The Outlaws (2017)

Action | Südkorea 2017 | 121 Minuten

Regie: Kang Yoon-Seong

In der Unterwelt des Seouler Stadtteils Garibong-dong droht ein Bandenkrieg. Ein brutaler Fremder beginnt den Konflikt zweier rivalisierender Gangs anzuheizen und lässt die brüchige, von einem schlagkräftigen Cop vermittelte und aufrecht erhaltene Ordnung regelrecht ausbluten. Im Chaos der Gewalt versucht der Polizist, die Oberhand zu behalten, und muss feststellen, dass seine alten Tricks nicht mehr funktionieren: Mord und Totschlag sind nicht mehr berechenbar. Formelhafter Actionfilm, der sich in holzschnittartigem Genre-Einerlei verliert, ohne komische und gewalttätig-actionreiche Elemente in eine stimmige Balance zu bringen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
BEOMJOIDOSI
Produktionsland
Südkorea
Produktionsjahr
2017
Regie
Kang Yoon-Seong
Buch
Kang Yoon-Seong
Kamera
Ju Sung-lim · Kim Yong-seong
Musik
Mowg
Schnitt
Kim Sun-min · Hwang Eun-ju
Darsteller
Ma Dong-seok (Ma Seok-do) · Yoon Kye-sang (Jang Chen) · Jo Jae-yoon (Boss Hwang) · Choi Gwi-hwa (Captain Jeon) · Im Hyung-joon (Do Seung-woo)
Länge
121 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Action | Krimi | Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Busch Media Group
Verleih Blu-ray
Busch Media Group
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Ein südkoreanischer Thriller um einen Bandenkrieg in Seoul, einen Cop, der die Ordnung aufrechterhalten will, und einen Fremden, der für blutige Eskalation sorgt.

Diskussion

Es ist kaum noch zu rekonstruieren, wann der Hype um das südkoreanische Kino eigentlich so richtig begonnen hat. Bong Joon-ho hat bereits vor seinem „Oscar“-Erfolg „Parasite“ eine ganze Reihe von großartigen Filmen gedreht und mit „Memories of Murder“ (2003) ein sehr frühes Meisterwerk seiner Karriere abgeliefert. Zeitgleich hat Park Chan-wook mit „Oldboy“ seinen wohl bekanntesten Film ins Kino gebracht. Das ist nun rund 20 Jahre her, und man ist bei diesem Zeitsprung noch nicht mal bei einem Filmemacher wie Kim Ki-Duk angelangt, der im Jahr 2000 mit „True Fiction“ und „Seom – Die Insel“ zwei berüchtigte und radikale Filme veröffentlichte. Irgendwann in dieser Zeit muss er begonnen haben, dieser Siegeszug. Da kam diese Welle ins Rollen, die schließlich mit „Parasite“ und der Netflix-Serie „Squid Game“ noch mal völlig neue Dimensionen erreichen sollte. Seitdem rätseln alle, was es mit K-Pop und Co. auf sich hat.    

Nun führt jede Hype-Welle unweigerlich zu einem Sog, in dem auch viel Unsinn mitgezogen wird: Das Interesse ist da, nun wirft man jeden kleinen Film auf den internationalen Markt. Bei „The Outlaws“ handelt es sich auf jeden Fall um so einen Nachzügler, immerhin stammt der Thriller aus dem Jahre 2017. Dieser mag zwar an den heimischen Kinokassen unglaublich erfolgreich gewesen sein. Doch, und das wissen wir in Deutschland nur allzu gut, ist die Auszeichnung „Publikumsmagnet“ eben nicht gleichbedeutend mit filmischer Qualität.

Ein Krieg in der Unterwelt von Seoul droht

Die Geschichte dieses ärgerlichen Films ist schnell erzählt, handelt es sich doch im Wesentlichen um Versatzstücke aus dem Genrebausatz: Im Seouler Stadtteil Garibong-dong stehen sich zwei rivalisierende Banden gegenüber. Jederzeit könnte ein Krieg in der Welt des organisierten Verbrechens ausbrechen, da irgendwer aus der Cobra-Gang einem Mitglied der Venom-Gang ein Messer in den Bauch gerammt hat. Eigentlich sind die Beschäftigungsfelder sauber aufgeteilt. Die einen kümmern sich ums Glücksspiel, die anderen um Vergnügungsetablissements. Dazwischen vermittelt der resolute Polizist Ma Seok-do (Ma Dong-seok) mit seinem Team.

Plötzlich taucht ein psychopathischer Fremder auf, der mit brachialer Gewalt die Machtverhältnisse auf den Kopf stellt und eine hemmungslose Blutspur hinter sich herzieht. Dem wenig zimperlichen Cop, der sein Viertel vorher eigentlich im Griff hatte, entgleitet die Situation mehr und mehr. Die alten Regeln sind außer Kraft gesetzt. In der Folge werden die ohnehin fragwürdigen Verhörmethoden dieser Outlaw-Cops noch grenzwertiger: Der Zweck heiligt die Mittel, wenn ein Tatverdächtiger mit einem Elektroschocker traktiert wird. Vor die Kamera im Polizeibüro wird dann mal eben schnell ein präparierter Pappkarton geschoben.

Law and Order

The Outlaws ist filmgewordenes Law and Order und ziemlich vorhersehbar. Was soll schon großartig passieren, als dass sich der Plot weiter zuspitzt? Schließlich muss der Störenfried eliminiert werden, damit sich wieder ein Gleichgewicht im Viertel einstellen kann. Sieht man über das reaktionäre Milieu hinweg, könnte man daraus immer noch einen handfesten Actionthriller für zwischendurch machen. Gelingen will das Regisseur Yoon-Seong Kang jedoch zu keinem Zeitpunkt.

Gleich zu Beginn werden die Figuren wie im Comic eingeführt: schnell und über äußere Merkmale oberflächlich mit Charaktereigenschaften ausgestattet. Der harte, aber herzliche Polizist Ma Seok-do bringt eine körperliche Durchsetzungskraft mit, die durchaus an Bud Spencer denken lässt, wenn er ein ziemlich kräftiges Gangmitglied mit einem einzigen Schlag zu Boden streckt oder aus dem Nichts heraus Ohrfeigen verteilt. All das ist mit einer für den koreanischen Film typischen Komik erzählt, die sich so auch in eigentlich ernsthaften und mitunter brutalen Filmen wie „Memories of Murder“ oder „The Wailing“ finden lässt. Ganz häufig werden Schrecken und Grauen mit Albernheit und Witz unter Spannung gesetzt.

The „Outlaws“ gerät in dieser Hinsicht aber viel zu formelhaft, sodass wie in einem Abzählreim die Gewalt auf die Komödie, derbe Sprüche auf brechende Knochen folgen. Wirklich zusammen hängen diese ästhetischen Rhythmen nicht, stehen nebeneinander und verhindern jeglichen empathischen Fluss und jedwede Spannung. Dieser Actionfilm, dessen Anteil an wirklicher Action ziemlich gering ist, bleibt eine holzschnittartige Mainstreamproduktion von der Stange. Will der koreanische Film nachhaltig überraschen, muss er Formelhaftigkeiten wie diese unterlaufen.

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