Abenteuer | USA 2022 | 408 (acht Folgen) Minuten

Regie: Shari Springer Berman

Ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum ermöglicht es einem US-amerikanischen Seniorenpaar, sich allabendlich auf einem fernen Planeten dem Anblick eines fremden Himmels zu widmen. Dabei sind sie nicht die Einzigen, die Zutritt zu solch einem Wurmloch haben. Ein Mann ohne Gedächtnis gelangt zu ihnen auf die Erde, und eine Mutter und ihre Tochter aus Argentinien reisen ebenfalls in die USA. Die Science-Fiction-Serie legt weniger Fokus auf die fantastischen Elemente als auf die emotionale Studie der einzelnen Charaktere, wodurch berührende Porträts entstehen. Leider gelingt es gegen Ende nicht, die Handlungsstränge um das mysteriöse Loch zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
NIGHT SKY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Shari Springer Berman · Jessica Lowrey · Robert Pulcini · Juan José Campanella
Buch
Holden Miller
Kamera
Andrew Wehde · Pablo Desanzo · Ashley Connor
Musik
Danny Bensi · Saunder Jurriaans
Schnitt
Josh Beal · Sharidan Williams-Sotelo · Joe Giganti
Darsteller
J.K. Simmons (Franklin York) · Sissy Spacek (Irene York) · Chai Hansen (Jude) · Adam Bartley (Byron) · Cass Buggé (Jeanine Albermarle)
Länge
408 (acht Folgen) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12 (Ep.1: ab 6)
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Abenteuer | Drama | Mystery | Serie

Mystery-Serie um ein altes Paar, das unter seinem Garten in einer Kammer ein wurmlochartiges Tor zu einem futuristischen Raum auf einem fremden, verlassenen Planeten entdeckt hat. Als ein rätselhafter junger Mann in das Leben der beiden tritt, sorgt das für Unruhe.

Diskussion

Statt Fernsehen schauen Franklin (J.K. Simmons) und Irene (Sissy Spacek) abends gerne gemeinsam Sterne an. An sich wäre das nichts Ungewöhnliches für ein Rentnerehepaar im ländlichen Illinois. Doch die beiden sehen sich nicht den Nachthimmel über ihrem Einfamilienhaus an, sondern reisen durch ein mysteriöses Loch im Raum-Zeit-Kontinuum, das sich auf ihrem Grundstück befindet, in ihr zweites Wohnzimmer: eine futuristische Kapsel mit großer Glasscheibe und Blick auf eine fremde Planetenlandschaft und Sternenwelt. 856 Male war das Paar schon dort. Franklin fragt, ob Irene und er nicht mal was anderes machen wollen. Essen gehen oder Filme schauen?

Aufgeben möchten die beiden ihr Geheimnis dennoch nicht. Auch wenn Irene teilweise aufgrund eines Unfalls im Rollstuhl sitzen muss und Franklin an Altersdemenz leidet (einmal vergisst er seine Frau in der Arztpraxis), entscheidet sich das Paar gegen ein Altersheim. Das löst Sorgen bei ihrer Enkelin Denise (Kiah McKirnan) und Irenes Ärztin aus. Aber das Paar im hohen Alter liebt und genießt die Zweisamkeit. Franklin bittet einmal seine Frau beim Abendessen, noch mindestens 100 Jahre alt zu werden. Sie verspricht es ihm, greift seine Hand und sieht ihm fest in die Augen, obwohl beide über die Unmöglichkeit dieses Versprechens wissen.

Ein Paar für die Ewigkeit

Die erste Episode von „Night Sky“ konzentriert sich ganz auf das Ehepaar, das hervorragend gespielt von Sissy Spacek und J.K. Simmons die Fragilität des Alters und gleichzeitig eine Verbundenheit für die Ewigkeit verkörpert. Die Science-Fiction-Elemente treten fast komplett hinter dem sensiblen Senioren-Drama zurück. Das Raum-Zeit-Loch wirkt eher wie ein rätselhaftes Symbol für das Festhalten an Gewohnheiten oder für die Beunruhigung vor dem Altern und dem eigenen Tod. Die Folge setzt sich ernsthaft mit den Hoffnungen und Ängsten des Paares auseinander.

Erst in der zweiten Episode wird ein zweiter Schauplatz fernab von Amerika etabliert: In den kahlen Bergen von Argentinien leben Stella (Julieta Zylberberg) und ihre Tochter Toni (Rocío Hernández) in einer Hacienda mit vielen Lamas. Die Tochter hilft der Mutter mit den Tieren. Im Gegenzug fährt Stella die Tochter mit einem Pick-up-Wagen zur Schule in die nächstliegende Stadt. Dort ist Toni eine Außenseiterin, weil in der Kapelle neben der Hacienda ein Sektenkult praktiziert wurde. Tatsächlich befindet sich dort eine magische Kapsel wie die von Franklin und Irene. Erst spät klärt Stella ihre Tochter über das Geheimnis auf. Zusammen reisen sie so nach Newark. Amerika und Argentinien scheinen aus dieser Sicht dann doch nicht so weit auseinander zu liegen.

Bei Irene und Franklin taucht eines Tages ein verwundeter Mann (Chai Hansen) in der Raum-Zeit-Kapsel auf. Er blutet stark, aber kann sich an nichts mehr erinnern. Irene beginnt sehr zum Misstrauen ihres Manns, den Fremden zu pflegen. Ein Foto zeigt einen Vater und ein Baby. Der Mann erinnert sich vage an seinen verschwundenen Vater. Das Seniorenpaar hat seinerseits vor vielen Jahren den eigenen Sohn durch Selbstmord verloren. Irene und der Fremde begreifen sich zunehmend als Ersatzfamilie, was auch später Franklin einsieht, als er merkt, dass der Fremde nichts Böses will, sondern selbst gejagt wird.

Vernetzung ohne Verdichtung

Showrunner Holden Miller und seine Autoren verweben disparate Geschichten, die nicht immer zusammenpassen. Anhand von zwei Handlungssträngen plus zahlreicher Nebenhandlungen entspinnt sich ein Netz aus Verbindungen und auch losen Enden. Nicht jeder Sub-Plot ist dabei notwendig für das Vorantreiben der Haupthandlung; etwas Reduktion hätte der Dramaturgie gutgetan. Die Stärke der Serie liegt nichtsdestotrotz in den empathischen Porträts sehr unterschiedlicher Charaktere. Franklin ist ein sehr sturer Eigenbrötler, während Irene sich freundlich und einladend gegenüber dem Fremden gibt. Doch sie trägt auch eine gewisse Lebensmüdigkeit in sich. Stella und ihre Tochter sind ebenfalls ein kontroverses Gespann.

Ein bisschen erinnert die Serie mit ihrer erzählerisch eher losen Struktur an „Tales from the Loop“, eine Science-Fiction-Serie, in der die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt mithilfe von Zeitkapseln die Regeln der Physik durchbrechen, um sich ihren traurigen oder traumatischen Erinnerungen zu stellen. Das Zeitreise-Thema wird in beiden Serien ohne viel Spektakel fast wie nebenbei eingeflochten und lässt Raum für Anderes: Es sind weniger die Effekte, die zählen, als die Emotionen.

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