Abenteuer | USA 2022 | (acht Folgen) Minuten

Regie: Philippa Lowthorpe

Eine Serienfortsetzung des gleichnamigen Fantasyfilms von 1988 : Wieder bedrohen dunkle Mächte die Welt , und eine kleine Gruppe mutiger Abenteurer:innen zieht aus, um den legendären Zauberer Willow zu finden, damit er vielleicht erneut die Welt retten kann. Die Serie setzt sich bewusst von der Vorlage ab und richtet sich statt an Fans von damals eher ans aktuelle Teen-Publikum; im Fokus steht diesmal neben Willow eine Reihe starker Frauenfiguren, und der Tonfall verschiebt sich etwas Richtung Coming -of-Age-Komödie. Obwohl dabei auf einige Klischees zurück gegriffen wird, entfaltet sich einmal mehr eine kurzweilige Abenteuer-Quest, in der nicht zuletzt kleinwüchsige Darsteller:innen schöne Akzente setzen. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
WILLOW
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Philippa Lowthorpe · Debs Paterson · Stephen Woolfenden · Jamie Childs
Buch
Jonathan Kasdan · John Bickerstaff · Julia Cooperman · Bob Dolman · Hannah Friedman
Kamera
James Friend · Joel Devlin · Stijn Van der Veken · Will Baldy
Musik
Xander Rodzinski · James Newton Howard
Schnitt
Stephen O'Connell · Adam Green · Miikka Leskinen · Tara Timpone
Darsteller
Warwick Davis (Willow Ufgood) · Ruby Cruz (Kit) · Erin Kellyman (Jade) · Ellie Bamber (Dove) · Joanne Whalley (Sorsha)
Länge
(acht Folgen) Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 12.
Genre
Abenteuer | Fantasy | Serie

Wenn die dunklen Mächte erneut ihr Haupt erheben, muss einmal mehr der Magier Willow an die Front – wenn es einer kleinen Gruppe von Abenteurerinnen gelingt ihn zu finden: Die Serienfortsetzung des gleichnamigen Fantasyfilms von 1988.

Diskussion

Die rosige Brille der Nostalgie lässt bei der bloßen Erwähnung des Namens „Willow“ in manchen Herzen Jugenderinnerungen an das Fantasy-Kino vor „Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ aufwallen, als das filmische Erschaffen fantastischer Welten und Kreaturen noch fast ohne CGI von statten ging. Der Film war bei seiner Veröffentlichung 1988 - je nachdem, wer gefragt wird - entweder ein nettes Fantasyfilmchen oder ein Meilenstein des fantastischen Kinos. George Lucas und Ron Howard versuchten damit das zu erreichen, was Lucas kurz zuvor mit „Star Wars“ in Sachen Science Fiction geschafft hatte: ein Franchise zu begründen, das die Fans begeistert und die Kassen klingeln lässt. Die ambitionierten Hoffnungen, das Fantasy-Genre wiederzubeleben, wurden jedoch an der Kinokasse schnell pulverisiert, und der Film erlangte erst im Heimkino einen gewissen Kultstatus. Nach über 30 Jahren dürfen nun alte und neue Fans erleben, was aus ihren Helden von damals geworden ist.

Von Zauberlehrlingen und Bäckerstöchtern

Vor vielen Jahren rettete der Zauberlehrling Willow (Warwick Davis) ein Baby, dessen Schicksal es sein sollte, die Welt von dunklen Mächten zu befreien. Diese Geschichte wird im Spielfilm von 1988 erzählt. Die aktuelle Mini-Serie ergänzt, dass Willow kurz darauf eine Vision hatte, die dem Kind ein grausiges Ende prophezeite. Die zukünftige Herrscherin wurde zu ihrem Schutz versteckt, ein magischer Schutzschild wird errichtet… doch eigentlich geht es darum vorerst nicht! Sondern um Prinzessin Kit (Ruby Cruz), die einen langweiligen Prinzen nicht heiraten will, und ihre beste Freundin Jade (Erin Kellyman), die eine Kriegerin werden möchte. Dann ist da noch Prinz Airk und die Bäckerstochter mit dem Spitznamen „Dove“ (Ellie Bamber), die in ihn verliebt ist. Anstatt sich mit Willow in epische Abenteuer zu stürzen, entspinnt sich also zunächst etwas Hofdrama um eine Gruppe junger Frauen. Die einzige den Fans bekannte Figur in dieser ersten Etappe ist nicht etwa Willow, sondern die Schwertkämpferin – und jetzige Königin – Sorscha (Joanne Whalley).

Diese Schwerpunktverschiebung von männlichen Schwertschwingern hin zu weiblichen Figuren fügt sich generell gut in die fiktive Welt von „Willow“: Die Figur der Sorscha, die schon im Film spannend war, wird weiter ausgebaut, das einstige Baby bekommt eine tragende Rolle. Und immerhin spielten schon 1988 in Form von Magierinnen mächtige Frauen in der Geschichte eine wichtige Rolle. Doch es ist bei Weitem nicht die einzige Änderung, mit der sich die Serie vom Quellmaterial absetzen will.

