Slow Horses – Ein Fall für Jackson Lamb

Literaturverfilmung | USA/Großbritannien 2022 | Minuten

Regie: James Hawes

Agenten und Agentinnen des MI5, die wegen diverser Fehltritte vom regulären Dienst ausgemustert wurden, arbeiten in einer Sonderabteilung, dem sogenannten Slough House, unter der Leitung des Agenten Jackson Lamb, bis sie entweder aus Frust über die banalen Zuarbeiten, die sie nun erledigen müssen, den Dienst quittieren oder sich bewähren und wieder für höhere Aufgaben empfehlen. Eine mit vielen Referenzen auf die englische Agententhriller-Tradition gespickte Serien-Verfilmung von Mick Herrons gleichnamiger Buchreihe. Eine ebenso spannende wie amüsante Umsetzung, weniger der im Grunde konventionellen Spionage-Geschichte wegen als dank eines hochkarätigen und sehr stimmig zusammengesetzten Schauspielerensembles, u. a. mit Kristin Scott Thomas und Jonathan Pryce, das in allen möglichen Kombinationen darstellerisch überzeugt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SLOW HORSES
Produktionsland
USA/Großbritannien
Produktionsjahr
2022
Regie
James Hawes
Buch
Will Smith · Morwenna Banks · Mark Denton · Jonny Stockwood
Musik
Toydrum
Darsteller
Gary Oldman (Jackson Lamb) · Kristin Scott Thomas (Diana Taverner) · Jonathan Pryce (David Cartwright) · Chris Reilly (Nick Duffy) · Rosalind Eleazar (Louisa Guy)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Literaturverfilmung | Serie | Spionagefilm

Schwarzhumorige Agententhrillerserie: Agenten und Agentinnen des MI5, die wegen diverser Fehltritte vom regulären Dienst ausgemustert wurden, warten in einer Sonderabteilung, dem sogenannten Slough House, auf eine Chance zur Bewährung.

Diskussion

„If ‚Moscow Rules‘ meant watch your back, then ‚London Rules‘ meant cover your arse.“ London und Moskau, die Guten und die Bösen, alter Kalter Krieg und klare Regeln, die man kannte im Geschäft – es könnte einen dieser Tage beinahe nostalgische Sehnsucht beschleichen nach solchen Spionen, die aus der Kälte kamen. Die Spannung zwischen dem Einst und Jetzt zeichnet die mit vielen Referenzen an die englische Agententhriller-Tradition gespickte Welt von Mick Herrons erfolgreicher Buchreihe um Altspion Jackson Lamb aus, deren ersten Band „Slow Horses“ Apple TV+ nun als sechsteilige Serie herausgebracht hat.

Und Gary Oldman in der Rolle des Jackson Lamb sieht tatsächlich so aus, als käme er schnurstracks von einem Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke – und zwar auf Socken und ohne Seife im Gepäck! Er betreibt im Auftrag des britischen Inlandsgeheimdienstes MI5 das sogenannte Slough House (das versumpfte Haus sozusagen), in dem Spione, die aus dem ein oder anderen Grund aufs Abstellgleis geraten sind – „Slow Horses“ eben – verzweifelt ihre Zeit rumzubringen versuchen, bis sie entweder aus Frust den Dienst quittieren oder sich bewähren und wieder für höhere Aufgaben empfehlen.

Ein bunt gemischtes Agenten-Team stümpert sich durch Ermittlungen

Einer von diesen ist der junge Heißsporn River Cartwright (Jack Lowden), der eine komplexe Antiterrorübung während seiner Ausbildung grandios vergeigte und nun sein Temperament zügeln muss, um bei Künftigem kühleren Kopf zu bewahren und sich von seinem Draco-Malfoy-artigen Gegenspieler James „Spider“ Webb (Freddie Fox) nicht allzu sehr provozieren zu lassen, der ihn damals wohl kalkuliert reingeritten hatte. River ist sozusagen Spion in dritter Generation, denn bereits sein Großvater David (Jonathan Pryce) war beim Amt und fungiert nun öfters mal als weiser Ratgeber für den Agentenlehrling. Als kompromittierende Verbindungen höherer Regierungskreise zu rechten Netzwerken ruchbar werden und dann auch noch der Sohn eines einflussreichen Militärs einer fremden Macht verschwindet, mutmaßlich entführt wurde, hält es auch die Insassen von Slough House nicht mehr hinter ihren Tischen voller Aktenberge, und ein bunt gemischtes Team stümpert sich durch erste Ermittlungen, zunächst ohne Wissen und Billigung durch ihren Boss Lamb.

Gary Oldman, der Star der Show, gibt den Abgehalfterten als genialen Fiesling, mit natürlicher Autorität in jeder Szene, auch „nach oben“, gegenüber der gestrengen, leicht sinistren MI5-Direktorin Diana Taverner (Kristin Scott Thomas), obwohl er es mit seinem Anticharme des leicht ungewaschenen alten Mannes etwas übertreibt, der schon zum beziehungsweise als Frühstück doppelte Whiskys kippt.

Desillusionierende Entzauberung des Spionagealltags

Der Serie gelingt es, im klassischen Set-up des Agententhriller-Genres britischer Provenienz neue Schwerpunkte zu setzen im Spannungsfeld von Früher und Heute sowie, in der Gegenwart, zwischen Alt und Jung. Wobei die desillusionierende Entzauberung des Spionagealltags mittlerweile beinahe selbst schon zum Repertoire des Genres gehört: die Agenten warten ewig in Slough House herum, reden manches Mal einfach Blech und verschieben viel Papier, bis – vielleicht, wenn sie Glück haben – einmal ein kleiner Außeneinsatz im Café um die Ecke ansteht. Hier gemahnt „Slow Horses“ deutlich an das Muster von „Bube, Dame, Ass, Spion“ (2011). Die Allgegenwärtigkeit und Allmacht computergestützter Ermittlungsarbeit (durch einen asiatisch-stämmigen Nerd) verweist dagegen eher auf eine Traditionslinie von „24“ (2001–2010) bis zu James Bonds aktuellem Quartermaster. Es ist wahrlich ein „Strange Game“ (so röhrt Mick Jagger jeweils sehr passend im Abspann), das hier gespielt wird, – um im Jargon zu bleiben. Und es dürfte in ihm noch manche Überläufer von dieser zu jener Seite geben im Verlaufe der ersten Staffel. Was sich mit Spannung und Amüsement goutieren lässt, weniger der im Grunde konventionellen Geschichte wegen als ob des hochkarätigen und sehr stimmig zusammengesetzten Schauspielerensembles, das in allen möglichen Kombinationen darstellerisch überzeugt.

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