsten Körper an.

„Spiritwalker“ spielt ein kinetisches Spiel. Was von dessen effizient kanalisierter Energie ablenkt oder gar eine Bewegung Richtung Metaphysik oder Science-Fiction andeutet, wird schlicht wegrationalisiert.

Der Vorhang zu und alle Fragen offen

Die Reduktion lässt dabei aber auch jede Chance fahren, das Geschehen emotional zu vertiefen. Der kreative Umgang mit den körperlichen Implikationen der Prämisse hat es dennoch in sich. Die Kampffähigkeiten werden mit jedem Sprung in das Fleisch von Freund oder Feind erweitert, begrenzt und variiert. Die gut geölte Action-Maschinerie dahinter verschleißt mit der dem koreanischen Action-Kino eigenen kontrollierten Eleganz die Surrogat-Körper ebenso gnadenlos wie Fahrzeuge und anderes Gerät. Als sich der Rauch legt, hat Kang I-an seinen Namen, seine Freundin und seine Berufung zurück. Wer er ist, weiß er aber ebenso wenig wie das Publikum.

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