#OMG #NotMyWillow

Der Spielfilm machte kein Geheimnis daraus, dass er gerne „Herr der Ringe“ wäre, und verortete seine Handlung in einer mittelalterlich-archaisch anmutenden Welt. Es wäre etwas eigentümlich, wenn die Haupfiguren wie 1980er-Skater-Dudes gesprochen hätten. Die Serie geht zwar nicht in derartige Extreme, aber macht aus ihren Protagonistinnen doch sehr deutlich moderne Teenager: Dinge sind „totally worth it!“ und wenn das Wort „cringe“ fallen würde, wäre es nicht verwunderlich. Viele der schnippischen Bemerkungen klingen, als wäre nicht „Willow“, sondern „Clueless“ die Dialog-Inspiration gewesen. Um der hippen Stimmung die Krone aufzusetzen, endet jede Folge mit einen flippigen Pop-Punk-Song, dessen Text ironisch auf die Episode rückverweist. Sogar die Figuren thematisieren indirekt die Distanz zur Vorlage, wenn ein älterer Mann den Heldinnen vorwirft, ihre Generation habe eine zu kurze Aufmerksamkeitsspanne, und zwei Teenager zu dem Entschluss kommen „We don’t have to do things like our parents.“ Eine gewollte Abkehr also vom damaligen „Willow“, ein Schritt hin in eine neue Lesart mit zeitgemäßen Figuren, die nicht wie Charaktere einer längst vergessenen Zeit wirken, sondern wie TikTokerinnen beim Cosplay? Fans des Originals sollten einmal kurz durchatmen und sollten sich den Werbeslogan von damals zu Herzen nehmen: „Forget all you know, or think you know!”

Fantasy für Jugendliche und Junggebliebene

Zu Beginn erinnert vieles in „Willow“ an eine Teenie-Soap, später an manchen Stellen an eine Stand-Up-Comedy. Im Zweifel wird sich für einen Witz statt für ein Wagnis entschieden, und moralische Grauzonen á la „Game of Thrones“ sind weit entfernt: Die Guten sind gut, die Bösen sind böse, das übliche Disney-Moral-Bukett mit Lektionen wie „Glaub an dich“, „Vertrau deinen Freunden“ und „Sei du selbst“ gibt sich die Ehre. Mit anderen Worten: Die Serie wurde nicht gemacht, damit sich die Jungs von damals, die jetzt gestandene Männer sind, wohlfühlen, sondern damit ihre Kinder – und vielleicht insbesondere ihre Töchter? – Spaß haben. Hat man das einmal bemerkt und akzeptiert, kann die Reise durch die Welt von Willow losgehen!

Denn auch wenn alte Fans nicht im Geringsten das bekommen, was die Vorlage versprach, entfaltet die Serie gekonnt ein quirliges Abenteuer, das früh genug mit seinen Fantasy-Elementen wuchert: Es gibt einen großen Sturm auf die königliche Burg, der die Geschichte in Gange setzt, allerlei finstere Figuren mit eigenartigen Waffen stürzen sich in den Kampf, jemand wird entführt! Jetzt muss sich eine kleine, mutige Gruppe zusammenfinden und sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Willow machen, wobei, von einigen flachen Witzen abgesehen, die Dynamik zwischen den Charakteren stimmt.

Warwick Davis ergänzt die Gemeinschaft bald in seiner Rolle als titelgebender Willow, doch auch er hat sich verändert: War Willow damals ein herzensguter, aber naiver Held, erinnert die neue Inkarnation eher an Davis‘ Figur aus der Comedy-Serie „Life’s too short“ und kommt als leicht vertrottelter Star auf Egotrip daher, der häufig zurechtgestutzt werden muss. Ihr wahres Herz entfaltet die Serie aber mit einigen Rollen in Willows Umfeld: Eine der wenigen Tugenden, die sich die Serie vom Film übernimmt, ist die Besetzung der Nelwyns (inklusive Willow) mit kleinwüchsigen Menschen. Diese Darsteller und Darstellerinnen, für die sonst viel zu selten attraktive Rollen geschrieben werden, sorgen mehr als einmal für herzerwärmende Momente und treffen besser als alle anderen Figuren die von der Serie angestrebte Balance zwischen Drama und Humor.

Taschenspielertricks statt Kinomagie

„Willow“ versucht, eine progressive Fantasystory für Teenager zu sein. Leider ist vieles besser gemeint, als es gemacht ist, denn obwohl die Ansätze vorhanden sind, wirkt einiges etwas unausgegoren und kalkuliert. Die Serie fühlt sich weniger wie ein Herzensprojekt an, sondern eher wie ein Produkt, das auf eine bestimmte Zielgruppe zugeschnitten ist, und sie bedient sich schamlos an allen möglichen Klischees. Immerhin gibt es genug Tempo, Unterhaltung und Fantasie, um das Weiterschauen zu rechtfertigen. Es ist gut vorstellbar, dass die Serie für viele junge Zuschauerinnen in 30 Jahren einen ähnlichen Stellenwert einnehmen wird, wie es der Film es für die Teenageboys in den 1980ern tat. Denn bei aller Nostalgie ist der Original-„Willow“ eben auch kein Meisterwerk und wurde trotzdem von vielen ins Herz geschlossen. Ironischerweise ist die Serie also eine schlechte Fortsetzung, aber ein sehr würdiger Nachfolger für den Film von damals.

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