Familienfilm | USA 2022 | 121 Minuten

Regie: Adam Shankman

Eine Märchenprinzessin fremdelt zehn Jahre, nachdem sie unfreiwillig nach New York gelangte, noch immer mit dem Erdendasein, was sich auch durch den Umzug in einen Vorort nicht bessert. Als sie ihn in eine Märchenwelt verwandelt, scheint sie wieder in ihrem Element zu sein, doch erweist sich der Zauber als tückisch, da dieser ihr die Rolle der bösen Stiefmutter aufzuzwingen droht. Familienfreundliche, anfangs etwas holprig entwickelte Musical-Komödie, die zusehends an Schwung gewinnt und zur unterhaltsamen filmischen Reflexion von Märchentopoi wird. Den Darstellerinnen gelingt es dabei mit nuanciertem Spiel, klischeehafte Geschlechterbilder von Märchen pointiert aufzubrechen. - Ab 10.

Filmdaten

Originaltitel
DISENCHANTED
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Adam Shankman
Buch
Brigitte Hales
Kamera
Simon Duggan
Musik
Alan Menken
Schnitt
Emma E. Hickox · Chris Lebenzon
Darsteller
Amy Adams (Giselle) · Patrick Dempsey (Robert Philip) · Maya Rudolph (Malvina Monroe) · Gabriella Baldacchino (Morgan) · James Marsden (Prinz Edward)
Länge
121 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 10.
Genre
Familienfilm | Fantasy | Komödie | Liebesfilm | Musical

Fantasy-Fortsetzung um eine Märchenprinzessin, die es nach New York verschlagen hat: Ein Umzug in die Vorstadt steht an, und der Versuch der Heldin, diese märchenhafter zu gestalten, hat ungeahnte Folgen.

Diskussion

New York mag einen speziellen Zauber haben, doch von echter Magie nicht die Spur. Jemandem, der aus einer von magischen Gegebenheiten geprägten Welt hierherkommt, fordert dies einiges an Umgewöhnung ab, was die Märchenprinzessin Giselle (Amy Adams) schon in der Fantasy-Komödie „Verwünscht“ (2007) mit einigen Anstrengungen akzeptieren musste. Erleichtert wurde dies der jungen Frau, die an sich unfreiwillig auf die Erde gelangt war, immerhin durch ihre Liebe zum Anwalt Robert; mit diesem und seiner Tochter Morgan fand sie am Ende des Films eine Familie, die es wert war, ihr Märchenreich Andalasien zurückzulassen – zumal auch dieses mit Giselles Ex-Galan Edward und Roberts zeitweiliger Freundin Nancy ein Königspaar nach Maß erhielt. Doch zehn Jahre später sieht die New Yorker Welt nicht mehr so rosig aus, vor allem da Raum fehlt, seit Giselle und Robert ein Baby bekommen haben. Die Lösung ist das, was in manchen US-amerikanischen Köpfen am ehesten als märchenhaftes Idyll auf Erden herhalten muss: Wegziehen aus der Großstadt in eine isolierte Vorstadt, wo die Zumutungen der Metropole außen vorbleiben. Auch wenn das wiederum Nachteile mit sich bringt wie den Aufschlag an einer fremden High School (Morgan) oder elendig lange Pendelzeiten (Robert).

Suburbia muss märchenhafter werden!

In „Verwünscht nochmal“ setzen Regisseur Adam Shankman und Drehbuchautorin Brigitte Hales nach 15 Jahren den Disney-Erfolg von Kevin Lima fort und stellen die Hauptfiguren zuerst erneut in ein „Fish-out-of-Water“-Szenario. Die Probleme von Robert und Morgan sind eher erwartbar nach einem Umzug, Giselle hingegen fremdelt nach wie vor generell mit der Menschenwelt und scheint sich in den zehn Jahren Handlungszeit zwischen den beiden Filmen nur wenig angeeignet zu haben, was als alltagspraktisch gelten könnte. In Monroeville läuft sie mit ihrer gutherzigen Hilfsbereitschaft bei der faktischen Ortsvorsteherin Malvina Monroe jedenfalls direkt vor eine Wand, Morgan lässt die Teenagerin raushängen und weist Giselles Hilfe als peinlich zurück, und im neuen Haus funktioniert kaum etwas – sogar der Toast brennt an. Giselle fühlt sich verloren und sieht nur den Ausweg, Monroeville in ihrem Sinne lebenswerter, sprich: märchenhafter zu machen. Dank eines Zauberstabs macht sie den Wunsch rasch zur Wirklichkeit und die – ohnehin nicht sehr realitätsnahe – Vorstadtsiedlung wird zur Kopie von Andalasien inklusive Schlössern, Riesen, Drachen, Malvina als Königin mit schwarzer Seele und reichlich geträllerten Liedern und munteren Tänzen. Allerdings auch mit Tücken im System, bis hin zu Giselles prädestinierter Rolle in dem Reich; gemäß der Märchentradition wird sie buchstäblich in den Part der bösen Stiefmutter hineingesogen.

