Drama | Großbritannien 2022 | 141 Minuten

Regie: Ron Howard

Eine Gruppe Jugendlicher wird nach heftigen Regenfällen von den Wassermassen in der Tham-Luang-Höhle in Thailand eingeschlossen. Eine lokal geleitete und international unterstütze Rettungsaktion beginnt, wobei u.a. britische Höhlentaucher zum Gelingen der schwierigen, gefahrvollen Mission beitragen. Als vierte filmische Verarbeitung der tatsächlichen Rettungsaktion im Jahr 2018 betrachtet das Katastrophendrama weniger die heroischen Einzelleistungen als das komplexe Geflecht aus Sachzwängen, Befehlsketten und Handlungseinschränkungen. Dank einer suggestiven formalen Umsetzung der Rettung vermittelt der Film gleichwohl eindrucksvoll die atemlose Spannung der Aktion. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THIRTEEN LIVES
Produktionsland
Großbritannien
Produktionsjahr
2022
Regie
Ron Howard
Buch
William Nicholson
Kamera
Sayombhu Mukdeeprom
Musik
Benjamin Wallfisch
Schnitt
James Wilcox
Darsteller
Colin Farrell (John Volanthen) · Joel Edgerton (Harry Harris) · Viggo Mortensen (Rick Stanton) · Tom Bateman (Chris Jewell) · Josh Helman (Major Hodges)
Länge
141 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama

Ein Drama nach wahren Begebenheiten um die spektakuläre, von vielen internationalen Helfern unterstützte Rettung einer Gruppe von Jungen aus einem überfluteten Höhlensystem in Thailand.

Diskussion

Noch im ersten Bild ist der Horizont malerisch. Die Sonne strahlt über der thailändischen Landschaft, ein paar vereinzelte Wolken scheinen das Bild zu komplettieren. Wenig später beginnt der Regen. Die zwölf Jungen, die noch unter klarem Himmel mit ihrem Fußballtrainer (Teeradon Supapunpinyo) zu einem spontanen Ausflug in die Tham-Luang-Höhle aufgebrochen sind, stecken kurz darauf bereits in der nun vom Regen überfluteten Höhle fest. Die bei Trockenheit völlig ungefährliche Felsgrotte wird im Starkregen zur unpassierbaren Todesfalle.

Ein gut ausbalancierter Versuch, die Rettungsaktion filmisch zu verdichten

„Dreizehn Leben“ ist nach „The Cave“ (2019), „13 Lost: The Untold Story of The Thai Cave Rescue“ (2020) und „The Rescue“ (2021) bereits der vierte Film, der die Rettungsaktion in der Tham-Luang-Höhle von 2018 thematisiert. Anders als der als maßgebliches Porträt der Rettung gefeierte Dokumentarfilm „The Rescue“, verzichtet das aufwendige Katastrophendrama von Ron Howard weitgehend auf die dramaturgischen Zuspitzungen, die die reale Katastrophe nahezulegen scheint. Nachdem der Film in kaum 15 Minuten den ersten Tauchgang hinter sich bringt, bei dem die thailändischen Navy Seals zwei Personen aus der Höhle befreien, folgt die eigentliche Rettung, die sich über die folgenden zwei Wochen (im Film zu zweieinhalb Stunden Laufzeit gerafft) zu einem komplexen Geflecht aus Befehlsketten, Sachzwängen und lokaler wie internationaler Hilfsbereitschaft auswächst. Primär auf die britischen Taucher Rick Stanton (Viggo Mortensen), John Volanthen (Colin Farrell) und den australischen Anästhesisten Richard Harris (Joel Edgerton) konzentriert, ist „Dreizehn Leben“ weniger ein klassischer „Nailbiter“ als ein gut ausbalancierter Versuch, die verschiedenen Ebenen der hochkomplizierten Rettungsaktion in einen Film zu pressen. Trotzdem wird es Rick Stanton sein, der die entscheidende Schnapsidee hat, die aufgrund mangelnder Alternativen zum Masterplan der Rettung wird. Ein befreundeter Höhlentaucher mit entscheidender Zusatzfunktion soll aushelfen: Der Anästhesist Richard Harris soll die Kinder sedieren, damit die Höhlentaucher sie durch die Strömungen des verzweigten, finsteren und kaum navigierbaren Höhlensystems schleppen können.

