Action | Island 2021 | 114 Minuten

Regie: Hannes Þór Halldórsson

Zwei von sich selbst mehr als überzeugte Polizisten glauben fest daran, dass hinter einer Serie von kuriosen Banküberfällen in Reykjavik nur ein Ablenkungsmanöver für einen weitaus größeren Coup steckt. Um dieses Rätsel zu lösen, müssen sie aber zusammenarbeiten und dabei nicht nur ihre Egos, sondern auch ihre unterschiedlichen Ermittlungsmethoden und andere Spannungen synchronisieren, wobei es zwischen den beiden schließlich funkt. Eine spielerische, wenngleich auch grobschlächtige Hommage an den Actionfilm der 1980er-Jahre, die mit viel Sinn für absurden Humor aufwartet und auch gegen die homophobe Grundtönung des Genres anspielt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
LEYNILÖGGA | COP SECRET
Produktionsland
Island
Produktionsjahr
2021
Regie
Hannes Þór Halldórsson
Buch
Hannes Þór Halldórsson · Nína Petersen · Sverrir Thór Sverrisson
Kamera
Elli Cassata
Musik
Kristján Sturla Bjarnason
Schnitt
Guðni Hilmar Halldórsson · Hannes Þór Halldórsson
Darsteller
Auðunn Blöndal (Bússi) · Egill Einarsson (Hörður) · Steinunn Ólína Þorsteinsdóttir (Þorgerður) · Vivian Ólafsdóttir (Stefanía) · Sverrir Thór Sverrisson (Klemenz)
Länge
114 Minuten
Kinostart
23.06.2022
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Gangsterfilm | Komödie | Polizeifilm | Thriller

Actionkomödie um zwei isländische Polizisten, die hinter einer Reihe kurioser Banküberfälle ein Ablenkungsmanöver für etwas viel Größeres vermuten.

Diskussion

Wenn schon der Radiomoderator die Menschen in Island mit den Worten weckt: „Ich habe das Gefühl, dass heute etwas Großes passiert“, dann kann man davon ausgehen, dass er nicht untertreibt. Zumindest wenn das auch die ersten Worte in einem Film sind, dessen Musik schon im Vorspann dieselben ikonenhaften Takte bemüht wie weiland Mark Mancina in „Bad Boys“. Wenn dann auch noch die beiden Polizisten Bússi (Auðunn Blöndal) und Klemenz (Sverrir Thór Sverrisson) im gleichen Moment damit beschäftigt sind, die ganz in schwarzes Leder gekleidete Motorradfahrerin Stefania (Vivian Ólafsdóttir) mit 180 Stundenkilometern über die Stadtautobahn und durch Einkaufszentren zu jagen, kann man davon ausgehen, dass in „Cop Secret“ von Hannes Þór Halldórsson vor allem ein Stilmittel in den Vordergrund rückt: Action!

Allerdings ist der isländische Ansatz im Umgang mit Versatzstücken aus dem Hollywood-Baukasten ein wenig ungestüm und sorglos; manche würden auch sagen: kreativ. Das erkennt man schon allein daran, dass man ganz beiläufig mitbekommt, wie auf dem Rücksitz von Bússis Pontiac Firebird der vierjährige Sohn von Klemenz unangeschnallt herumturnt, weil er eigentlich vor Dienstbeginn noch schnell in den Kindergarten sollte.

Made in Island

„Cop Secret“ ist, das wird schon im Vorspann klar, eine Reminiszenz an das Kino von Martin Brest, Tony Scott und Michael Bay, nur dass hier nicht Eddie Murphy oder Will Smith am Steuer sitzen, sondern Schauspieler, die in ihrem Heimatland auch unter den Spitznamen „Auddi Blö“ (Blöndal) und „DJ Muscle Boy“ (Einarsson) bekannt sind. Inszeniert wird der Film nicht von einem Profi, der es versteht, ein großes Budget in einen Blockbuster zu verwandeln, sondern von einem Profi der isländischen Fußballnationalmannschaft.

