Veganer schmecken besser

Komödie | Frankreich 2021 | 84 Minuten

Regie: Fabrice Eboué

Ein Metzger-Paar kämpft mit dem drohenden Ruin und dem Scheitern seiner Ehe. Durch einen Unfall, bei dem ein Veganismus-Aktivist ums Leben kommt, und die „Entsorgung“ der Leiche in der Metzgerei eröffnet sich jedoch ein neuer Geschäftszweig. Ein schwarzhumorig-überspitztes Gesellschaftsbild rund um ideologisch aufgeheizte Esskultur-Fronten und die Untiefen der Fleischindustrie. Mit humoristischem Timing und skurrilen Situationen baut sich zunehmend das Dilemma des Ehepaares auf, bevor die Frage der Moral zugunsten des makabren Exzesses gänzlich über Bord geworfen wird. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
BARBAQUE
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2021
Regie
Fabrice Eboué
Buch
Fabrice Eboué · Vincent Solignac
Kamera
Thomas Brémond
Musik
Guillaume Roussel
Schnitt
Alice Plantin
Darsteller
Marina Foïs (Sophie Pascal) · Fabrice Eboué (Vincent Pascal) · Jean-François Cayrey (Marc Brachard) · Lisa Do Couto Texeira (Chloé Pascal) · Virginie Hocq (Stéphanie Brachard)
Länge
84 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 18; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 18.
Genre
Komödie | Splatterfilm

Heimkino

Verleih DVD
SquareOne
Verleih Blu-ray
SquareOne
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Splatterkomödie um ein verzweifeltes Metzger-Ehepaar, das seinen Bankrott durch den Verkauf von Menschenfleisch abwenden will.

Diskussion

Was darf’s heute sein: Einige Scheiben Seranoschinken? Ein Paar Pfefferbeißer? Oder doch nur gemischter Aufschnitt? Wer regelmäßig an der Metzgertheke steht und den Blick über die verlockende Auslage schweifen lässt, kennt diese Überlegungen nur zu gut. Für Fleisch- und Wurstfans ist die Metzgerei ein Genusstempel mit dem Metzger als Zeremonienmeister, der mit Rat und Probierhäppchen bei der Entscheidungsfindung hilft. Aber was wäre, wenn der freundliche Mann hinter dem Tresen etwas Furchtbares verschweigt?

Die Pascals haben Probleme. Die kleine Metzgerei des Ehepaars wirft kaum noch Profite ab, die Kunden wandern zu großen Kommerzbetrieben ab. Das schlägt natürlich aufs Gemüt, weshalb Vincent (Fabrice Eboué) und Sophie (Marina Foïs) sich abseits des Verkaufstresens nichts mehr zu sagen haben. Der Zerfall von Geschäft und Ehe scheint unvermeidbar, als Vincent versehentlich einen radikalen Veganismus-Aktivisten mit dem Auto überfährt. Die Leiche muss weg, bevor die Polizei davon Wind bekommt. In seiner Not schafft er den Toten in seine Metzgerei und verarbeitet ihn dort zu Schinken, um ihn leichter als Lebensmittelabfall zu entsorgen. Am nächsten Morgen verkauft seine unwissende Frau jedoch das neue Produkt im Laden, was bei den Kunden auf außerordentliches Interesse stößt – die schon bald nach mehr verlangen.

Mit Tiermasken und Farbbomben

Fabrice Eboué versteht sein Handwerk. Der gebürtige Pariser hat sich als bitterböser Komiker auf den Bühnen Frankreichs einen Namen gemacht. Dort arbeitet er sich an sämtlichen Religionen, Ethnien und Berufsfeldern ab, jedoch nie ohne moralischen Fingerzeig. Für seine zweite Regie-Arbeit „Veganer schmecken besser“ hat sich Eboué augenscheinlich die Veganismus-Bewegung vorgenommen, um diese durch den (kuhmilchfreien) Kakao zu ziehen.

Mit grobem Pinsel zeichnet Eboué das Bild einer gewaltbereiten Aktivistenszene, die sich nach außen als friedfertige Bewegung des kulinarischen Zeitgeists präsentiert. Abseits der einladenden Treffen bei Haferkeksen und beutellosem Tee agiert jedoch eine kleine Zelle von Extremisten, die nachts in Maleranzügen und Tiergummimasken die städtischen Metzgereien mit Graffiti und Farbbomben heimsucht. Auch Eboués introvertierter Metzgermeister Vincent wird Ziel eines solchen Anschlags, wobei er einem Angreifer jedoch die Maske herunterreißen kann. Diese Begegnung legt den Grundstein für das nachfolgende Dilemma, als Vincent den Aktivisten auf einem Fahrrad wiedererkennt – und geistesabwesend den Rückwärtsgang einlegt.