Jeder sichtbare der mehrstündigen Tauchgänge macht schnell deutlich, was die Höhle Rettern und zu Rettenden abverlangt. In der Tiefe hallen die Kollisionen von Sauerstofftanks und Felsgestein wie gespenstische Glocken durch die Dunkelheit. In den winzigen Felsspalten reißt die Haut auf, Körper verkeilen sich, verfangen sich in den Führungsseilen, das beständige Ziehen der Atemluft beschleunigt sich, die panischen Laute ersticken zum Gluckern. Das Sounddesign und die immer gerade genug vom Licht durchdrungene Dunkelheit der Höhle begleiten die Mission jederzeit mit dem Schrecken des Ertrinkens.

Ein verzweifelter Plan

Stets entlang der tödlichen Ungewissheiten und an den immer greifbaren politischen und ethischen Abgründen ausgerichtet, zeichnet der Film einen gleichermaßen aus Verzweiflung, Wahnwitz und Professionalität geborenen Weg zur Rettung. Im Hintergrund plärrt die Fußballweltmeisterschaft 2018 aus den Fernsehern, buhlt um Aufmerksamkeit und wird dabei zum diegetischen Zeitmesser: noch vor dem Finale wird den eingeschlossenen Jungen die Luft ausgehen. Kurz nach der Gruppenphase breitet sich die Verzweiflung aus, aus der der finale Rettungsversuch entsteht. Ein thailändischer Polizist kauert weinend im Auto, als er mit anhört, wie Stanton ehrlich ausspricht, dass er nicht glaube, dass eines der Kinder die kommenden Tage überleben werde. Auf dem Gesicht des Anästhesisten Harris ist die gleiche Verzweiflung zu lesen, als er versteht, dass der von ihm verlangte und dem Ethikverständnis der Medizin widersprechende Einsatz von Betäubungsmitteln alternativlos ist. Der Gouverneur (Sahajak Boonthanakit) übernimmt mit steinernem Stoizismus die Verantwortung. Die Taucher selbst sind wenig überzeugt von ihren Chancen und der finalen Rationalisierung Stantons, die von Harris zu sedierenden Jungen könnten von den Tauchern wie „Pakete“ aus der Höhle gebracht werden.

Die Darsteller tragen das Gewicht, das selbst die gewaltige Anzahl der Retter nicht zu schultern vermag, mit fantastischen Leistungen. Mortensen und Farrell sind die alten Männer, denen niemand eine derartige Rettung zutraut. Sie sind erfahren genug, um diese Einschätzung nicht in Frage zu stellen und gleichzeitig zu wissen, dass ihre Fähigkeiten dennoch gebraucht werden.

„Dreizehn Leben“ wehrt sich beharrlich gegen die in dieser Perspektive deutlich sichtbaren „White Savior“-Untertöne und besucht dazu wieder und wieder das Geschehen abseits der Höhle. Ein studierter Wassertechniker aus Bangkok erarbeitet hier, zusammen mit dem ortskundigen Dschungel-Experten eine Lösung. Moderne Wissenschaft trifft auf traditionelle „Bushcraft“. Die lokalen Reisbauern stimmen dem Vorhaben zu, das Regenwasser auf ihre Felder abzuleiten, geben ohne große Geste ihre Lebensgrundlage für die Rettungsaktion auf. Es braucht viele Rädchen, die ineinandergreifen, um das zu vollbringen, was die Retter 2018 in Chiang Rai, Thailand vollbrachten. „Dreizehn Leben“ findet die meisten.

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