Die Märchenprinzessin findet sich als Böse Stiefmutter wieder

Die Handlung braucht in „Verwünscht nochmal“ etwas Zeit, um in Schwung zu kommen, weil der Übergang vom animierten Prolog zur (weitgehend) nicht-animierten Welt nicht mehr so frisch wie im ersten Teil daherkommt und auch weil Giselles nach wie vor umfassende Blauäugigkeit recht repetitiv wirkt. Den Anfang des Films prägt in erster Linie das Verhältnis von Giselle und Morgan, als Konflikt zwischen einer wohlmeinenden, aber überforderten Mutter und ihrer pubertierenden Tochter, ergänzt um herkunftsbedingte Eigenheiten wie Giselles Irritation bei Morgans sarkastischen Bemerkungen. Die junge Schauspielerin Gabriella Baldacchino kann als unzufriedene, Halt suchende Jugendliche schon einige Akzente setzen, bevor der Film an Fahrt aufnimmt und der Fokus sich mehr in Richtung von Hauptdarstellerin Amy Adams und Maya Rudolph als ihrer Gegenspielerin Malvina verlagert. Adams, die seinerzeit schon „Verwünscht“ eine besondere Qualität verlieh, indem sie die Disney-Prinzessinnen-Rolle in all ihren Emotionen ernst nahm und ihr damit eine unerwartete Tiefe gab, findet sich mühelos wieder in Giselles offenherzigen Charakter ein, darstellerisch auskosten darf sie jedoch vor allem die Verwandlung in eine veritable Märchen-Stiefmutter.

Typische Disney-Erzählmuster

Da dies schubweise geschieht, wechselt Amy Adams eine Zeitlang sehr amüsant zwischen der boshaften Tyrannin, die Morgan demütigende Aschenputtel-Behandlung zuteilwerden lässt, und Giselles mitleidigem Wesen hin und her. Doch eingefangen von der zugedachten Funktion, nimmt die Intrigantinnen-Seite mehr und mehr zu, was zu einem bissigen Duell mit der kaltherzigen Malvina führt, das mit immer härteren Bandagen ausgefochten wird, bis die Statthalter des Guten auf irdischer wie andalasischer Seite im Finale wieder Anspruch auf die Wiederherstellung der „natürlichen“ Märchenordnung geltend machen.

Grundlegend gerüttelt wird in „Verwünscht nochmal“ nicht an Klischees von Märchen, auch wenn die oft simple Gut-Böse-Aufteilung, Geschlechterbilder und gängige Handlungsmuster für einige gelungene Pointen gut sind. In erster Linie aber folgt der Film gängigen Mustern der Disney-Zeichentrickfilme wie auch deren in den letzten zehn Jahren etablierten Remakes, wobei Giselles dunkle Anflüge eine durchaus interessante Variante zur etwas bemühten Teil-Rehabilitation der Erzschurkinnen Maleficent und Cruella de Vil bilden. Andere obligatorische Elemente, etwa der sprechende Tier-Sidekick und die Liebesgeschichte, sind eher konventionell geraten, und auch aus den Ausflügen ins animierte Märchenreich macht der Film weniger, als möglich gewesen wäre.

Musical-Drive

Mehr Verlass ist auf die Songs, die einmal mehr von Alan Menken komponiert wurden und insbesondere seiner Arbeit für „Die Schöne und das Biest“ Reverenz erweisen, mit singenden Küchengeräten und der unvermeidlichen Straßentanz-Massennummer. Musikalische Höhepunkte sind dabei vor allem das Zicken-Duett von Amy Adams und Maya Rudolph sowie ein Solo von Musical-Star Idina Menzel – das mit Blick auf deren nur ein wenig ausgeweitete Rolle als Giselles einstige Rivalin Nancy etwas ungelenk in die Handlung integriert ist, die Stimme der eindrucksvollsten Sängerin im Ensemble aber treffend zur Geltung bringt. Zusammen mit Gabriella Baldacchino bilden die Darstellerinnen auf diese Weise ein starkes Frauen-Quartett, neben dem die männlichen Figuren zwar ihre (Prinzen-)Pflichten erfüllen, im Vergleich aber deutlich weniger zu melden haben. Das zumindest ist eine willkommene Abwechslung im Einerlei des Märchenfilms.

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