Shattered - Gefährliche Affäre

Thriller | USA/Deutschland/Schweiz 2021 | 92 Minuten

Regie: Luis Prieto

Ein in Scheidung lebender Millionär verliebt sich in eine junge, aufreizende Frau. Als er bei einem versuchten Autodiebstahl verletzt wird und auf den Rollstuhl angewiesen ist, zieht sie als Krankenschwester in seine luxuriöse Villa. Bald zeigt sich, dass sie alles andere als wohlmeinende Pläne verfolgt. Hanebüchener Erotikthriller, der einiges an Unsinn und logischen Brüchen zumutet. Während die Gier und Bösartigkeit der Frau nur unzureichend erklärt werden, dient das aufgesetzte soziale Bewusstsein des Films, das die Schuld an den Reichtum des Mannes knüpft, nur als Fassade für gewalttätige Auswüchse. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
SHATTERED
Produktionsland
USA/Deutschland/Schweiz
Produktionsjahr
2021
Regie
Luis Prieto
Buch
David Loughery
Kamera
Juanmi Azpiroz
Musik
Tom Howe
Schnitt
Federico Conforti
Darsteller
Cameron Monaghan (Chris Decker) · Lilly Krug (Sky) · Sasha Luss (Jamie Decker) · Ridley Bateman (Willow Decker) · John Malkovich (Ronald)
Länge
92 Minuten
Kinostart
24.11.2022
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Thriller

Heimkino

Verleih DVD
Leonine
Verleih Blu-ray
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Erotikthriller um einen Millionär, der nach einem Angriff im Rollstuhl landet und eine junge Frau als Krankenschwester einstellt, die sinistre Ziele verfolgt.

Diskussion

Vielleicht hätte Chris Decker (Cameron Monaghan) ein wenig vorsichtiger und aufmerksamer sein sollen, als er kurz nach Mitternacht durch einen Supermarkt streift. Der einzige andere Kunde ist nämlich eine schöne, aufregende junge Frau namens Sky, die vom Regen ganz nass ist und ein wenig zu offensiv ihre Verführbarkeit signalisiert. Ob er ihr bei der Auswahl eines guten Weines helfen könne? Auch sein Angebot, sie mit dem Auto nach Hause zu bringen, nimmt sie gerne an. Bald haben beide Sex miteinander, sehr leidenschaftlich und sehr wild.

Doch solche Vergnügungen bleiben im Kino meist nicht ohne Folgen. Chris Decker hat eben ein Internet-Start-up für mehrere Millionen Dollar verkauft. Von seiner Frau und seiner Tochter lebt er getrennt. Darum wohnt er allein in einem Traumhaus, das oben auf einem Berg gelegen ist. Sky hingegen haust unten im Ort in einem billigen Motel, das John Malkovich als lüstern-schmieriger Portier und Hausmeister betreibt. Ihre Zimmergenossin ist psychisch labil, mit selbstzerstörerischen Zügen. Eines Abends bricht ein Autodieb Chris mit einem Wagenheber das Bein. Hilflos sitzt er, wie weiland James Stewart in „Das Fenster zum Hof“, fortan zuhause in einem Rollstuhl, Sky zieht kurzerhand zu ihm – als ganztägige Krankenschwester, wenn man so will. Doch sie verfolgt ganz andere Pläne.

Aufdringlicher Lolita-Mythos

Mit einem Mal ist man in einen Sexthriller geraten, der an zahlreiche Vorbilder, von „Eine verhängnisvolle Affäre“ bis „Body Double“ oder „Gone Girl“ erinnert. Regisseur Luis Prieto mutet dabei einiges an Unsinn und logischen Brüchen zu; viel zu aufdringlich ist seine Faszination für den Lolita-Mythos. Lilly Krug, die Tochter von Veronica Ferres, spielt Sky als willige Nymphe, die überhaupt keine Scham und Hemmungen mehr kennt. Der Film zeigt sie häufig in Herrenhemden, die ihre nackten Beine präsentieren. Die Skrupellosigkeit und Brutalität der Frau wird durch eine traumatische Kindheit nur unzureichend gerechtfertigt; warum sie so gierig und böse ist, erfährt man nicht. Einmal sticht sie auf ein Opfer mit einem japanischen Schwert ein, wieder und immer wieder; das Blut spritzt nur so, bis ihr Gesicht ganz verschmiert ist und sie aussieht wie Sissy Spacek in „Carrie“. Plötzlich ist der Film in den Niederungen des Slasher-Films angekommen.

Doch noch fataler als diese unzureichende Charakterisierung ist das vorgetäuschte soziale Bewusstsein des Films. Die Idee eines ungeheuer reichen Mannes, der sein Lebenswerk verkauft hat und nicht mehr arbeiten muss, könnte zur Überlegung gereichen, wie man fortan das Leben sinnvoll gestaltet. Doch Prieto dient sie nur als alberne, weit hergeholte Unterfütterung der Motive von Sky und ihres Helfers, der später dazustößt: Sie sind einfach nur neidisch. Der Klassenunterschied zwischen Oben und Unten, der soziale Aufstieg wird hier ganz ohne Ironie verhandelt und wirkt gerade darum so aufgesetzt und lächerlich.

Symbol für unverdienten Reichtum

Interessant ist immerhin die Architektur des weitläufigen Hauses, das mit Alarmanlagen und Codes ausreichend gesichert erscheint, aber auch im Dunkeln mit Infrarotlicht durchschritten werden kann – eine Eigenschaft, die im abschließenden Showdown eine große Rolle spielt. Doch man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die Villa ist nur Symbol für den unverdienten Reichtum des Besitzers, der damit sein Schicksal herausfordert.

Schade ist es auch um John Malkovich. Er hat nur wenige Auftritte, und trotzdem verleiht er ihnen mit ungewöhnlichen Gesten und erstaunlicher Mimik große Prägnanz. Mit anderen Worten: Dieser schräge Außenseiter ist die interessanteste Figur des Films.

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