It Felt Like Love

Coming-of-Age-Film | USA 2013 | 82 Minuten

Regie: Eliza Hittman

Eine 14-jährige New Yorkerin will in Sachen sexuelle Erfahrungen endlich mit ihrer etwas älteren Freundin mithalten können. Sie versucht, mit einem attraktiven College-Studenten anzubandeln, manövriert sich aber bei ihren unbeholfenen Annäherungsversuchen in brisante Situationen. Einfühlsames Coming-of-Age-Drama mit starken Darstellerleistungen und bemerkenswertem Gespür für das Lebensgefühl von Teenagern. In einfühlsamen Bildkompositionen zeigt der Film die chronische Verunsicherung einer Jugendlichen, die sich nach Zuwendung und Anerkennung sehnt und nach ihrem Platz im Leben sucht. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
IT FELT LIKE LOVE
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2013
Regie
Eliza Hittman
Buch
Eliza Hittman
Kamera
Sean Porter
Schnitt
Scott Cummings · Carlos Marques-Marcet
Darsteller
Gina Piersanti (Lila) · Nyck Caution (Patrick) · Giovanna Salimeni (Chiara) · Kevin Anthony Ryan (Lilas Vater) · Ronen Rubinstein (Sammy)
Länge
82 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Coming-of-Age-Film | Drama

Poetisches Coming-of-Age-Drama über ein einsames 14-jähriges Mädchen, das sich am Strand von Brooklyn auf der Suche nach männlicher Zuwendung in heikle Situationen bringt.

Diskussion

Die 14-jährige Lila (Gina Piersanti) lebt mit ihrem alleinerziehenden Vater, der sich nur selten um sie kümmert, in einem ärmlichen Viertel im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Lila und ihre etwas ältere Freundin Chiara (Giovanna Salimeni) gehen zusammen in den gleichen Tanzkurs, um mit zwei weiteren Mädchen eine Choreographie zu einem HipHop-Song einzustudieren. In den Sommermonaten hängt Lila oft mit Chiara und deren Freund Patrick an einem nahe gelegenen Strand ab und muss zusehen, wie die beiden ausgiebig herumturteln. Wenn die deutlich erfahrenere Chiara von ihren sexuellen Aktivitäten mit Patrick schwärmt, fühlt sich Lila zunehmend als Außenseiterin, denn sie hat keinen Freund. Um endlich mithalten zu können, erfindet sie eigene sexuelle Erfahrungen und gibt damit etwa beim jüngeren Nachbarsjungen Nate an.

Als Lila am Strand den attraktiven College-Studenten Sammy (Ronen Rubinstein) trifft, von dem Chiara zu berichten weiß, dass er mit jedem Mädchen ins Bett geht, macht Lila ihn zum Objekt ihrer Sehnsüchte. Sie schickt ihm mehrmals Textnachrichten, besucht ihn in dem Videospielladen, in dem er jobbt, und versucht, seine Aufmerksamkeit zu wecken. Sammy zeigt kein echtes Interesse an der Minderjährigen, weist ihre unbeholfenen Annäherungsversuche aber auch nicht zurück. Eines Tages besucht sie Sammy in seinem Appartment, wo er mit Kameraden einen Joint raucht und sie einen Pornofilm anschauen. Noch brenzliger wird es für Lila, als sie mit Chiara an einer Party bei Sammy teilnimmt, bei der viel Alkohol konsumiert wird.

Das Debüt von Regisseurin Eliza Hittman

Die 1979 in New York City geborene Filmregisseurin, Autorin und Produzentin Eliza Hittman schildert in ihrem Debütspielfilm mit großem Fingerspitzengefühl die chronische Verunsicherung einer Jugendlichen, die sich nach Zuwendung, erstem Sex und Anerkennung sehnt und nach ihrem Platz im Leben sucht. Dabei offenbart Hittman ein besonderes Talent, das Lebensgefühl von Teenagern mit schnell wechselnden Stimmungslagen in einfühlsamen Bildkompositionen einzufangen. Ein Talent, das sie danach auch in ihrem zweiten langen Film „Beach Rats“ (2017) über einen jungen Homosexuellen aus Brooklyn sowie in ihrem Abtreibungsdrama „Niemals selten manchmal immer“ (2020) bewies. Zentrale Gestaltungselemente vor allem ihres dritten, preisgekrönten Films sind bereits im Debütwerk angelegt.

Nah an den Figuren

Das beginnt mit dem Verzicht auf weitschweifige Dialoge in der Exposition: In den ersten fünf Minuten von „It Felt Like Love“ wird nicht gesprochen, stattdessen beschränkt sich die Kamera auf ein beiläufiges Beobachten. Der Kameramann Sean Porter bleibt oft nah an den Figuren und zeigt diese oft nur in Ausschnitten. Der Erzählrhythmus ist bedächtig, die atmosphärisch dichte Inszenierung mutet zuweilen fast semidokumentarisch an, insbesondere wenn Lila allein durch die Straßen streift oder in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Gleichwohl entfalten die Bildkompositionen eine leise Poesie.

Die Story des offenkundig schmal budgetierten Debütfilms, der auf dem Filmfestival in Sundance uraufgeführt wurde, fällt allerdings mager aus. Hittman konzentriert sich auf den zentralen Erzählstrang und beschränkt sich bei Nebenfiguren und -handlungen auf ein Minimum. Allerdings geht dieser Minimalismus auf Kosten einer differenzierten Darstellung der Hintergründe. So hätte man gern gewusst, warum Lila vor dem jungen Nate so angibt. Oder warum ihr Verhältnis zum Vater gestört ist, dem es egal zu sein scheint, wo seine Tochter die Nacht verbracht hat, und der sich klar überschätzt, als er einmal behauptet: „Du hast keinen Kerl, von dem ich nichts weiß.“

Bildstarke szenische Miniaturen

Bemerkenswert ist, wie souverän die Regisseurin gelegentlich bildstarke szenische Miniaturen einstreut. Etwa wenn Lila beobachtet, wie Patrick in einem menschenleeren Ferienhaus einen Ring an sich nimmt und ihn später Chiara als Verlobungsring an den Finger steckt. Doch der Diebstahl lohnt sich nicht: Kurz darauf hat die unstete Chiara den allzu besitzergreifenden Patrick schon abserviert und verlobt sich mit einem anderen Burschen. Ein anderes Mal manövriert sich Lila in eine Sackgasse, als sie sich gegenüber Chiara brüstet, mit Sammy Sex gehabt zu haben, worauf die abgeklärte Chiara sie drängt, sich einer peinlichen medizinischen Untersuchung zwecks Notfallverhütung zu unterziehen, die Lila über sich ergehen lassen muss, um nicht als Lügnerin dazustehen.

Hittmans Drama punktet nicht zuletzt mit einer starken Besetzung. Die Debütantin Gina Piersanti verkörpert mit ihrer natürlichen Darstellung die Identitätssuche und die mutige erotische Odyssee der Teenagerin Lila sehr überzeugend. Ihre Kollegin Giovanna Salimeni steht ihr als selbstsichere Chiara, die ihre männlichen Begleiter schnell und resolut wechselt, kaum nach. In der Rolle des angehimmelten Sammy versteht es Ronen Rubinstein vorzüglich, die innere Spannung zwischen Sich-Geschmeichelt-Fühlen und vorsichtiger Distanz gegenüber einer 14-Jährigen anschaulich zu machen.

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