Kannibale wider Willen

Nach dem Unfall steuert der Film absehbar, aber unterhaltsam auf den einzigen logischen Ausweg zu: Die Pascals müssen zu mörderischen Kannibalen werden. Auf diesem Weg bekommen wir einen tieferen Einblick in die gescheiterte Ehe von Vincent und Sophie, die außer dem geteilten Ehebett keinerlei Gemeinsamkeiten mehr zu haben scheinen. Vincent fokussiert sich vollends auf seine Arbeit und massiert lieber Schweinelenden statt seiner Ehefrau. Die hingegen vergräbt sich in True-Crime-Fernsehsendungen und macht aus ihrer Abneigung gegen ihren lethargischen Gatten auch vor Kundschaft keinen Hehl. Einzig die gemeinsame Tochter Chloé hält die Auseinanderdriftenden zusammen – bis ihr neuer Veganer-Freund auf den Plan tritt. Für die zwangsweise erste Begegnung zwischen den beiden Paaren setzt Eboué auf ein klassisches Familienessen, das sich durch die krassen Positionen zu einem herrlich überspitzten Schlagabtausch zuspitzt.

Generell treten sämtliche Figuren als zynisch übertriebene Stereotypen auf, die genrebedingt keinen Platz für tiefgängige Entwicklungen anbieten. Das erinnert etwa an aktuelle französische Mainstream-Komödien von Dany Boon. Diese Entwicklungen braucht es aber auch nicht, da die fehlenden Sympathien zugleich Raum für die bloße Schaulust am moralisch Verwerflichen freigeben. Auch das befreundete Ehepaar Brachard als Vertreter der globalisierten Fleischereiketten zahlt auf dieses Konto ein, da deren einziger Lebenszweck aus dem Verkünden von Verkaufszahlen und neu erworbenen Ferienhäusern durch Ausbeutung sowie Diskriminierung von Minderheiten zu bestehen scheint.

Freude an der Fleischeslust

Nach dem Unfall und Sophies versehentlichem Verkauf des (später deklarierten) „iranischen Schweins“ entpuppt sich vor allem die Ehefrau als treibende Kraft hinter dem neuen Geschäftsmodell. Zwischen charmantem Umgarnen und aggressiver Nötigung bearbeitet sie ihren zutiefst erschütterten Mann, der schlussendlich auch dem einzigartigen Geschmack des Steaks auf seinem Teller verfällt. Ab diesem Zeitpunkt wirft Eboué den zuvor noch ausschlagenden Moralkompass komplett über Bord und schickt seine entfesselten Protagonisten auf einen bitterbösen Trip aus brutaler Veganer-Treibjagd und orgastischer Fleischeslust.

Handverlesene Opfer werden zu abgelegenen Plätzen gelockt, um sie hinterrücks mit dem Jagdgewehr zu erlegen – alles natürlich stressfrei, denn das Fleisch soll ja zart bleiben. Die Pascals legen auch in der anschließenden Verarbeitung in der Metzgerei jegliche moralische Hemmung ab und entdecken neben ihrer neuentflammten Liebe zueinander auch den Spaß am Hantieren mit abgetrennten Gliedmaßen. Fabrice Eboué und seine Filmfrau Marina Foïs lassen sich lustvoll darauf ein und präsentieren sich als kultig-morbides Mörderpaar. Neben solch absurden Effektspielereien streift Eboué jedoch auch immer wieder gesellschaftliche Kritikebenen. Wenn sich etwa die Kunden bereits früh morgens die Nasen an den verschlossenen Türen plattdrücken, schwingt unter dem humoristischen Deckmantel auch etwa die Kritik am aktuellen Konsumverhalten mit. Damit stößt „Veganer schmecken besser“ in dasselbe grobschlächtige, aber durchaus amüsante Horn wie Mimi Caves Kannibalenhorror „Fresh“ und weiß seine schwarzhumorigen Eskapaden unterhaltsam auszuspielen.

 

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