Die Suche nach Planet B - Mission James-Webb-Weltraumteleskop

Dokumentarfilm | USA 2021 | 90 Minuten

Regie: Nathaniel Kahn

Doku über die Erforschung erdähnlicher Planeten, sogenannter Exo-Planeten, die in einer habitablen Zone um Sterne kreisen und die wichtigsten Bedingungen erfüllen, unter denen Leben entstehen kann. Seitdem dafür Weltraumteleskope zur Verfügung stehen, blüht die noch recht junge Disziplin regelrecht auf, weshalb mit dem Ende 2021 in Betrieb genommenen James-Webb-Teleskop (JWST) besondere Erwartungen verbunden sind. Der Film kombiniert die Geschichte der Exo-Planeten-Forschung mit dem Bau des James-Webb-Teleskops und stellt Menschen ins Zentrum, die mit großer erzählerischer Klarheit und höchstem persönlichen Engagement von der Suche nach einer „zweiten Erde“ erzählen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
THE HUNT FOR PLANET B
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Nathaniel Kahn
Buch
Nathaniel Kahn
Kamera
Robert Richman
Musik
Paul Leonard-Morgan
Schnitt
Sabine Krayenbühl
Länge
90 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Dokumentarfilm

Doku über die Erforschung sogenannter Exo-Planeten, die die wichtigsten Bedingungen erfüllen, unter den Leben entstehen kann. Das 2021 in Betrieb genommene James-Webb-Teleskop verspricht neue Erkenntnisse.

Diskussion

In klaren Nächten kann man am Walden Pond in Massachusetts den Jupiter sehen. Mit etwas Glück und einem guten Fernrohr lassen sich vielleicht sogar die vier Monde ausmachen, die um den Jupiter kreisen. Das Studium ihrer Bahn lieferte 1610 für Galileo Galilei der Beweis dafür, dass es Gestirne gibt, sie sich nicht um die Erde bewegen – eine Erkenntnis, die das damals geltende geozentrische Weltbild über den Haufen warf.

Der Vorrang der empirischen Beobachtung bestimmte von da an die Astronomie, die immer feinere Instrumente bis hin zum James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) erdachte, das am 25. Dezember 2021 ins All geschossen wurde. Mit seinen hochauflösenden Infrarot-Instrumenten könnte man vom Mond aus sogar das Nachtlicht in einem Kinderzimmer erkennen.

Wo Leben entstehen könnte

Von dieser unvorstellbaren „Tiefenschärfe“ versprechen sich auch all jene Wissenschaftler wie Sara Seager einen enormen Erkenntnissprung, die auf der Suche nach Exo-Planeten sind, erdähnlichen Planeten, von denen bislang etwa 5000 entdeckt wurden. Wie die Erde kreisen diese Exo-Planeten in der sogenannten habitablen Zone um einen Stern, weshalb es geologisch auf ihnen weder zu heiß noch zu kalt ist, was eine der grundlegendsten Bedingungen für die Entstehung von Leben darstellt.

Im Zentrum der durch das JWST bald möglichen Exo-Planeten-Erkundung steht der Planet Trappist-1-e, der etwa 40 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild des Wassermanns unterwegs ist; Funk- und Fernsehsignale einer Sendung mit dem US-Astrophysiker Carl Sagan aus dem Jahr 1978 gelangen erst jetzt erstmals dorthin. Trappist-1-e ist der vierte von insgesamt sieben Planeten, die um den Zwergstern Trappist-1 kreisen; seine Erdähnlichkeit wird auf 0,85 geschätzt, und es wird darüber spekuliert, dass er eine Ozeanwelt beherbergen könnte.

JWST und die Suche nach Exo-Planeten

Die Dokumentation „Auf der Suche nach Planet B“ von Nathaniel Kahn rekapituliert die noch recht junge Geschichte der Exo-Planeten-Forschung und verknüpft sie mit der Idee und dem Bau des James-Webb-Teleskops, der 1996 beschlossen wurde und bis zu seiner Fertigstellung die gigantische Summe von 9,6 Mrd. US-Dollar verschlang.

Der Start und die komplizierte Entfaltung des Tennisfeld-großen Spiegels, der seine Position in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung zu Erde erst nach einem Monat erreichte und im Juli 2022 sensationelle erste Bilder aus dem Universum lieferte, beschäftigte wochenlang die Medien. Ursprünglich sollte das Teleskop bereits 2007 und dann 2014 in Dienst genommen werden. Doch auch ein weiterer Anlauf im Frühjahr 2019 scheiterte, als erneut Mängel entdeckt wurden. Das mag erklären, weshalb Kahns Dokumentation im Frühjahr 2021 endet und sich auf einige atemberaubende Sequenzen während der vielen Tests und den wichtigsten Stationen der Chronologie des infolge seiner enormen Kosten immer wieder umstrittenen JWST-Projekts konzentriert.

Die Erfahrung des „Earthrise“

Der eigentliche Fokus des Films liegt aber bei Menschen wie der Astrophysikerin Sara Seager, die ihr Leben der Astronomie verschrieben haben oder am Bau des JWST mitwirkten. Dabei klingt immer wieder auch Persönliches an, wenn sich Biografisches mit wissenschaftlichen Anliegen mischt oder die Motive für ein anstrengendes Forscherleben in den Persönlichkeiten gesucht werden. Das große Plus des Films ist dabei seine Kunst, auf komplizierte wissenschaftliche Erklärungen zu verzichten; stattdessen werden die vielen Interviewpartner zu großer erzählerischer Klarheit und Plastizität geführt. Dass sich in der Milchstraße Hunderte Milliarden Sterne finden, diese Galaxie aber nur eine von Hunderten Milliarden anderer im Universum ist, sagt erschöpfend mehr, als es jede mathematische 10-hoch-24-„Quadrillionen“-Formel ausdrücken könnte.

Zu den weiteren Stärken des Films zählt auch, dass neben der Geschichte der Exo-Planeten-Forschung kleine Abstecher zu verwandten Gebieten wie der Radioteleskopie, etwa dem Seti-Projekt und seiner Frontfrau Jill Tarter, oder dem Grant-Museum in London möglich sind, wo sich die Spuren der langen Menschwerdung nachverfolgen lassen. Denn über alle Details in „Die Suche nach Planet B“ ließe sich der Satz des Apollo-8-Astronauten William Anders stellen, der den Anblick der halberleuchteten Erde in der Schwärze des Alls später so umschrieb: „Wir folgen hin, um den Mond zu entdecken. Aber was wir wirklich entdeckten, war die Erde.“

Forschen, Wissen, Glauben

In die filmische Suche nach einer zweiten Erde in den Tiefen des Alls mischen sich mitunter auf etwas oberflächliche Weise irdisch-zeitbedingte Elemente – etwa Verweise auf Klimawandel und Artensterben, die Friday-for-Future-Bewegung, kurze Ausschnitte aus Kinofilmen über Erstkontakte mit Aliens oder ein wie ein Feigenblatt wirkendes Diversity-Bekenntnis, dass „gemischte“ Teams stärker, erfolgreicher und kreativer seien. Zu dieser Form der Zeitgeistigkeit passt dann auch ganz gut Jill Tarters Credo, dass an die Stelle, wo früher bei Aristoteles und Ptolemäus angeblich der Glaube und ungeprüfte Überzeugungen dominierten, jetzt das Wissen und Forschen getreten sei. Auch wenn das argumentativ nicht weit trägt, wünschte man doch, dass jene Mischung aus Rationalität, Sorgfalt, Empathie und Liebe, die bei der JWST-Mission am Werk waren, auch in anderen Bereichen fruchtbar würde

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