Jonas Deichmann - Das Limit bin nur ich

Dokumentarfilm | Deutschland 2021 | 110 Minuten

Regie: Markus Weinberg

Im Sommer 2020 startete der deutsche Extremsportler Jonas Deichmann zu seinem „Triathlon 360°“, bei dem er in 429 Tagen die Welt laufend, schwimmend und auf dem Rad umrundete. Der Film dokumentiert diese Tortur, wobei der sympathisch bescheidene Protagonist oft auch als sein eigener Smartphone-Kameramann fungiert. Neben den körperlichen Mühen und Widrigkeiten geht es vielfach auch um menschliche Begegnungen, Restriktionen durch die Corona-Pandemie als zusätzliche Herausforderung sowie andere Erlebnisse aus seinem Leben. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2021
Regie
Markus Weinberg · Steffi Rostoski
Buch
Markus Weinberg
Kamera
Hans Bauer · Uwe Nadler · Armin Riedel · Daniel Rintz · Markus Weinberg
Musik
Dan Riley
Schnitt
Javier Sobremazas
Länge
110 Minuten
Kinostart
19.05.2022
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm | Dokumentarisches Porträt | Sportfilm

Dokumentation über einen Extremsportler, der die Welt bei seinem „Triathlon 360°“ schwimmend, laufend und per Rad umrundete.

Diskussion

Was macht ein Mensch, der in 64 Tagen von Portugal bis Wladiwostok geradelt ist und dem auch die Strecken Alaska-Feuerland oder vom Nordkap bis Kapstadt nicht zu weit waren? Er sucht sich neue Herausforderungen. So sattelte Jonas Deichmann vom Radfahrer auf Triathlet um. Nach ein paar Wettbewerben in Europa, bei denen er oft gleich mehrere dieser Torturen hintereinander bewältigte, fasste er den aberwitzigen Entschluss, schwimmend, radelnd und laufend die Welt zu umrunden. Was ungefähr der 120-fachen Ironman-Distanz entspricht und selbstredend ein Weltrekord ist.

Am 26. September 2020 startete er in München, von wo es per Rad entspannt nach Kroatien ging. Dort begann mit dem Schwimmen Deichmanns am wenigsten geliebte Disziplin. 450 Kilometer bis Dubrovnik, wobei er ein paar Habseligkeiten wie Schlafsack, Kocher und Notproviant auch noch in einem Schwimmsack hinter sich herzog. Wieder an Land und auf dem Rad hätte er eigentlich die Strecke an die russische Ostküste wählen können, die er ja bereits kannte. Doch die Pandemie-Beschränkungen machten dem Triathleten einen Strich durch die Rechnung. Das sollte ihm im Laufe seines Trips noch mehrfach passieren. Die meisten Probleme habe ihm nicht sein Körper, sondern Corona gemacht, erklärt Deichmann gegen Ende des Films, der seine Weltumrundung dokumentiert.

In 429 Tagen um die Welt

Nicht alle der 429 Tage, die seine Tour dauerte, wurde der Extremsportler von einem Filmteam begleitet. Deichmann ist deshalb auch sein eigener Smartphone-Kameramann, wenn er etwa bei Wind und Wetter durch einsame sibirische Weiten radelt oder mit dem Aufbau seines Mini-Zeltes kämpft. Schließlich muss er ja auch täglich seine Follower in den Sozialen Netzwerken mit Material versorgen.

Da so ein Unterfangen auf Dauer ziemlich anöden würde, wenn der Protagonist immer nur bei seinen sportlichen Höchstleistungen zu sehen wäre, nehmen die menschlichen Begegnungen am Rande der Strecke einen großen Raum ein. Mehrfach richten ihm freundliche Mechaniker sein demoliertes Rad oder bieten dem durchnässten Fremden im verschneiten Sibirien eine heiße Suppe und ein Bett für die Nacht an. Einigermaßen absurd wird es in Mexiko, wo Deichmann seine 5000 Kilometer Laufstrecke absolviert. Anfangs sind seine Begegnungen noch spärlich, doch dann entwickelt sich zunehmend ein Hype um den deutschen „Forrest Gump“, wie man ihn bald nennt. Ständig wird er von anderen Läufern begleitet, mal bekommt er sogar eine Polizei-Eskorte, und nahezu täglich berichten die lokalen Fernsehsender über ihn. Und wie es der Zufall will, findet der bekennende Single unterwegs auch noch eine neue Liebe.

Zu diesen Sequenzen kommen eingeschnittene Statements von Deichmanns Eltern, denen man entnehmen kann, dass der kleine Jonas einst ein schwächliches Kind war, aber enormen Ehrgeiz entwickelte. Deichmann setzt sich aber auch immer wieder selbst vor die Kamera oder sein Smartphone und erzählt aus seinem Leben. So erfährt man, dass der Bürojob in einer Softwarefirma, den er nach dem BWL-Studium antrat, nichts für ihn gewesen sei, dass das Fahrrad ihm die Freundin ersetze und ein Opa, der einst nach Afrika auswanderte, so etwas wie ein Vorbild für ihn sei. Man sieht Deichmann zu, wie er seinen 35.Geburtstag allein feiert und dabei in hörbar trockene Tütenkekse beißt. Wenn ihm am Baikalsee über Nacht die Kette einfriert, weiß er sich auch zu helfen: Ein ordentlicher Strahl Urin hilft!

Ein bescheidener, sympathischer Zeitgenosse

„Jonas Deichmann – Das Limit bin nur ich“ lebt nicht zuletzt davon, dass sein Protagonist kein Poser ist, der sich ständig seiner Großtaten rühmt, sondern ein bescheidener, sympathischer Zeitgenosse. Ein positiv Verrückter, der auf der letzten Radetappe von Lissabon nach München in Südfrankreich eben mal kurz den Mont Ventoux erklimmt, an dem schon so mancher Tour-de-France-Profi gescheitert ist. Die sparsam mit Musik unterlegte Dokumentation porträtiert einen sympathischen Sport-Junkie, die unter den zahlreichen, ähnlich angelegten Produktionen der letzten Jahre zu den besseren gehört, aber nicht ganz ohne Redundanzen ist.

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