Meine schrecklich verwöhnte Familie

Komödie | Frankreich 2020 | 95 Minuten

Regie: Nicolas Cuche

Ein Millionär täuscht seinen drei erwachsenen Kindern vor, dass er bankrott sei, und flieht mit ihnen aus der herrschaftlichen Villa in ein beengtes, armseliges Landhaus bei Marseille. So will er seine verwöhnten Sprösslinge zu mehr Verantwortung und Selbstständigkeit erziehen. Die oberflächliche Komödie interessiert sich jedoch nicht für soziale Ungleichheit, sondern will mit komischen Situationen vorrangig unterhalten. An den stereotypen Figuren nimmt man jedoch nur wenig Anteil; einzig der Vater löst mit seiner Trauer über den Verlust seiner Frau und dem Bedauern über die Entfremdung von seinen Kindern Empathie aus. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
POURRIS GÂTÉS
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2020
Regie
Nicolas Cuche
Buch
Nicolas Cuche · Laurent Turner
Kamera
Tristan Tortuyaux
Musik
Alexandre Azaria
Schnitt
Frédérique Olszak
Darsteller
Gérard Jugnot (Francis Bartek) · Camille Lou (Stella Bartek) · Artus (Philippe Bartek) · Louka Méliava (Alexandre Bartek) · Tom Leeb (Juan Carlos)
Länge
95 Minuten
Kinostart
12.05.2022
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie

Komödie um einen reichen Franzosen, der seine drei verwöhnten Kinder durch ein Täuschungsmanöver zu mehr Verantwortung und Selbstständigkeit bewegen will.

Diskussion

Faul, arrogant und verschwenderisch – solche Kinder hat eigentlich kein Vater verdient. Doch vielleicht ist Francis Bartek selbst schuld daran, dass sein Nachwuchs so missraten ist. Als reicher Geschäftsmann aus Monaco kümmert er sich nur um seine Arbeit und scheffelt Millionen; für Aufmerksamkeit und Erziehung bleibt da keine Zeit. Zudem ist seine Frau schon vor 15 Jahren gestorben. Mehrmals sieht man ihm dabei zu, wie er noch immer mit ihrem Porträt auf einem Sims spricht; ihren Verlust hat er noch immer nicht überwunden.

Seine drei erwachsenen Kinder sind ihm kein Trost, im Gegenteil: Stella gibt das Geld ihres Vaters mit vollen Händen in schicken Edelboutiquen aus und leistet sich einen etwas beschränkten Gigolo. Alexandre ist von der Universität geflogen und schläft mit den Müttern seiner Kommilitoninnen. Philippe hingegen soll einmal das Familiengeschäft übernehmen. Doch ist er auch der Richtige dafür? Immer wieder nervt er seinen Vater mit absurden Verkaufsideen.

Die Geschichte einer Heuchelei

Irgendwann platzt Francis Bartek der Kragen. Unter dem Vorwand, insolvent zu sein und polizeilich gesucht zu werden, lockt er seine Kinder in das alte, renovierungsbedürftige Haus seines Vaters in Marseille. Geld für den Lebensunterhalt habe er keines mehr. Da müssten jetzt alle anpacken und arbeiten! Für die drei Kinder ist das ein ungewohnter Gedanke.

„Eine schrecklich verwöhnte Familie“ von Nicolas Cuche basiert auf der mexikanischen Komödie „Die Kinder des Señor Noble“ (2013), die wiederum auf dem Theaterstück „El gran calavera“ von Adolfo Torrado Espada beruht, das 1949 schon als Vorlage für den gleichnamigen Spielfilm von Luis Buñuel diente. Es ist die Geschichte einer Heuchelei. Ein Millionär täuscht seinem Nachwuchs den Bankrott vor, um diesen zur Selbstständigkeit zu erziehen. Aus der herrschaftlichen Villa im mondänen Monaco geht es in ein beengtes, armseliges Umfeld ohne Komfort. Der Kontrast, der sich daraus ergibt, bleibt allerdings erstaunlich blass.

Die Inszenierung interessiert sich nicht für soziale Ungleichheit, wie es sie in Frankreich sehr wohl gibt. Reale Strukturen und gesellschaftliche Widersprüche kann und will der Film nicht abbilden. Es geht vielmehr darum, mit komischen Situationen zu unterhalten, die sich allerdings im karikierten Hedonismus der Sprösslinge erschöpfen. Stellas übertriebene Kauflust, Alexandres Verantwortungslosigkeit in Liebesdingen und Philippes Weltfremdheit in der Arbeitswelt sorgen für oberflächlichen Slapstick, aus dem sich jedoch kaum eine Kritik am Modediktat oder Konsumterror ablesen lässt. Zu sehr erscheinen die Kinder als grob geschnitzte Stereotypen, die ihre negativen Eigenschaften wie Schilder vor sich hertragen. Einige Nebenfiguren wie der Latin Lover sind in ihrer satirischen Überzeichnung geradezu unerträglich.

Der Vater weckt Empathie

Augenfälliger sind andere Aspekte, etwa Vertrauen und Verbundenheit. Wenn ein Vater nur durch eine Scharade seine Kinder auf die Realität des Alltagslebens vorbereiten kann, ist in der Erziehung deutlich was schiefgelaufen. Bartek hat als Vater versagt und damit jenen Respekt verspielt, den er jetzt zurückgewinnen will. Er ist das Zentrum des Films. Gérard Jugnot spielt ihn engagiert und lebendig als Mann, der sich nicht nur mit dem Tod seiner Frau abfinden lernt, sondern auch die Entfremdung von seinen Kindern bedauert. Wenigstens in dieser Figur liegt so etwas wie eine emotionale Wahrheit verborgen.

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