God's Favorite Idiot

Komödie | USA 2022 | 211 (Staffel 1; 8 Folgen) Minuten

Regie: Michael McDonald

Ein unauffälliger Büroangestellter wird von einem Blitz getroffen, beginnt von innen heraus zu leuchten und erfährt schließlich durch einen Engel, dass Gott ihn auserwählt hat. Das bringt ihm jede Menge Scherereien ein, weil ein evangelikaler Prediger in ihm einen Konkurrenten wittert, vor allem aber, weil der Endkampf zwischen Gut und Böse droht und Satan selbst ihn nun ins Visier nimmt. Die Fantasy-Sitcom teilt als Religionssatire zwar einige witzige Seitenhiebe auf christlichen Fundamentalismus aus und spielt in ihren besten Momenten mit den inneren Widersprüchen des Glaubens. Der Plot wird jedoch zu sehr mit anderen Elementen verwässert, um eine stringente Stoßrichtung zu finden. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
GOD'S FAVORITE IDIOT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Michael McDonald
Buch
Ben Falcone · Melissa McCarthy
Kamera
Judd Overton
Musik
Fil Eisler
Darsteller
Melissa McCarthy (Amily Luck) · Ben Falcone (Clark Thompson) · Kevin Dunn (Gene Thompson, Clarks Vater) · Usman Ally (Mohsin Raza) · Ana Scotney (Wendy)
Länge
211 (Staffel 1; 8 Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie | Serie

Eine Fantasy-Sitcom des Duos Ben Falcone/Melissa McCarthy: Ein Büroangestellter wird per göttlichem Blitzschlag zum Auserwählten Gottes, was ihm jede Menge Scherereien einbringt, nicht zuletzt deshalb, weil die Apokalypse ins Haus steht.

Diskussion

Das Universum ist wie Baklava, lässt Gott – in Gestalt einer molligen Matrone mit Strickjäckchen und silbrigweißer Dauerwelle – ihren Auserwählten Clark (Ben Falcone) in einer Folge wissen. Inwiefern genau dieser Vergleich mit dem Blätterteig-Süßgebäck erhellend sein soll, kapiert Clark nicht wirklich. Was ziemlich bezeichnend ist für sein Verhältnis zur Schöpferin: Seit ihn ein göttlicher Strahl wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen und ihm kurz darauf ein Engel namens Chamuel (Yanic Truesdale) verkündet hat, dass er von Gott auserwählt sei, ist sein vorher überschaubares Dasein als kleiner Büroangestellter eine einzige Konfusion geworden. Dass er nun gelegentlich von innen heraus leuchtet, bringt ihm nichts als Scherereien ein. Und wie er konkret seine Aufgabe als Prophet ausfüllen soll, lassen die himmlischen Mächte völlig im Vagen. Als wenig später Clarks Vater nach einer hinterhältigen Attacke von Satan höchstselbst im Krankenhaus liegt und Clark damit hadert, wie Gott so etwas zulassen kann, verweist seine Kollegin Amily (Melissa McCarthy) einigermaßen hilf- und ratlos auf die „rätselhaften Wege“ Gottes.

Fünf Bürokollegen gegen die drohende Apokalypse

Das auch im Privatleben liierte Komödien-Gespann Falcone/McCarthy („Thunder Force“, „Superintelligence“) hatte mit seiner neuen Fantasy-Sitcom, in der die jenseitigen Mächte plötzlich leibhaftig auf Erden wandeln und ins Schicksal gegenwärtiger Menschen hineinpfuschen, wohl etwas in Richtung des satirischen Fantasy-Romanklassikers „Good Omens“ (1990) im Sinn. Wie in Terry Pratchetts und Neil Gaimans turbulentem Endzeit-Irrsinn kristallisiert sich auch in „God‘s Favorite Idiot“ bald heraus, dass die Apokalypse ins Haus stehen könnte: Chamuel berichtet Clark und Amily von Gefechten zwischen den himmlischen und höllischen Heerscharen im Jenseits, bei denen es für die Engel nicht gerade zum Besten steht. Und als schließlich Satan (Leslie Bibb) bei Clark auf der Matte steht – als heiße Blondine im schwarzen Ledercatsuit – ist der sanftmütig-freundliche Mann selbst mittendrin im Endkampf zwischen Gut und Böse. Wenigstens steht er dabei nicht allein da, sondern hat die zupackende Amily an der Seite, auf die er schon lange ein Auge geworfen hat und mit der er nun endlich zarte Bande knüpft. Außerdem unterstützen ihn seine Kollegen Tom (Chris Sandiford), Wendy (Ana Scotney) und Mohsin (Usman Ally), die sich als „Council of Clark“ zum Jüngerkreis um ihn formieren.

Während Pratchetts und Gaimans Roman und die darauf beruhende Amazon-Serie aus dem Clash zwischen moderner Menschenwelt und biblischen Mächten ein wahres Feuerwerk an skurril-absurden Ideen rund um die christliche Eschatologie abfackelten, sodass sie letztlich ein vergnügter Schwanengesang auf den Glauben an höhere Mächte waren, fällt die Sitcom allerdings etwas dünn und beliebig aus. McCarthy und Falcone, die nicht nur die Hauptrollen spielen, sondern auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben haben, scheinen nicht recht zu wissen, wo sie mit ihrer Religionssatire hinwollen. Zwar werden streckenweise durchaus witzig fundamentalistisch-evangelikale Auswüchse in „God’s Own Country“ auf die Schippe genommen, wenn Satan beginnt, gemeinsame Sache mit einem populären Prediger (Leon Ford) zu machen, der Clark als Konkurrent ansieht und mit dem schwachsinnigen Slogan „Only the righteous are right“ für sich die alleinige Propheten-Autorität einfordert. Eine stringente religionskritische oder -affirmative Stoßrichtung findet die Serie jedoch nicht.

Wenn der Weltuntergang verwässert wird

Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die acht Folgen ihre Fantasy-Story mit zu vielen anderen Elementen verwässern, die das Tempo der Handlungsstränge rund um Clarks Mission und die drohende Apokalypse ausbremsen. Das gilt nicht zuletzt für die „Workplace Comedy“, die sich rund um die Kabbeleien und Liebeleien zwischen dem Duo Clark & Amily und ihren drei Büro-Kollegen entwickelt. Dank durchaus sympathisch gezeichneter Charaktere ist sie zwar nicht per se langweilig, aber die darin eingewobenen Gags – etwa um Toms übergriffig-skurrile Toilettenangewohnheiten, Missverständnisse rund um Wendys Frisur, Live-Action-Roleplay-Eskapaden von Tom und Amily, eine peinlich nach Hoden stinkende Duftkerze etc. – sind längst nicht originell genug, um die zahlreichen Ablenkungen vom himmlisch-höllischen Hauptplot zu rechtfertigen, die sich die Serie leistet.

Am Ende der achten Folge deutet schließlich das offene Ende darauf hin, dass eine zweite Staffel geplant ist. Falls es dazu kommen sollte, kann man nur hoffen, dass die Macher etwas stringenter bei der Sache bleiben.

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