Bedenkt man all dies, macht vieles plötzlich Sinn: Das „Große“, von dem der Radiomoderator eigentlich spricht, ist das Frauenfußballnationalspiel zwischen Island und England. Die prägnante Nebenrolle, die von Mittelfeldnationalspieler und „Let’s Dance“-Star Rúrik Gíslason bekleidet wird. Schließlich die kamikazehafte Grobschlächtigkeit des Protagonisten, dem man im echten Leben so wenig begegnen möchte wie dem aus dem Strafraum stürmenden Regisseur Halldórsson, wenn er als isländischer Fußballtorwart seine Hütte sauber halten will.

Was „Cop Secret“ inhaltlich zu bieten hat, unterscheidet sich auf den ersten Blick kaum von den Filmen, die in den 1980er-Jahren noch ins Kino kamen, später aber im Zuge der Videopremieren-Schwemme in den DVD-Regalen immer weiter nach unten wanderten. Denn Reykjavik wird hier von einer Welle nerviger Banküberfälle geplagt. Kurioserweise wird dabei nie etwas gestohlen. Könnte das nur ein Ablenkungsmanöver für etwas Größeres sein? Stefania, die von Bússi und Klemenz an jenem Morgen verfolgt wird, gilt als einer der Drahtzieher. Doch das ist zu kurz gegriffen, weil der eigentliche Kopf hinter der Serie ein anderer ist, nämlich ein Ex-Profimodellfreund eines künftigen Kollegen.

Pontiac Firebird versus BMW i8

Bevor Bússi das herausfindet, muss er sich erst mit diesem Kollegen aus dem Vorort herumschlagen. Denn in der Polizeiverwaltung gibt es unterschiedliche Zuständigkeiten. Wenn das Motorrad die Stadtgrenze von Reykjavik nach Garðabær überquert hat, ist Hörður (Egill Einarsson) zuständig. Bússi ist zwar der uneingeschränkte Super-Cop der Hauptstadt, doch auch er muss sich an die Regel halten, weshalb Klemenz aus dem Pontiac fliegt und Hörður als neuer Beifahrer Platz nimmt. Das birgt allerdings einiges an Spannungen, da sich der untersetzte Draufgänger Bússi mit ungewaschenem Feinrippunterhemd, großer Knarre und unsportlichem Verhalten und der gebildete Hörður aus dem Deluxe-Fitnessstudio und mit einem frischgeputztem BMW i8 ungefähr so gut leiden können wie Sylvester Stallone und Dolph Lundgren.

Dennoch taumelt die klischeebeladene Handlung über die Rivalen der Rennbahn nicht automatisch Richtung ziemlich beste Freunde. Denn hinter der toughen Fassade von Bússi verbirgt sich ein zumindest bisexueller Zeitgenosse, und da es Hörður mit den Geschlechterzuordnungen auch nicht so genau nimmt, beginnt plötzlich eine Art „raue Romanze“, wie man sie aus „Brokeback Mountain“, aber sicherlich nicht aus dem homophoben Actionkino der 1980er-Jahre kennt. Was in „Top Gun“ allenfalls unfreiwillig mitschwingt, wird in „Cop Secret“ explizit ausgetragen: gleichgeschlechtliches Verlangen. Da es sich hier aber in erster Linie um Action mit Betonung auf Komödie handelt, bekommt Bússi die eindeutigen Handlungen zunächst allerdings gar nicht mit, weil er nach Feierabend immer zu besoffen ist, um sich an die Details zu erinnern.

Elfmeter in letzter Sekunde

„Cop Secret“ beginnt als „Bad Boys”-Zitat, driftet dann Richtung „Nackte Kanone“-Albernheiten, um schließlich die Rollenbilder des US-amerikanischen Actionkinos gehörig auf den Kopf zu stellen. Das macht nicht immer Sinn, aber zumeist Spaß, da auch die Stunts zwar mit wenig Geld, aber mit Liebe zu Sujet inszeniert sind. Und wenn die Handlungsstränge am Ende im Fußballstadion beim Elfmeter in der letzten Minute zusammenfinden, kommt dank kluger Parallelmontage sogar ein wenig Spannung und Dramatik auf. Man sollte isländische Fußballer eben nicht unterschätzen, auch nicht beim Spielfilmdebüt.

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